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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 27.07.2011

"Nichts zu verzollen"

Französisch-belgische Grenzkomödie

Von Hannelore Heider

Szene aus der französischen Komödie "Nichts zu verzollen“ (Bild: Prokino)
Szene aus der französischen Komödie "Nichts zu verzollen“ (Bild: Prokino)

Die französische Komödie "Willkommen bei den Sch'tis" von und mit Dany Boon war auch in Deutschland ein Riesenerfolg. An die auf leichte Art gesponnene Situationskomik kann er mit "Nichts zu verzollen" nur ansatzweise anknüpfen.

Sicher hat die weltweite Kinogemeinde nach dem Riesenerfolg der französischen Komödie "Willkommen bei den Sch'tis" auf ein Nachspiel gehofft, darauf, dass Kinoheld Dany Boon noch einmal unter die vermeintlichen Barbaren fällt und auf die harte Tour lernen muss, dass es überall Menschen gibt wie du und ich. Bei den "Sch'tis", den liebenswerten Hinterwäldlern im Nordosten Frankreichs, war ihm das auf warmherzig-komische Art gelungen. Wieder nimmt er das Heft selbst in die Hand und ist Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller in seiner neuen Komödie "Nichts zu verzollen".

Spielort ist diesmal ein kleines Kaff an der belgisch-französischen Grenze, wenige Tage vor Abbau des Grenzzaunes infolge des Schengen-Abkommens. Das trifft die Zöllner auf beiden Seiten hart, denn ihrem Arbeitsethos ist schlichtweg die Grundlage entzogen. Statt sich in das Unvermeidliche zu fügen, gibt es einen Mann, der zur sturen Verteidigung belgischer Nationalstaatlichkeit aufruft, was zu kilometerlangen Grenzstaus führt. Ruben (Benoit Poelvoorde) ist der sture, nationalistische Belgier schlechthin. Er wird zum Gegenspieler seines französischen Kollegen Mathias (Dany Boon), und zwischen beiden tobt im Folgenden ein Krieg der Kulturen, der so alt ist, dass der Zuschauer als Nichtkenner der Materie gar nicht ahnt, woher die tief sitzenden Animositäten kommen.

Im Film manifestiert sich das anachronistische Gebaren der französischsprachigen Nachbarn vor allem in der Sprache. Während der sture Belgier auch mal handgreiflich wird, bringt ihn der Franzose immer wieder über die Imitation des belgischen Dialekts auf die Palme. Das ist bei Weitem nicht so komisch wie die Sprachspiele bei den "Sch'tis", geht aber immer auf Kosten des Belgiers, der nicht ahnt, dass er den Feind bald im eigenen Haus hat.

Mathias ist schon lange und natürlich heimlich mit dessen Schwester Louise (Julie Bernard) verbandelt. Doch dass am Ende die Fremdenfeindlichkeit triumphiert, traut sich nicht einmal ein Dany Boon, obwohl er genau das einen ganzen Film lang kräftig geschürt und ausgebeutet hat. Die Bürokraten in Brüssel sind auf die Idee gekommen, das Ganze durch die Bildung mobiler gemeinsamer Zollteams zu entkrampfen. Ruben und Mathias sind, eingepfercht in einem klapprigen Renault, gezwungen zusammenzuarbeiten, was sie aber nicht daran hindert, ihre sprachliche Brachialkomik weiter zu spinnen.

Ganze zehn Millionen Franzosen haben sich im Kino schon daran ergötzt, wie ihr Idol Dany Boon den Belgier am Nasenring über die Kinoleinwand führt. Diesem offenbar nationalistisch gefärbten Einverständnis setzt der Film leider nichts entgegen, weder so liebenswerte Charaktere wie bei den "Sch'tis", noch die charmant-komische, auf leichte Art gesponnene Situationskomik. Man kann einfach nicht befreit lachen, wenn die alten Grenzzäune als Klamotte wieder hochgezogen werden, selbst wenn Benoit Poelvoorde dem französischen Superstar Dany Boon sehr wohl den Rang ablaufen kann.

Frankreich 2010; Regie und Drehbuch: Dany Boon; Darsteller: Dany Boon, Benoit Poelvoorde, Julie Bernard; Länge 108 Minuten, ab 12 Jahren

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