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Fazit | Beitrag vom 23.03.2016

Neu im Kino: "Mein Ein, mein Alles"Eine Tour de France der Gefühle

Von Hannelore Heider

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Tony (Emmanuelle Bercot) und Georgio (Vincent Cassel) in einer Szene von "Mein ein, mein alles" von Maiwenn (Studiocanal Filmverleih)
Tony (Emmanuelle Bercot) und Georgio (Vincent Cassel) in einer Szene von "Mein ein, mein alles" von Maiwenn (Studiocanal Filmverleih)

Ganz nah dran, teilweise mit der Handkamera gedreht, vermittelt Regisseurin Maïwenn in "Mein ein, mein alles" intensive Gefühle. So intensiv, dass der Zuschauer vorher entscheiden sollte, ob er sich das zumuten will, findet unsere Kritikerin.

Eine richtige Liebesgeschichte ohne tödliche Krankheiten, ohne unüberwindliche Hindernisse, ohne gewalttätiges Eingreifen der Umwelt zu erzählen, ist selten geworden im Kino. Meïwenn Le Besco riskiert es, ein Paar zu zeigen, das ganz allein für die Substanz seiner Liebe verantwortlich ist, für ein gelungenes Leben als Paar oder sein Scheitern. In dieser über zwei Stunden langen Tour de Force, was das Auf und Ab von intensiven Gefühlen angeht, steht Meïwenn nicht selbst vor der Kamera, sondern sie hat Emmanuelle Bercot verpflichtet, die dafür die Goldene Palme als Beste Hauptdarstellerin in Cannes bekam. Bekannt geworden ist die Darstellerin in Meïwenns Film "Poliezei" und auch in diesem neuen Film überzeugt sie mit ihrem spröden Charme und ihrer Fähigkeit, extreme Gefühle glaubhaft und ohne Peinlichkeit auf die Leinwand zu bringen.

Der Zuschauer bleibt nicht auf Distanz

Auch ihr Äußeres ist wichtig für die erzählerische Substanz des Filmes, denn wir sehen hier ein Paar, das auf den ersten Blick nicht füreinander gemacht scheint und - soviel kann man verraten - am Ende auch nicht ist. Vincent Cassel spielt den extrovertierten Frauenschwarm Georgio, der sich in Tony (Emmanuelle Bercot) verliebt, eine gar nicht mehr blutjunge, auch nicht außergewöhnlich schöne und ein bisschen hysterisch veranlagte Rechtsanwältin. Der Gegensatz der zwei Temperamente scheint aber nur vom Freundeskreis mit Sorge gesehen zu werden, Tony und Georgio geben sich einer rauschhaften Liebe hin, die sogar in eine Heirat und ein gemeinsames Kind mündet. Die Leidenschaft füreinander erkaltet auch nicht, als sich herausstellt, das jeder der beiden ein anderes Leben führen möchte als der Partner. Ständige Trennungen und erneute Vereinigungen sind die Folge und Regisseurin Meïwenn setzt das oft mit der Handkamera so furios ins Bild, dass der Zuschauer nicht auf Distanz bleibt.

Interessant ist, dass trotz der weiblichen Sicht auf dieses Drama der Film nicht nach Schuldzuweisungen sucht. Tony muss sich - so die Rahmenhandlung - infolge eines Unfalls in eine lange Rehabilitation begeben und hat dort Zeit, sich über das Geschehene klar zu werden, über ihre Hoffnungen und die Risiken, die sie bereit war, dafür ein zu gehen. Gespielt wird das von beiden Partner absolut glaubhaft, ob sich der Zuschauer die schon krasse Geschichte einer amour fou zumindest im Kino zumuten will, muss er selbst entscheiden.

"Mein Ein, mein Alles" 
Frankreich 2015
Regie: Maïwenn Le Besco
Darsteller: Emmanuelle Bercot, Vincent Cassel, Louis Garell, Isild Le Besco
126 Minuten, ab 12 Jahren 

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