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Interview | Beitrag vom 06.02.2016

"My Tribute to Yehudi Menuhin" von Daniel HopeHommage an sein großes Vorbild

Daniel Hope im Gespräch mit Ute Welty

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Der südafrikanisch-britische Violinist Daniel Hope (picture alliance / dpa)
Der südafrikanisch-britische Violinist Daniel Hope ehrt seinen Mentor Yehudi Menuhin mit einer CD (picture alliance / dpa)

Zu Ehren seines großen Mentors und "musikalischen Großvaters" Yehudi Menuhin, der im April 100 Jahre alt geworden wäre, hat der britisch-südafrikanische Stargeiger Daniel Hope eine CD herausgebracht: "My Tribute to Yehudi Menuhin".

Als Daniel Hopes "musikalischer Großvater" hat sich der Geiger Yehudi Menuhin einmal bezeichnet. Jetzt hat der britisch-südafrikanische Geiger zu Ehren seines großen Mentors, der im April 100 Jahre alt würde, eine CD veröffentlicht: "My Tribute to Yehudi Menuhin".

"Ich habe versucht, bei diesem Album eine Art Mosaik zusammenzustellen, um vor allem die Vielseitigkeit von Yehudi Menuhin wiederzugeben", sagt Hope. Deshalb habe er ein ganzes Spektrum von Musik ausgesucht – von Vivaldi bis zu zeitgenössischer Musik.

Ein ungewöhnliches Angebot

"Er ist für mich einer der größten Geiger und Musiker des 20. Jahrhunderts", betont Hope. Dass er in die Nähe Yehudi Menuhins gekommen sei, sei für ihn eine "unglaubliche Möglichkeit" gewesen – und gleichzeitig ein großer Zufall:

Anfang der 1970er-Jahre habe seine Mutter händeringend einen Job in London gesucht, erinnert sich der Geiger. "Wir wurden quasi aus Südafrika rausgekickt und haben uns in London niedergelassen. Völlig mittellos suchten wir nach einer Möglichkeit, dort zu bleiben. Und sie bekam eines Tages dieses etwas ungewöhnliche Angebot, die Sekretärin von Yehudi Menuhin zu sein. Das sollte ein Teilzeitjob sein, es sollte sechs Monate dauern – und sie blieb 24 Jahre."


Das Interview im Wortlaut:

Ute Welty: "Du bist mir in den Schoß gefallen", das hat der große Yehudi Menuhin oft zum kleinen Daniel Hope gesagt. Die beiden Ausnahmemusiker hat vieles verbunden, unter anderem natürlich die Geige. Daniel Hope ist Menuhin zeitlebens ein Freund gewesen und ein musikalischer Wegbegleiter, und wenn sich in diesem Jahr der 100. Geburtstag von Yehudi Menuhin jährt, dann darf natürlich eine Würdigung von Daniel Hope nicht fehlen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zu diesem Geburtstag hat Hope seinem großen Mentor zu Ehren eine CD veröffentlicht, "My Tribute to Yehudi Menuhin", und jetzt ist er zum Gespräch hier in "Studio 9". Guten Morgen, Herr Hope!

Daniel Hope: Ja, guten Morgen!

Welty: Lässt sich in einem Satz, in einem Wort beschreiben, was Menuhin Ihnen bedeutet und bedeutet hat?

Hope: Das ist in der Tat etwas schwierig. Er ist ein Mentor, er ist eine große Inspiration und vor allem, er ist für mich einer der größten Geiger und Musiker des 20. Jahrhunderts gewesen.

Welty: Wie drückt sich dieses Verhältnis auf der CD aus, welches Stück steht für welchen Aspekt Ihrer Beziehung?

"Von Vivaldi bis zur zeitgenössischen Musik"

Hope: Ich habe versucht, bei diesem Album eine Art Musik zusammenzustellen und vor allen Dingen die Vielseitigkeit von Yehudi Menuhin wiederzugeben. Er hat sich für so viele Arten von Musik interessiert, für andere Kulturen, und deshalb habe ich ein ganzes Spektrum von Musik ausgesucht, von Vivaldi bis zur zeitgenössischen Musik, wo es meiner Meinung nach eine direkte Beziehung gibt. Also entweder wurden die Stücke von Yehudi Menuhin in Auftrag gegeben oder er hat sie entdeckt, wie im Fall von Mendelssohn, dem d-Moll-Violinkonzert, was er selber in den 50er-Jahren entdeckt hat. Oder es gibt Stücke, die ich sehr viel mit ihm zusammen gespielt habe, zum Beispiel die Duos von Béla Bartók.

Welty: Wie kommt ein Stück von Steve Reich auf diese CD?

Hope: Das wurde in Auftrag gegeben für seinen 80. Geburtstag, eine Reihe von amerikanischen Komponisten, die kurze Werke für seinen 80. Geburtstag geschrieben haben: Steve Reich war einer, Philip Glass ein anderer, aber auch Arvo Pärt. Und das war eine großartige Hommage, die dann noch zu seinen Lebenszeiten stattgefunden hat – John Taverner war ein andere –, und da sind einige Werke von diesen Komponisten auch auf der CD zu hören.

Welty: Wenn man einen solchen Mentor für sich gewinnen kann, dann ist natürlich eine große Bereicherung, es kann aber auch eine Belastung sein, gerade wenn man dasselbe Feld beackert. Wie empfinden Sie das?

Hope: Für mich war das eine unglaubliche Möglichkeit, auf der anderen Seite ein großer Zufall, dass ich überhaupt oder dass meine Familie in die Nähe von Menuhin gekommen ist. Meine Mutter hat händeringend Anfang der 70er-Jahre versucht, in London einen Job zu bekommen, wir wurden quasi aus Südafrika herausgekickt und haben uns in London niedergelassen, und völlig mittellos suchten wir nach einer Möglichkeit, dort zu bleiben. Und sie bekam eines Tages dieses etwas ungewöhnliche Angebot, die Sekretärin von Yehudi Menuhin zu sein. Es sollte ein Teilzeitjob sein, es sollte sechs Monate dauern, und sie blieb 24 Jahre. Und allein diese Tatsache hat unser Leben für immer verändert. Ich bin allerdings erst später zu ihm wirklich als Schüler gekommen, erst als ich 16 wurde, nachdem ich bei Zakhar Bron mehrere Jahre schon studiert hatte, hab ich mich dafür wirklich sehr interessiert. Und ab diesem Zeitpunkt ging dann unsere musikalische Freundschaft bis zu seinem letzten Konzert vor über zehn Jahren. Von daher war das doch Glück sozusagen, dass ich etwas später die Chance hatte, mit ihm auch auf die Bühne zu gehen. Wäre ich sehr jung gewesen, wäre das sicherlich sehr schwierig gewesen.

Welty: War eigentlich von Anfang an klar, dass Sie beide etwas Besonderes verbindet, oder hat das eine gewisse Anlaufzeit gebraucht?

"Er hat sich selbst als mein musikalischer Großvater bezeichnet"

Hope: Er war Teil unserer Familie und umgekehrt, also er hat sich selbst als mein musikalischer Großvater bezeichnet, und wir waren einfach immer auf der gleichen Wellenlänge. Das heißt aber nicht unbedingt, dass man musikalisch dann sofort auf einen Nenner kommt. Wir waren doch sehr verschieden, und da war immer von meiner Seite aus natürlich ein ungeheurer Respekt und eine Distanz natürlich. Auf der anderen Seite hat er alles getan, um die Menschen sich wohlfühlen zu lassen. Als ich ganz klein war, konnte ich seinen Namen Yehudi nicht aussprechen ...

Welty: Das geht vielen Erwachsenen heute auch noch so.

Hope: Ja, und das Einzige, was ich über die Lippen brachte als Dreijähriger, war Houdini, und er blieb für mich fast mein ganzes Leben lang Houdini. Er hat sich immer sehr gerne auch so genannt, und ich hab viele Briefe von ihm, wo er bis fast am Ende seines Lebens noch mit Houdini unterschrieben hat.

Welty: Wir sprechen heute mit Ihnen in den Vereinigten Staaten, wo Sie gerade unterwegs sind, Sie haben aber inzwischen Wohnungen bezogen in Berlin, in der Stadt, wo Menuhin gestorben ist. Was bedeutet Ihnen das?

Hope: Berlin ist für mich eine faszinierende und wunderbare Stadt, aber auch gleichzeitig eine Stadt, die sehr schwer war für meine Familie. Meine Großeltern und Urgroßeltern wurden vertrieben in den 30er-Jahren, und ich habe lange überlegt mit meiner Familie, ob ich irgendwann doch nach Berlin umziehe. Das habe ich jetzt seit ein paar Tagen eigentlich erst entschieden – meine Frau ist Berlinerin –, und da zu sein, ist ein ganz besonderes Gefühl im Moment. Es ist für uns ganz frisch, wir sitzen noch auf Umzugskartons. Ich eile aus Amerika zurück nach Berlin, um den Umzug fortzusetzen. Aber natürlich, dass Yehudi Menuhin auch dort gestorben ist, ist dann sozusagen für mich eine größere Bedeutung, in der Hauptstadt zu sein. Jedes Mal, wenn ich in Berlin bin, denke ich an meine Familie, und Yehudi Menuhin gehört auch dazu.

Welty: Dass er großen Einfluss auf Sie hat, ist, glaube ich, nicht zu übersehen, nicht zu überhören, aber welchen Einfluss hat Menuhin generell heute auf junge Geiger? Muss man sagen, heute noch auf junge Geiger?

"Sein Vermächtnis ist schon gigantisch"

Hope: Ich finde schon, also vor allem, sein Vermächtnis ist schon gigantisch, alleine wenn man seine verschiedenen Charity-Arbeiten anschaut, vor allem "Live Music Now". Das ist ein Verein, den es in der ganzen Welt gibt, basiert auf einem sehr einfachen Prinzip: Es gibt viele Menschen in der Welt, die keinen Zugang zu Musik haben – entweder sie können sich das nicht leisten oder sie sind vielleicht zu krank oder die haben überhaupt nicht die Chance, da ranzukommen. Auf der anderen Seite gibt es viele tolle junge Künstler, diesen Künstlern fehlt auch Bühnenerfahrung, und "Live Music Now" bringt die zwei zusammen, das heißt, junge Künstler bekommen die Chance aufzutreten, aber in sozialen Einrichtungen, um Musik zu teilen mit Menschen, die es sonst nicht erleben würden – in Krankenhäusern, in Altersheimen. Das ist eine fantastische Sache. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland Ehrenamtliche, in jeder Stadt in Deutschland gibt es Ableger davon und auch weltweit, und es gibt Hunderte, Tausende von Menschen, die Musik erleben durften über die letzten 30 Jahre. Und das ist nur eine von den vielen Einrichtungen, die Yehudi Menuhin seinerzeit auch gegründet hat und deshalb auch seine Idee weiterlebt.

Welty: Ein großer Geiger über einen anderen großen Geiger. Daniel Hope über Yehudi Menuhin, dessen 100. Geburtstag sich in diesem Jahr jährt. Herr Hope, herzlichen Dank für dieses "Studio 9"-Gespräch, das wir aufgezeichnet haben.

Hope: Sehr gerne!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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