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Tonart | Beitrag vom 20.03.2015

Neue PlattenDas muss man gehört haben - oder auch nicht

Von Martin Risel

Der Musiker Steve Lukather spielt auf einer Gitarre. (imago stock & people)
Toto-Gitarrist Steve Lukather zeigt gerne, was er kann. (imago stock & people)

In der Kurzkritik: Toto macht bloß noch Musik für Onanisten, Chilly Gonzales betritt neue Klangräume, und Van Morrison hatte für sein neues Album einige Duett-Gäste eingeladen - unter anderem Bobby Womack, der 2014 verstarb.

Toto – "Holy war"

Ja, gebt mir Gitarren-Breitseiten, Keyboard-Wände und Schlagzeug-Gewitter, gebt mir alles – und zwar am besten gleichzeitig.

Und ja – tatsächlich: Ich war mal großer Toto-Fan. Dieser US-Westcoast-Truppe, die Ende der 70er als Familientreffen erstklassiger Studiomusiker gegründet und von so vielen Hobby-Muckern als die Referenzgröße verehrt wurde. Oder wie der aktuelle Produzent großmäulig betont: "Es gab niemals bessere Musiker in einer Band vereint". Welt-Hits hatten sie auch: "Rosanna", "Africa".

An das dazugehörige Album "Toto IV" will das neue Nummer 14 nun anschließen, neun Jahre nach dem letzten langweiligen Studiowerk. "Wir machen die beste Musik, die wir können," tönt es weiter. Nur: Wer will die noch hören?

Ich nicht mehr, seit Drummer-Idol Jeff Porcaro verstorben ist. Nun diese Woche auch noch Bassisten-Bruder Mike Porcaro – und längst hat Gitarrist Steve Lukather mit seinem "Ich-zeig jedem jederzeit, was ich draufhabe"-Gerödel den Bandsound zugemüllt.

Nein, Toto 14 braucht keiner mehr. Denn das ist Musik für Onanisten, wie das dieser Musiker nennen würde.

 

Chilly Gonzales – "Advantage points"

 

Chilly Gonzales tritt in Hamburg in der Fischauktionshalle beim Elbjazz Festival 2013 auf.  (dpa picture alliance/ Sven Hoppe) (dpa picture alliance/ Sven Hoppe)

Chilly Gonzalez: Mit seinem neuen Album "Chambers" betritt der kanadische Kölner mal wieder neue Klangräume. Nicht gleich den Dom, er macht jetzt Kammermusik.

Nach all seinem schnieken Soul, vertrackten Pop, vertrackten Elektro mit satirischem Hiphop war der ausgebildete Jazzpianist zuletzt am Solo-Klavier tätig.

Jetzt mit dem Kaiser-Quartett. Nicht dem von Haydn, denn komponieren kann Gonzalez selbst. Das Kaiser-Streichquartett aus Hamburg.

Das streicht nicht ganz so schön wie einst das Brodsky Quartet zusammen mit Elvis Costello. Aber solche Sounds zwischen Pop und Klassik, zwischen Erik Satie und Steve Reich – zu denen können Sie hier bei Chilly Gonzalez wunderbar an lauer Frühlingsluft chillen.

 

Van Morrison + Joss Stone - "Wild honey"

 

Van Morrison spielt Saxophon auf dem Cheltenham Jazz Festival 2013 (Imago / I Images)Van Morrison spielt Saxophon auf dem Cheltenham Jazz Festival (Imago / I Images)

Joss Stone heißt die Soul-Diseuse, die da Van Morrison begleitet. Das tut sie nicht alleine: Auf "Duets: Re-Working the Catalogue" hat sich der betagte Ire – der Albumtitel deutet es an – eine Menge Duett-Gäste eingeladen, um seinen Song-Katalog aufzuarbeiten.

Best-of-Alben hat er schon genug. Und so hat der bluesige Barde des blue eyed soul vor allem ein Auge auf sein späteres Repertoire geworfen.

Und das bekommt hier mit der jeweils zweiten Stimme so etwas wie das dritte Auge. Gospel mit Mavis Staples, Irish roots mit Mark Knopfler, unter die Haut gehender Soul mit Mick Hucknall, klassische Pop-Duette mit Nathalie Cole und Steve Winwood – und – als wär's nicht genug: Eine der letzten Aufnahmen des 2014 verstorbenen Bobby Womack.

Es ist eine Freude. Einziger kleiner Dorn im Auge: Das neue Label Sony hat dem Ganzen eine etwas zu cleane Produktion verpasst. Aber der fast 70-Jährige beweist wieder mal: Van ist the man.

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