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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 09.06.2010

"My name is Khan"

Knallbuntes Bollywoodkino um Vorurteile und Liebe

Gesehen von Anke Leweke

Filmplakat "My name is Khan" (Dharma Productions)
Filmplakat "My name is Khan" (Dharma Productions)

Indiens Superstar Shah Rukh Khan spielt hier einen indischen Moslem in den USA, der nach den Anschlägen vom 11. September um seine Würde und sein Ansehen kämpft. Bei seiner Reise durch Amerika begegnet er einer Wand aus Vorurteilen und Arroganz.

Man traut seinen Augen nicht. In welchen Film ist man hier geraten?

Zunächst wird der große Einwanderertraum geträumt. Der autistische Inder Khan kommt nach San Francisco, findet dort Arbeit und eine wunderschöne Witwe mit kleinem Sohn. Dass sie Hindu und er Moslem ist, spielt zunächst keine Rolle. Mit den weißen Nachbarn bildet man ein bunte, fröhliche Multi-Kulti-Community, dazu gibt es prächtige San Francisco-Bilder und man glaubt sich in einem Werbefilm für die kalifornische Stadt.

Nun weiß man, dass das Bollywoodkino das Leben gerne durch eine rosarote Brille sieht. Aber es mag auch Schmerz, Trauer und Leid. Um den Zuschauer zu Tränen zu rühren, ist diesem Film alles recht. Auch der 11. September 2001 bleibt da keine Heilige Kuh.

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center werden Khan und seine Familie zu Outlaws. Keine noch so tragische Wendung wird ausgelassen: Kein Kunde verirrt sich mehr in den Kosmetikladen, der einem Moslem gehört, der kleine Sohn der Witwe wird von rassistischen Mitschülern erschlagen und Khan von seiner Frau verbannt.

Fortan zieht er durch die USA, um seine Unschuld zu beweisen. Die Wand, gegen die Khan auf seiner Reise anrennt, ist letztlich nichts anderes als der Autismus der westlichen Arroganz und Fremdenfeindlichkeit.

Es ist ein gewagter Clash, den dieser Film eingeht, der melodramatische Tonfall des Bollywoodkino tritt gegen die Projektionen westlicher Angstmaschinerien an. Das Ergebnis ist ein üppiges, knallbuntes, unglaubliches Märchen um einen Mann, der auszieht, sich selbst zu retten und währenddessen ein utopisches Bild nach dem nächsten produziert.

Khan wird weitere islamische Anschläge vereiteln, der Koran auf Gospelgesänge treffen, und anders als die US-Regierung wird er der schwarzen Bevölkerung eines überschwemmten Dorfes helfen. Am Ende hat nicht nur der Kinozuschauer, sondern auch ganz Amerika einschließlich des neuen Präsidenten die Botschaft verstanden: "My name is Khan and I am not a terrorist".

Indien / USA 2010. Regie: Karan Johar. Darsteller: Shah Rukh Khan, Kajol Devgan, Jimmy Shergill, Zarina Wahab, Arif Zakaria, Sheetal Menon, Tanay Chheda u.a. FSK: ab 12. Länge: 126 Minuten.

Filmhomepage My name is Khan

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