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Konzert

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Konzert / Archiv | Beitrag vom 14.07.2012

Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

"Piramo e Tisbe" von Hasse im Schlosstheater

Schlosstheater im Neuen Palais Potsdam-Sanssouci
Schlosstheater im Neuen Palais Potsdam-Sanssouci (Leo Seidel/Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg)

Mit der Wiedereröffnung des Heckentheaters nördlich des Neuen Palais stehen drei historische Schauplätze des friderizianischen Theaters in Potsdam wieder zur Verfügung, und das auf engstem Raum. Nichts lag näher, als die drei Orte in einer Inszenierung zu vereinen, deren Handlung die Verlegung von drinnen nach draußen unterstützt – wie Johann Adolph Hasses "Piramo e Tisbe" von 1768, das schon drei Jahre später im Schlosstheater aufgeführt worden ist.

Nicht nur die Handlung der Oper spielt drinnen und draußen, das Publikum folgt den Personen von der hohen Sphäre des Schlosstheaters in den Gartensalon und von dort ins Heckentheater, wo in der Naturkulisse des Waldes die Tragödie ihr Ende findet.

Der international umschwärmte Hasse gehörte zu den Komponisten, die Friedrichs Urteil gelten ließ, mehr noch: Der Preußenkönig versuchte mehrfach, den ungekrönten König der Opera seria als Hofkomponist nach Berlin-Potsdam zu engagieren – vergeblich. Hasse ließ sich seine Werke im konkurrierenden Dresden vergolden, bis preußische Truppen im Siebenjährigen Krieg die Stadt bombardierten und Hasses Wohnhaus mitsamt den druckfertigen Stichplatten seines Lebenswerks verbrannte. Da war sein Ruhm bereits über den Zenit, der Zeitgeschmack hatte sich geändert, die Reformoper mit ihrer Forderung nach natürlichen Charakteren und glaubhafter Handlung war auf dem Vormarsch.

In seinen letzten Jahren am konservativen Hof in Wien entstand "Piramo e Tisbe" für eine reiche Französin. Hasse, der in Wien mit der Partei der Reformer und den Opern Glucks in Kontakt kam, reagierte musikalisch: Durch Einsatz vieler Accompagnati, offener Übergänge und verkürzter Reprisen brach er das Schema der Seria auf, ohne es zu verraten. Mit wenigen Partituren gab er sich so viel Mühe wie mit diesem gut zweistündigen "Intermezzo tragico" und bekannte, er zähle die Oper zum Besten, was er komponiert habe.

Die Handlung hält sich weitgehend an die Geschichte in den Metamorphosen von Ovid. Der Vater verbietet aus Rivalität der Eltern seiner Tochter Tisbe die Liebe zum Sohn der Nachbarn, Piramus. Um dem Verbot zu entkommen verabreden sie sich zur Flucht, Treffpunkt ist im Wald am Grab des Königs Ninos. Tisbe, die zuerst eintrifft, hört einen Löwen brüllen und flieht. Dabei verliert sie ihren Schleier, den der Löwe findet und zerreisst. Als Piramus eintrifft, glaubt er durch den blutbefleckten Schleier, Tisbe sei Opfer einer Bestie geworden und stürzt sich verzweifelt in sein Schwert, um mit ihr im Tod vereint zu sein. Tisbe kehrt zurück, um Piramus von ihrem Schrecken zu erzählen und findet ihn sterbend am Boden. Daraufhin tötet sie sich mit Piramus‘ Schwert ebenfalls. Der Vater, der nachgeeilt ist, um die Fliehenden einzufangen, erkennt die Folgen seines Verbots und erdolcht sich.
musikfestspiele-potsdam



Musikfestspiele Potsdam Sanssouci
Schlosstheater Sanssouci
Aufzeichnung vom 21./ 22.06.2012


Johann Adolph Hasse
"Piramo e Tisbe"
Intermezzo tragico
Libretto: Marco Coltellini


Piramo – David Hansen, Sopran
Tisbe – Bénédicte Tauran, Sopran
Padre – Carlo Vincenzo Allemano, Tenor
B'Rock
Leitung und Cembalo: Andrea Marchiol


ca. 20:30 Uhr Konzertpause mit Nachrichten