Fazit / Archiv /

Nach drei Jahren ist die Liebe vorbei

Nette französische Romanze des Enfant terrible der französischen Popliteratur

Von Hans-Ulrich Pönack

Marc (Gaspard Proust) ist enttäuscht, dass die Liebe nicht funktioniert
Marc (Gaspard Proust) ist enttäuscht, dass die Liebe nicht funktioniert (PROKINO Filmverleih / Magali Bragard)

Die Geschichte ist nicht neu: Ein Mann, seines Zeichens Loser, verarbeitet die Trennung von seiner Ex in einem Buch, das prompt zum Erfolg wird. "Das verflixte 3. Jahr" ist ulkig, von leichtem Stimmungscharme durchsetzt, meint unser Kritiker Hans-Ulrich Pönack.

Er ist derzeit in Frankreich so was von angesagt, der 46-jährige Frédéric Beigbeder, als Bestseller-Autor (zum Beispiel "39.90" von 2001; von Jan Kounen 2007 mit Jean Dujardin verfilmt), als Literaturkritiker, als Gastgeber von TV-Shows. Ein In-Typ, ein Szene-Intellektueller, ein listiger Selbstvermarkter. Ein Enfant terrible der französischen Literaturszene, dessen Romane stets von autobiographischem Charakter sind. So auch "L'amour dure trois ans" aus dem Jahr 1997, der im Januar 2003 hierzulande unter dem Titel "Die Liebe währt drei Jahre" veröffentlicht wurde und den er nun selbst, unter Hinzuziehung der Drehbuch-Verfasser Christoph Turpin und Gilles Verdiani als seinen Debüt-Kinospielfilm realisierte.

Das Alter Ego von Frédéric Beigbeder heißt Marc, Marc Marronnier (Gaspard Proust). Ein Literaturkritiker und Szene-Kolumnist, dessen Ehe natürlich im dritten Jahr geschieden wird, denn schließlich lautet sein Credo: Im ersten Jahr kauft man Möbel, im zweiten Jahr stellt man sie um, im dritten Jahr teilt man die Möbel auf. Natürlich folgen nun Selbstmitleid plus Alkohol.

Immerhin aber zeigt sein pathetisches Leiden ein produktives Ergebnis: Ein Buch Mit dem Titel "Das verflixte 3. Jahr", wo sich Marc mal so richtig "ausheulen" kann. Allerdings will niemand seine Papierergüsse annehmen. Schließlich erbarmt sich widerwillig und mehr angeekelt eine toughe Verlegerin (köstlich knorrig: Valerie Lemercier), die das Geschriebene zwar überhaupt nicht mag, aber irgendwie riecht, dass daraus doch was werden kann. Und richtig: Unter Pseudonym herausgebracht, wird das Buch zum Knaller.

Schließlich wird Marc sogar ein Preis zugesprochen, der "Prix de Flore", den Frédéric Beigbeder 1994 tatsächlich für junge Autoren ins richtige Leben rief. Es könnte also alles paletti sein, hätte Marc nicht kürzlich die bezaubernde Alice (Sanam Afrashteh) kennen- und lieben gelernt - die Ehefrau seines Cousins. Sie lässt sich schließlich auf ihn ein, zunächst nicht ahnend, dass er der Autor dieses von ihr als "Schwachsinn" bezeichneten Erfolgsbuches "von einem sexistischen Macho" ist.

"Das verflixte 3. Jahr" ist ulkig von schön-leichtem Stimmungscharme durchsetzt und mit augenzwinkernder ironischer Zunge zelebriert. Beigbeder hält überraschend die witzige neurotische Ego-Balance. Dazu kommen originelle Anspielungen an etwa die Atmosphäre von Nouvelle-Vogue-Klassikern (nicht zuletzt besitzt "Marc" Gaspard Proust äußerliche "Hechel"-Merkmale des Truffaut-Helden Antoine Doinel alias Jean-Pierre Léaud sowie Seelen-Ähnlichkeit mit Charles Denner aus Truffauts "Der Mann, der die Frauen liebte").

"Im 21. Jahrhundert ist Liebe eine unbeantwortete SMS" oder: Die neue französische Komödie "Das verflixte 3. Jahr" lächelt nett ab.

Frankreich 2012. Originaltitel: L'amour dure trois ans. Regie: Frédéric Beigbeder. Darsteller: Gaspard Proust, Louise Bourgoin, Valérie Lemercier, Jonathan Lambert, Joey Starr, Frédérique Bel, Nicolas Bedos. Ab 12 Jahren. 100 Minuten.

Filmhomepage "Das verflixte 3. Jahr"



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Der größte Dramatiker der Menschheit"

William Shakespeare - eine zeitgenössische Darstellung des erfolgreichsten Bühnenautors aller Zeiten.

Anlässlich des 450. Geburtstages von William Shakespeare geht es in der Kulturpresseschau vor allem um den Lyriker und Schauspieler. "Er zeigt den Menschen und die Welt so böse wie sie sind", schreibt der "Tagesspiegel".

 

Fazit

MuseenSchluss mit den Inhalten!

Entworfen hat der Künstler Olafur Eliasson "Dein Audioguide" für die Kunstsammlung in Düsseldorf

Der dänisch-isländische Lichtkünstler Olafur Eliasson hat die Video-App "Dein Audioguide" entwickelt. Das Museum wird mit ihr als geist- und erkenntnisfreier Raum präsentiert.

ChocolatierskunstAuf den Spuren der ersten Praline

Pralinen liegen in einem Laden des belgischen Pralinen-Herstellers Neuhaus in Brüssel.

Wegen ihrer besonders aufwändigen Produktion gilt die Praline als die Krönung der Chocolatierskunst. Jetzt zu Ostern wird die Praline in unendlichen Variationen gekauft, versteckt und verschenkt. Doch wer kam als erster auf die Idee ihrer Herstellung, und warum?

HannoverMehr Platz für die Kunst

Der Veranstaltungsraum im Erweiterungsbau des Sprengel Museums in Hannover

Rund 1400 Quadratmeter neue Ausstellungsfläche bekommt das renommierte Sprengel Museum in Hannover durch einen Anbau. Die Kosten dafür sind zuletzt auf 31 Millionen Euro hochgeschnellt. Kritiker spötteln über eine "Maschsee-Philharmonie".