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Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.08.2014

Neu im KinoMilitante Umweltaktivisten

Im Thriller "Night Moves" probt eine Gruppe den Widerstand

Von Hans-Ulrich Pönack

Jesse Eisenberg als Josh und Dakota Fanning als Dena in einer Szene des Films "Night Moves". (picture alliance / dpa / MFA+ FilmDistribution e.K.)
Jesse Eisenberg als Josh und Dakota Fanning als Dena in einer Szene des Films "Night Moves". (picture alliance / dpa / MFA+ FilmDistribution e.K.)

Zwei Männer und eine junge Frau wollen einen Staudamm als politisches Statement sprengen. Die Auswirkungen sind barbarisch. Auf Schuld folgt keine Sühne. Der Film "Night Moves" aus den USA mit Jesse Eisenberg als echtem Anti funktioniert brillant. Ein Muss!

Was für eine cineastische Freude, dieser bislang weitgehend "unentdeckten" Independent-Filmemacherin zu begegnen. Die Rede ist von Kelly Reichardt, 1964 in Miami/Florida geboren. Seit 1994 ist sie im amerikanischen Independent-Kino aktiv. Mit ihren Dauerthemen: Die amerikanische Landschaft, außerhalb der Großstädte; Menschen, die sich in ihr bewegen und dadurch zum Mittelpunkt von bewegenden Geschichten werden. Ihr Debütspielfilm "River of Grass" hatte seine Erstveröffentlichung im Januar 1994 im Wettbewerb des renommierten "Sundance Festivals" und lief dann einen Monat später bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin.

Idealismus gleich Aktionismus

Jetzt also "Night Moves": Was machst du, was kannst du machen? Du siehst das Elend in der Welt, das, was Menschen anrichten, und überlegst, wo man ansetzen könnte, um sie zu retten. Die Protagonisten hier heißen Josh (Jesse Eisenberg), Dena (Dakota Fanning) und Harmon (Peter Sarsgaard). Sie begreifen sich als militante Umweltaktivisten, proben den Widerstand im Kleinen. Die Drei beschließen zu handeln. Idealismus gleich Aktionismus: Sie wollen einen Staudamm sprengen als politisches Statement. Danach ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Auswirkungen sind enorm, barbarisch. Zufälle sind ihnen in die Quere gekommen. Fatale Konsequenzen ergeben sich. Auf Schuld folgt keine Sühne.

Der Film bewegt sich faszinierend schlafwandlerisch und ist von packender Thriller-Intensität. Und das ganz ohne zu schreien, bilderhaft Spektakuläres zu veranstalten oder eine ideologische Fahne zu schwingen. Die Deutungen sind vielschichtig. Mit der bedeutsamen Schlussfrage: Was ist gerechtfertigt, um diese zu verelenden drohende Welt vor dem Kollaps zu retten?

Großartige Schauspieler

Die Schauspieler sind großartig: Jesse Eisenberg, New Yorker vom Jahrgang 1983, vermag wunderbar nicht zu lächeln. War in dem Drama "The Social Network" 2010 als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kalt wie ein Dämon und präsentiert sich hier als Josh, der personifizierte Anti, der sich erst ganz zum Schluss öffnet. Jesse Eisenberg wirkt wie der junge Marlon Brando, eher rotzig als nett, unnahbar. Einen spannenderen amerikanischen Schauspieler gibt es derzeit nicht. Dakota Fanning, 20, trotzte 2005 imposant Robert De Niro in der Vater-Tochter-Gruselei "Hide and Seek" und führt hier ihr gespaltenes Bürgermädel Dena als beeindruckende Unschuld vor. Dagegen offenbart "Oldie" Peter Sarsgaard, 42, als desillusionierter Kriegsveteran Harmon prächtige Züge von menschlicher Abgestumpftheit und weltlichem Ekel.

Der Film funktioniert brillant sowohl als Psychodrama wie auch als vorzüglicher Thriller - Ein Muss! 

USA 2013, Regie: Kelly Reichardt, Hauptdarsteller: Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard, 112 Minuten

 

Mehr zum Thema:

Vorgespult - Von Träumern und Kämpfern (Deutschlandradio Kultur, Vollbild, 09.08.2014)

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