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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.07.2014

NahostkonfliktIsrael will "Feuer mit Öl löschen"

Nahost-Experte Michael Lüders kritisiert harte Reaktionen der israelischen Regierung

Flammen und Rauch schlagen im Westjordanland aus dem zerstörten Haus eines Palästinensers, der zu den Hauptverdächtigen im Fall der getöteten israelischen Jugendlichen zählt (afp / Hazem Bader)
Die israelische Armee hat das Haus eines Palästinensers zerstört, der zu den Hauptverdächtigen im Fall der getöteten israelischen Jugendlichen zählt (afp / Hazem Bader)

Nach den Vergeltungsschlägen Israels als Reaktion auf die Ermordung dreier israelischer Jugendlicher im Westjordanland rechnet der Nahost-Experte Michael Lüders mit einer weiteren Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern.

Die Leichen der drei vermissten israelischen Jugendlichen sind in der Nähe von Hebron gefunden worden. Als Vergeltung hat die israelische Luftwaffe Angriffe auf mehr als 30 Ziele im Gazastreifen geflogen. Im Gegenzug feuerten palästinensische Gruppen Raketen auf israelisches Gebiet ab.

Seit dem Verschwinden der Jugendlichen vor zwei Wochen hat die israelische Armee 420 Palästinenser festgenommen - Israel beschuldigt die Hamas, hinter der Entführung zu stehen.

Netanjahu will Exempel statuieren

"Die Regierung Netanjahu scheint entschlossen zu sein, ein Exempel zu statuieren", sagte Lüders im Deutschlandradio Kultur. Offenbar glaube die israelische Regierung, jedes Entgegenkommen an die andere Seite würde als Schwäche ausgelegt.

"Man will sich keine Blöße geben, die dann innenpolitisch zu Minuspunkten führen könnte."

Lüders kritisierte die harten israelische Reaktionen auf den Mord an den drei Religionsschülern. So habe ein Politiker gefordert, als Antwort auf solche Terrorakte müsse die Besiedlung vertieft werden.

"Mit anderen Worten: man solle das Feuer mit Öl löschen. Das funktioniert natürlich nicht."

Wenn Israel weiterhin den Friedensprozess unmöglich mache, drohe ein Ausgreifen der ISIS auch auf die palästinensischen Siedlungsgebiete, warnte der Nahost-Experte.

"Und die Jugendlichen vor allem, die keine Perspektive haben, werden sich von der Radikalität solcher Bewegungen angezogen fühlen. Das kann nicht im Interesse Israels sein."

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