Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
 

Frühkritik | Beitrag vom 07.01.2016

Neu im Kino: "The Revenant"Wuchtiger Kampf ums Überleben

Leonardo DiCaprio als Trapper Hugh Glass in einer Szene des Films "The Revenant". (imago/ZUMA Press)
Leonardo DiCaprio als Trapper Hugh Glass in einer Szene des Films "The Revenant". (imago/ZUMA Press)

Mit "The Revenant" hat Regisseur Alejandro González Iñárritu einen Film wie einen Knall inszeniert: Getrieben von Rache und Vergeltung kämpft sich Leonardo DiCaprio als Trapper durch Höllenqualen, um dem Mörder seines Sohnes gegenüber zu treten.

Dies ist ein Film, in dem es ums nackte Überleben geht. Und genauso existenziell und wuchtig sind auch schon die ersten Bilder angelegt. Eine karge winterliche Landschaft, eine Truppe von Fellhändlern stapft durchs amerikanische Hinterland im frühen 19. Jahrhundert.

Unter ihnen der Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio), der gemeinsam mit seinem Sohn (den er mit einer amerikanischen Ureinwohnerin gezeugt hat) unterwegs ist. Plötzlich wird er von einem Grizzly angegriffen und halbtot geschlagen. Obwohl ein Teil des Trupps bei ihm bleiben soll, lassen ihn die Männer ohne Waffen zurück. Nicht ohne den protestierenden Sohn kurzerhand umzubringen.

Getrieben von Rache und Vergeltung übersteht Glass Höllenqualen (trotz der brutalen Natur, den gewaltbereiten Tieren und Ureinwohnern) nur um eines Tages dem Mörder seines Sohnes gegenüber zu treten.

Überlebenskampf - häufig nah am Gewaltporno

Mit "The Revenant" hat Iñarritu einen Film wie einen Knall inszeniert. Mit flirrenden Großaufnahmen und radikalen Gewaltszenen, die allen Mitgliedern der Crew wohl das Äußerste abgefordert haben. In Berichten haben viele von ihnen die Dreharbeiten als schlimmste Erfahrung ihres Lebens bezeichnet. Und auch technisch werden hier alle Register gezogen.

Der Überfall des Grizzly ist unglaublich effektvoll inszeniert. Der Überlebenskampf - häufig nah am Gewaltporno – schält das Tier im Menschen hervor. Dennoch ist man voller Respekt für Leonardo DiCaprio, der vor unseren Augen leidet, wie schon lange kein Darsteller für eine Kinorolle mehr gelitten hat.

Die wirkliche Meisterleistung kommt allerdings vom Kameramann Emmanuel Lubezki, der hier jeden möglichen Winkel ausnutzt, von Unterperspektive zu Panoramasicht schwenkt, sich mal an die Schulter der Figuren und mal an die Füße heftet; alles um ein möglichst umfangreiches Bild der tödlichen Umgebung und der harschen Western-Realität zu geben.

Epische Länge heraufordernd

Iñarritu zitiert so in diesem Film, der auf dem Roman "Der Totgeglaubte" des US-Diplomaten Michael Puke, Vorbilder von Werner Herzog über Robert Altman bis zu Andrej Tarkowskij. Doch sein großangelegter Überlebensthriller verkommt mit der Zeit zur Pose.

Man sieht und bewundert die Kraftanstrengung aller Beteiligten, aber die überhöhte Rachegeschichte liefert nicht genug Empathiepotential. Warum sollte man Glass so lange folgen? Wir wissen, er wird "zurückkehren" (das sagt der Titel ja schon); wir wissen, er wird sich rächen – aber das legitimiert nicht die epische Länge dieses Films, in dem man sich daher immer wieder selbst motivieren muss, um an der Handlung zu bleiben, sonst geht man in der kalten amerikanischen Ödnis des frühen 19. Jahrhunderts einfach verloren.

The Revenant – Der Rückkehrer
Western, USA 2016
Regie: Alejandro G. Iñarritu
Mit u.a.: Leonardo Di Caprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter
156 Minuten, FSK 16

 

Mehr zum Thema:

Filme der Woche: "The Revenant - Der Rückkehrer" - Sadistisches Rache-Epos
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 06.01.2016) "

Kompressor

Schlauchboot-KunstprojektFühlen wie ein Flüchtling
Ein Besucher geht durch die Installation "Lifeboat Chapter 5" auf dem Tempelhofer Feld. (imago/Contrast/Pollack)

Ausgerechnet auf dem Theaterplatz in Dresden, auf dem einst mehr als 10.000 Pegida-Anhänger demonstrierten, stand ein riesiges Schlauchboot. Das Kunstprojekt war begehbar - und sollte zum Gespräch über die andauernde Flüchtlingstragödie anregen.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

Schirrmacher-PreisAuszeichnung für den Provokateur
Michel Houellebecq, hier beim Filmfest in Venedig. (imago/Xinhua)

Der französische Schriftsteller Michel Houllebecq erhält den Frank-Schirrmacher-Preis. Man habe einen Autor ausgewählt, "der als Anreger und Visionär eine ebenso präzise wie hintergründige Sprache" pflege, heißt es von Seiten des Stiftungsrates.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur