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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 05.01.2016

Nach dem KlimagipfelMit Setzlingen gegen den Klimawandel

Von Eva Raisig

Aufforstung in Senegal. (dpa / picture alliance / EF/Afrimages)
Viele afrikanische Länder werden oft von Dürren heimgesucht. Aufforstung könnte diese Gefahr reduzieren. (dpa / picture alliance / EF/Afrimages)

Auf dem Klimagipfel in Paris wurden hehre Ziele für den Umweltschutz formuliert. Wer aber setzt die Maßnahmen konkret um? Manchmal auch Bürgerinitiativen, wie eine Bewegung aus Kenia zeigt. Sie will in Afrika 100 Millionen Hektar Wald wiederherstellen.

"You can see these ones were planted lately. You can see the cedar trees are the majority, around 300 of them."

Die Setzlinge vor unseren Füßen sind klein, kaum eine Handbreit ragen sie aus dem Boden der Lichtung des Karura-Forest, dem riesigen Stadtwald in Kenias Hauptstadt Nairobi. Die etwa 300 kleinen Zedern seien gerade erst gepflanzt worden, erzählt Edwin Ngunjiri. Einige von ihnen würden es schaffen, andere nicht. Im Vergleich zu den hochgewachsenen, dichten Bäumen im Hintergrund der großen Lichtung, sehen die kleinen Zedern in der Tat etwas hilfsbedürftig aus. Wieder und wieder kommen Edwin und seine Kollegen hier her, um die gepflanzten Setzlinge zu päppeln.

Edwin ist Projektmitarbeiter beim Greenbelt Movement, einer mittlerweile weit über die Grenzen Kenias bekannten Umweltschutzorganisation, die sich insbesondere für die Wiederaufforstung einsetzt. In den 90er-Jahren sollten in dem Stadtwald – immerhin der zweitgrößte der Welt - Hotels und Wohnungen gebaut werden und man begann, den Wald abzuholzen. Noch heute klaffen riesige Lücken zwischen den Bäumen, wie die Lichtung, auf der wir stehen.

Jahrelang hat die Gründerin des Greenbelt Movement, die spätere Friedensnobelpreisträgerin Wangaari Maathai, für den Schutz des Stadtwalds, aber auch für die kenianischen Wälder insgesamt gekämpft, und sie hat sicherlich keinen kleinen Anteil daran, dass nach Jahrzehnten der massiven Abholzung im ganzen Land die Waldfläche Kenias mittlerweile wieder wächst.

Welche Rolle intakte Wälder für die Entwicklung von Frieden und Wohlstand spielen – das wurde auch auf der UN-Klimakonferenz in Paris im letzten Monat diskutiert. Die großflächige Aufforstung könnte für viele afrikanische Länder eine wichtige Möglichkeit sein, sich vor dem Klimawandel zu schützen. Denn auch wenn der Kontinent selbst nur einen winzigen Anteil an dessen Verursachung hat, werden ihn die Folgen besonders hart treffen. In Paris versuchte deshalb auch Wanjira Mathai, die seit dem Tod ihrer Mutter das Greenbelt Movement leitet, andere Länder an ihren Erfahrungen aus Kenia teilhaben zu lassen:

"Wir versuchen, die Aufforstung nicht nur als eine Frage des Umweltschutzes, sondern auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu diskutieren. Welchen Einfluss hat sie auf das Bruttoinlandsprodukt? Was bedeutet es, wenn – wie in Kenia – ein Großteil der Elektrizität mithilfe von Flüssen erzeugt wird, die in den waldreichen Bergen fließen? Wenn du auch solche Fragen stellst, beginnt der Schutz des Waldes auch ökonomisch Sinn zu machen und damit gewinnst du die Aufmerksamkeit der Leute."

Gemeinsam für die Wiederaufforstung

Eine Strategie, die offensichtlich Erfolg hat. Am Rande der Klimakonferenz haben nun zehn afrikanische Länder verkündet, sich gemeinsam für die Wiederaufforstung auf dem Kontinent einzusetzen. Auch Kenia macht bei der Initiative AFR 100 mit. Die Abkürzung steht für African Forest Landscape Restoration - bis zum Jahr 2030 sollen 100 Millionen Hektar Land auf dem Kontinent aufgeforstet und restauriert werden.

