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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.11.2010

Neuer Personalausweis "schon ziemlich sicher"

Bundesdatenschutzbeauftragter Peter Schaar zum Dokument im Scheckkartenformat

Peter Schaar im Gespräch mit Hanns Ostermann

Peter Schaar, Bundesbeauftragter fuer Datenschutz und Informationsfreiheit (AP)
Peter Schaar, Bundesbeauftragter fuer Datenschutz und Informationsfreiheit (AP)

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar sieht außer bei den Lesegeräten Datenschutzbedenken beim neuen Personalausweises weitgehend berücksichtigt. Die Möglichkeit der Auswahl von Leistungsoptionen würde er nutzen und " wohl den Fingerabdruck nicht abgeben".

Hanns Ostermann: Er ist handlich und intelligent – der neue elektronische Personalausweis, der von heute an das alte Dokument ablöst. Keine Frage, diese Art Scheckkarte macht das Leben bequemer, aber ist sie mit ihren verschiedenen Zusatzfunktionen auch sicher? Wohl nicht nur Menschen, die technischen Neuerungen gegenüber eher vorsichtig sind, haben da ihre Sorgen. Ob die berechtigt sind, darüber möchte ich jetzt mit dem Bundesdatenschutzbeauftragten sprechen, mit Peter Schaar. Guten Morgen, Herr Schaar!

Peter Schaar: Guten Morgen, Herr Ostermann!

Ostermann: Liefe Ihr alter Personalausweis heute aus, Herr Schaar, auf welche Zusatzfunktionen würden Sie verzichten?

Schaar: Also ich würde wohl den Fingerabdruck nicht abgeben, weil ich von dessen Sinnhaftigkeit und von den Vorteilen nicht überzeugt bin. Diese elektronische Identifizierungsfunktion, die auch angeboten wird, um im Internet sicherer einkaufen zu können, die würde ich nutzen.

Ostermann: Haben Sie denn jetzt noch insgesamt Bedenken oder sind die mittlerweile verflogen?
Schaar: Also Bedenken verfliegen natürlich nicht einfach, aber dieser Personalausweis ist schon ziemlich sicher. Datenschutzbedenken sind sehr weitgehend berücksichtigt worden, zum Beispiel eben beim Fingerabdruck, wo durchgesetzt wurde, wo auch der Bundestag entschieden hat: Nein, der Fingerabdruck wird nur freiwillig erhoben und es dürfen da auch gar keine Nachteile für den Betroffenen entstehen. Im Hinblick auf die Verwendung gibt es natürlich noch einige Fragen, die nicht ganz befriedigend beantwortet sind.

Ostermann: Das Lesegerät zum Beispiel.


Ein Mitarbeiter des Bundesinnenministeriums zeigt auf der CeBIT in Hannover den neuen Personalausweis. (AP)Der neue Personalausweis. (AP)Schaar: Genau. Das Lesegerät, Sie sprechen das an – wenn ich diese elektronische Identifizierung im Internet verwenden will, dann muss ich mich ja mit dem Ausweis irgendwie am Internet anmelden, und das bewerkstelligt ein sogenanntes Lesegerät, das liest den Chip aus und leitet die elektronischen Daten verschlüsselt an den Anbieter weiter, also an den E-Shop oder das Versteigerungsportal. Und da ist genau das Problem, dass es zwischen diesem Lesegerät und dem Personalausweis eine Schwachstelle gibt, weil man eine PIN eingeben muss, um diese Daten freizuschalten. Und wenn diese PIN abhanden kommt beziehungsweise gestohlen wird durch ein Schadprogramm, einen Computervirus oder einen Trojaner, dann könnte jemand anderes an meiner statt einkaufen, wenn er dann natürlich auch noch über den Personalausweis verfügt beziehungsweise wenn ich den auf dem Lesegerät liegen lasse. Und das ist eine Schwachstelle, und deshalb sage ich, da sollte man doch die etwas besseren Lesegeräte benutzen, jedenfalls dann, wenn man sensible Transaktionen tätigt wie Electronic Banking.

Ostermann: Gibt es überhaupt schon diese entsprechenden Lesegeräte? Ich habe irgendwo gehört, es gäbe sie noch nicht.

