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Im Gespräch | Beitrag vom 20.02.2016

Nachhilfe-Republik DeutschlandWie kann Schule besser werden?

Moderation: Matthias Hanselmann

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Ein Mann gibt einem Jungen Nachhilfe. (dpa / pa / Christians)
Muss das sein? Nachhilfeunterricht gehört für viele Schüler zum Alltag (dpa / pa / Christians)

Nachhilfe-Unterricht ist in Deutschland ein Milliardenmarkt. Kritiker sehen darin ein Versagen der Schule. Über Auswege diskutieren wir mit dem Lehrer und Autor Robert Rauh und dem Pädagogikprofessor Peter Fauser.

Jeder siebte Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren bekommt Nachhilfeunterricht. Das kostet die Eltern fast 900 Millionen Euro im Jahr. Für die Branche ist dies mehr als lukrativ: Sie setzt jährlich rund zwei Milliarden Euro um. Wessen Versagen ist das – der Schulen, der Lehrer? Oder sind es überengagierte Eltern, die ihre Kinder auf die falsche Schule schicken und sie damit überfordern? Welches Licht werfen solche Zahlen auf unser Schulsystem?

Nachhilfe-Republik Deutschland – Wie kann Schule besser werden?

"Es kann doch nicht sein, dass so viel Nachhilfe geleistet werden muss", sagt der Lehrer Robert Rauh. "Das ist eine originäre Aufgabe der Schule." Er unterrichtet seit 2001 Geschichte und Deutsch am Barnim-Gymnasium in Berlin-Lichtenberg. 2013 wurde er auf Vorschlag seiner Schüler zum Lehrer des Jahres ernannt.

Seine Überzeugung: "Wie gut Schüler lernen, hängt von ihrem Lehrer ab."

Sein Ziel: "Wir müssen verstärkt dazu beitragen, dass die Schüler selbstständig lernen. Und der Lehrer ist wie ein Regisseur, der alles im Blick hat. Die Frage ist doch: Wie kann man Lernen lernen? Kritisches, selbständiges Denken? Und das heißt: weniger Inhalte, mehr Kompetenz. Was ist das Wesentliche? Was muss ich aus einem Text ziehen?"

Als Lehrer sieht er sich als Erster unter Gleichen. "Ich bin Chef – und trotzdem herrscht eine lockere Atmosphäre."

Robert Rauh ist nicht nur ein engagierter und innovativer Lehrer; er setzt sich auch für Reformen im Bildungswesen ein. Unter anderem fordert er die bundesweite Vereinheitlichung der Schulsysteme. Seine Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge hat er 2015 in seinem Buch "Schule, setzen, sechs" zusammengefasst.  

"Die Wirklichkeit guter Schulen ist besser als unsere Ideen guter Schulen", sagt Peter Fauser, Professor für Schulpädagogik und Schulentwicklung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der Bildungsforscher gehörte zur Jury für den Deutschen Schulpreis, mit dem innovative und zukunftsweisende Schulen ausgezeichnet werden, und setzt sich seit Langem für bessere Lern- und Lehrbedingungen ein.

Seine Erfahrung: "Der deutsche Unterricht ist zu stark informations- und zu wenig verstehensorientiert. Wir brauchen in der modernen Gesellschaft intelligentes Wissen, die Fähigkeit, selbstständig Urteile zu bilden und neue Lösungen zu finden." Deshalb gründete er gemeinsam mit seiner Frau die "Imaginata" in Jena, einen Erlebnis- und Experimentierort für Kinder, Jugendliche und alle, die naturwissenschaftlichen Phänomenen spielerisch auf den Grund gehen wollen und Spaß am Nachdenken haben.

Sein Credo: "Phantasie und kreativer Verstandesgebrauch sind wichtiger, als reproduziertes Faktenwissen." Und: "Bildung ist in einer Demokratie Bürgerrecht und Gesellschaftspflicht."

Literaturhinweis:
Robert Rauh: "Schule, setzen, sechs. Von Lehrern und Eltern, die trotzdem nicht verzweifeln"
Verlag Kösel, 2015

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