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Frühkritik | Beitrag vom 25.02.2016

Neu im Kino: "Spotlight"Denkmal für den Investigativ-Journalismus

Von Patrick Wellinski

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Regisseur Tom McCarthy bei den 69. British Academy Film Awards, wo er den Preis für das beste Drehbuch gewann. (picture alliance / dpa / Andy Rain)
Regisseur Tom McCarthy bei den 69. British Academy Film Awards, wo er den Preis für das beste Drehbuch gewann. (picture alliance / dpa / Andy Rain)

"Spotlight" heißt das Investigativ-Team des "Boston Globe" und Tom McCarthys Film setzt ihm in ruhigen Bildern ein filmisches Denkmal. Als sie auf einen systematischen Missbrauch von Kindern durch Mitglieder der katholischen Kirche stoßen, geraten die Journalisten unter Druck.

"Spotlight" ist der Name des Investigativ-Teams des "Boston Globe". Seit Jahrzehnten sind sie für ihre Recherchen bekannt. Vor allem im Lokalen - der Region um Boston herum - ist das Spotlight-Team eine feste Institution.

2003 gewann das kleine Team den Pulitzer Preis für investigativen Journalismus. Es deckte den systematischen sexuellen Missbrauch von vielen hundert Kindern und Jugendlichen durch Mitglieder der katholischen Kirche in Massachusetts auf.

Der Regisseur Tom McCarthy setzt mit seinem Spielfilm, der diesen Fall noch mal aufrollt, dem investigativen Journalismus ein kleines Denkmal. Dabei brilliert "Spotlight" nicht nur durch eine phänomenale Besetzung, sondern in erster Linie durch seine Ruhe.

Denn der Film ist in erster Linie ein Recherche-Film. Das ist visuell natürlich nicht spannend. Und auch der Job von Recherche-Journalisten kann nicht mit heftigen Action-Sequenzen aufgepeppt werden. Wir sehen die Journalisten, wie sie telefonieren, wie mit Zeugen sprechen, wie sie über Aktenordner gebeugt sind und Tabellen begutachten. Sie wissen noch gar nicht, welches unglaublich scheußliche Ausmaß ihre Nachforschungen ans Tageslicht bringen werden.

Und natürlich stoßen sie auf Widerstand. Denn die katholische Kirche ist sehr mächtig in Boston. Schnell geht sie gegen die Zeitung vor, setzt den neuen Chefredakteur und den Abteilungsleiter unter Druck. Sogar die Politik befindet sich auf Seiten der Kirche.

Bester Journalisten-Film seit langer Zeit

Doch der größte Gegner des Spotlight-Teams sind die Journalisten selber. Auch sie sind katholisch erzogen worden. Sie wollen nicht glauben, was sie da finden. Doch schon bald können auch Sie die Augen vor der Wahrheit nicht mehr verschließen.

"Spotlight" verfügt über ein sehr genaues Drehbuch, das neben der eigentlichen Recherche auch den einzelnen Journalisten ein sehr persönliches Profil verleiht.

Mark Ruffalo und Rachel McAdams spielen wunderbar zurückgenommen, sehr natürlich und glaubhaft. So wird "Spotlight" zum besten Journalisten-Film seit langer Zeit und reiht sich dicht hinter Alan J. Pakulas Watergate-Film "Die Unbestechlichen" ein, der ja als Meilenstein dieses kleinen Genres gilt.

Gerade in Zeiten von "Lügenpresse"-Rufen, dem großen Zeitungssterben und dem Einsparen von Investigativ-Abteilungen (nicht nur in den Vereinigten Staaten) wirkt so ein Film wie Balsam für die geschundene Journalisten-Seele. Oder anders gesagt: Tom McCarthys Bilder machen einem ganzen Berufsstamm wieder Mut.

"Spotlight"
Drama, USA 2015
Regie: Tom McCarthy
Mit Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams u. a.
Länge: 128 Minuten

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