Schaar: Es gibt Lesegeräte …

Ostermann: Die entsprechend teuer sind.

Schaar: Ja, es gibt Lesegeräte unterschiedlicher Kategorien. Die einfachsten Lesegeräte sind relativ günstig zu haben, die werden auch kräftig gefördert durch die Bundesregierung. Dann gibt es so eine mittlere Kategorie der Lesegeräte, die ich aber schon für sehr viel sicherer halte, bei denen eine Tastatur eingebaut wird. Da weiß man noch nicht so genau, wie viel die kosten, aber so 60, 70 Euro muss man da wohl anlegen. Und wenn man dann die besonders gesicherten Komfortlesegeräte haben will, dann ist das noch mal ein Stück mehr. Die benötigt man, wenn man zum Beispiel eine elektronische Signatur, also eine elektronische Unterschrift leisten will.

Ostermann: Wir haben über die PIN-Nummer gesprochen, die theoretisch ausgespäht werden kann. Ist da das Vorgehen der Banken mit den Scheckkarten, die uns Kunden sozusagen die PIN-Nummer mitteilen, ist das nicht besser, als wenn wir uns eine PIN-Nummer ausdenken müssen, die in der Regel ja das Geburtsdatum ist?

Schaar: Na ja, das ist nicht das zentrale Problem, dass wir uns dies ausdenken müssen, also man kann da auch eine entsprechend voreingestellte PIN verwenden, also das ist nicht das Problem. Das Problem ist eher eben die Eingabe der PIN. Dieses Problem haben Sie aber im Übrigen auch, wenn Sie andere Identifizierungsmechanismen nutzen, also wenn Sie Benutzeridentität eingeben, also Ihre ID, und dann auch noch das mit einer PIN oder einem Passwort freischalten, könnte das natürlich auch gestohlen werden.

Ostermann: Herr Schaar, ist eigentlich die Datensparsamkeit gewährleistet?

Schaar: Ja und nein. Also einmal sicherlich dadurch, dass sowohl der Fingerabdruck als auch das Passbild elektronisch nur im Ausweis selbst gespeichert werden. Das haben wir durchgesetzt. In anderen Ländern ist das so, dass da zentrale Datenbanken angelegt werden. Und insofern würde ich natürlich sagen, die Datensparsamkeit ist gewährleistet, im Hinblick darauf, dass der Fingerabdruck überhaupt erhoben wird, bin ich mir da nicht so ganz sicher.

Ostermann: Der neue elektronische Ausweis bietet Chancen, keine Frage, aber was ist mit denen, die trotzdem in die Bürgerämter wollen? Sehen Sie da die Gefahr, dass mittelfristig für das elektronische Angebot auch eine menschliche Alternative fehlt, dass die irgendwann mal, also dass personell sozusagen dort abgebaut wird?

Schaar: Also ich sehe das ganz genau so. Das ist eine langfristige Gefahr, die durch jede neue Form der elektronischen Kommunikation natürlich größer wird. Und wir erleben das ja bei anderen Diensten. Sie haben die Banken erwähnt: Geld abheben beim Bankschalter ist aufwendig und langwierig, wer macht das noch? Also die meisten heben beim Geldautomaten ab, und auch bei anderen Dienstleistungen ist das natürlich eine Tendenz, die man nicht leugnen kann. Deshalb trete ich auch dafür ein, dass man auch in Zukunft ohne irgendwelche unangenehmen Nachteile die öffentlichen Dienstleistungen nutzen kann, und zwar ohne dass man sich zum Beispiel übers Internet anmeldet. Es gibt noch genügend Menschen, die mit dem Internet nichts zu tun haben wollen oder auch einfach damit nicht klarkommen, weil sie irgendwelche Behinderungen haben. Und diesen Menschen muss man einfach diese normalen Dienstleistungen weiterhin anbieten, auch wenn es etwas teurer ist.

Ostermann: Ab heute gibt es den neuen Personalausweis. Ich sprach mit Peter Schaar, dem Bundesdatenschutzbeauftragten. Herr Schaar, danke Ihnen für das Gespräch!

Schaar: Ich danke Ihnen auch!


Links bei dradio.de:

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