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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 17.12.2014

Niedersorbischer PopMit Musik gegen das Sterben der Sprache

Moderation: Katja Bigalke

Auf Straßenschildern in Cottbus in der brandenburgischen Niederlausitz, dem Zentrum der niedersorbischen Kultur steht auf Deutsch und Sorbisch "Wendenstraße - Serbska droga" und "Berliner Straße - Barlinska droga". (dpa / picture alliance / Hubert Link)
Zweisprachig: Straßenschilder im brandenburgischen Cottbus, dem Zentrum der niedersorbischen Kultur (dpa / picture alliance / Hubert Link)

In der Niederlausitz, rund um die brandenburgische Stadt Cottbus, ist eine ganz eigene Rock- und Popkultur zuhause: die der Niedersorben. Mit Musik versuchen sie, ihre Sprache am Leben zu halten. Denn diejenigen, die sie noch fließend sprechen können, werden immer weniger.

Wir bewegen uns heute in musikalischen Gefilden, die in Deutschland, nur einen ganz kleinen Flecken auf der Landkarte ausmachen. Die Rede ist von der Niederlausitz im Südosten Brandenburgs. Rund um die Stadt Cottbus, wo das Volk der Sorben zuhause ist, um genauer zu sein, das der Niedersorben. Die Obersorben sind nämlich in der Oberlausitz im nördlichen Sachsen zuhause. Rund um Cottbus also, da gibt es eine ganz eigene Rock- und Popkultur mit niedersorbischen Songs. Wenn Sie diese noch nie gehört haben, dann mag das daran liegen, dass die meisten dieser Titel ausschließlich in den sorbischen Radioprogrammen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) gespielt werden. Songs, die alte westslawische Lieder und Texte neu interpretieren, aber auch ganz neue Kompositionen. 

Kaum noch Familien mit Muttersprache Niedersorbisch

Dass die Niederlausitz Heimat des Niedersorbischen ist, merkt man im Übrigen auch an den Straßenschildern der Region. Die sind normalerweise immer zweisprachig. Und das, obwohl gar nicht mehr so viele Einwohner noch fließend Niedersorbisch sprechen können. Schätzungen gehen gerade mal von 7000 bis 10.000 meist älteren Menschen aus. Die haben die Sprache zum Teil noch zuhause gesprochen. Familien in denen heute noch sorbisch als Muttersprache gesprochen wird, gibt es allerdings in der Niederlausitz kaum noch. Deswegen versucht man die Sprache nun schon seit Längerem über andere Kanäle am Leben zu halten. Über die Musik zum Beispiel. Und da ist ein ganz wichtiger Player das rbb-Studio in Cottbus.

Vorzeigeband der Niedersorben

Ulrich Pogoda ist hier Musikredakteur des Niedersorbischen Programms. Ständig auf der Suche nach neuen jungen Talenten aus der Region, mit denen sich niedersorbische Musik vertonen lässt, produziert er seit Jahren Rock- und Popmusiktitel für die tägliche Stunde Bramborbske serbske Radijo. Im Interview spricht er darüber, ob das, was dabei rauskommt, anders klingt als herkömmliche Pop- und Rockmusik:

Für die Band "Die Folksamen" - geschrieben mit F und K - sind niedersorbische Gedichte immer wieder Inspirationsquelle. Ihre Songs entstehen meist in Eigenregie. Die Band, 2008 als Schulband am sorbischen Gymnasium Cottbus gegründet, gilt damit als eine der Vorzeigebands dieses Kulturkreises: fünf Musiker, die Traditionelles aus der Niederlausitz mit Ska und Rock mischen. Der Bassist Nils Rudolph war im Studio zu Gast. Zunächst ging es darum, ob es überhaupt richtig ist, Die Folksamen als niedersorbische Band zu bezeichnen, da die niedersorbischen Titel ja nur ein Teil des auch englisch- und deutschsprachigen Repertoires ausmachen.

Mehr zum Thema:

Sorben - eine Minderheit, die sich selbst abschafft
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 01.12.2008)

Die Themen vom 30. September - Festivals, Uraufführung und eine besondere Chorlandschaft
(Deutschlandfunk, Musikjournal, 30.09.2014)

Minderheitenschutz - Die Sorgen der Sorben
(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 25.02.2014)

Sorbischer Rundfunk als Sprungbrett
(Deutschlandfunk, Markt und Medien, 12.10.2013)

Nicht-Sorben pflegen Spreewald-Traditionen
(Deutschlandradio Kultur, Profil, 02.11.2012)

Wo Sprache und Glaube fest zusammenhängen
(Deutschlandradio Kultur, Religionen, 13.10.2012)

"Sorbe ist der, der sich dazu bekennt"
(Deutschlandradio Kultur, Kalenderblatt, 13.10.2012)

Länderreport

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