Das Entwicklungsprogramm der Afrikanischen Union ist dabei, die Weltbank, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, nationale Think-Tanks und Nicht-Regierungsorganisationen, das Greenbelt Movement wird technisch beraten. Über eine Milliarde US-Dollar an Entwicklungsgeldern sind für die panafrikanische Initiative eingeplant, dazu noch einmal eine halbe Milliarde privater Mittel.

Bei einem solch ambitionierten Projekt, sagt Ingrid-Gabriela Hoven vom BMZ, sei die Expertise von Aufforstungspionieren wie Wanjira Mathai sehr hilfreich.

"Sie bringt ja ganz wertvolle Erfahrungen aus Kenia mit, wie man die social communities mobilisieren kann und ich hoffe, dass sie auch andere Länder dabei berät, wie kann so etwas funktionieren, auch in dieser Breite, die sie in Kenia geschafft hat. Sie ist für uns eine ganz wertvolle Beraterin, aber auch Partnerin in der Umsetzung dieser Initiative."

100 Millionen Hektar in weniger als 15 Jahren – das ist ehrgeizig. Es ist beinah ein Drittel der Fläche, die laut der New Yorker Deklaration zum Waldschutz bis 2030 weltweit wiederaufgeforstet werden soll.

"Die Zahl 100 Millionen Hektar mag zunächst groß erscheinen. Aber das Potential in Afrika für die Restaurierung von Landschaften ist immens: Es sind 700 Millionen Hektar, die bereits wissenschaftliche Analysen ausgewiesen haben  – das ist die Fläche von Australien. So und daraus nehmen wir uns einen Ausschnitt und das ist insofern der afrikanische Beitrag zu der Umsetzung der New Yorker Deklaration zum Waldschutz."

Gefahr von Dürren könnte verringert werden

Das World Resources Institute, das die Initiative mit ins Leben gerufen hat, hat errechnet, dass mit AFR 100 in den nächsten zehn Jahren über eine Gigatonne CO2-Äquivalent eingespart werden könnte. Das entspricht mehr als einem Drittel des jährlichen Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes in ganz Afrika. Dazu kommen eine größere Bodenfruchtbarkeit und höhere landwirtschaftliche Erträge, die Gefahr von Dürren könnte verringert werden.

"Die Effekte von Wiederaufforstungsmaßnahmen werden Sie nicht gleich sehen, aber das ist mittel – bis langfristig eine Investition, die sich für Afrika, vor allem aber für die Lebensverhältnisse der Menschen auszahlen wird."

Ein Drittel der geplanten 100 Millionen Hektar Fläche haben die bis jetzt zehn beteiligten Länder bereits für die Initiative festgelegt. Um die Zielmarke zu erreichen, müssten nun weitere Länder überzeugt werden, sagt Ingrid-Gabriela Hoven – vielleicht ja durch anschauliche Beispiele: In den bereits beteiligten Ländern soll es dieses Jahr losgehen.

"Das heißt konkret: Wer wird sich denn in einem Ort um Wiederaufforstung kümmern? Wer pflegt die Setzlinge? Wo sollte aufgeforstet werden? Wie beteiligen wir die Frauen, die Jugendlichen im Dorf? Wer kümmert sich um die Bewässerung der Setzlinge? Und später: Wem gehören denn die neuen Holzvorkommen? Das gilt es alles zu planen, mit den Bevölkerungen zu besprechen und dann auch technisch zu unterstützen."

In die Pflege der kleinen Zedern im Karura-Forest wird noch viel Zeit und Geld fließen bis sie aus dem Gröbsten raus sind – doch trotz der großangelegten Wiederaufforstung dürfte dem Stadtwald in Nairobi die frühere Abholzung noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte anzusehen sein. Das macht es Edwin und seinen Kollegen nicht unbedingt leichter, Geldgeber wieder und wieder um finanzielle Unterstützung zu bitten. Ob er da nicht manchmal die Hoffnung verliere?

"No, it is not hopeless!"

Beinah ist er entrüstet über diese Frage. Nein, es sei nicht hoffnungslos! Und er zitiert die große Baumschützerin Wangaari Mathai: Es seien oft die kleinen Dinge, die den Unterschied machten und jeder könne dazu beitragen. Ihr kleines Ding sei es eben, einen Baum zu pflanzen.

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