Freitag, 28. November 2014MEZ20:19 Uhr

Konzert

OperDie Fahne, wo ist die Fahne?
Szene aus der Oper "Cornet" von Onute Narbutaite (Litauische Nationaloper)

Sie nennt es eine Opern-Improvisation über ein zeitloses Thema. Die litauische Komponistin Onute Narbutaite hat Rilkes "Cornet" neu vertont - ein spannender Beitrag zum europäischen Kriegsgedenken.Mehr

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Konzert / Archiv | Beitrag vom 06.09.2012

Musikfest Berlin

mit dem St. Louis Symphony Orchestra

Christian Tetzlaff
Christian Tetzlaff (Alexandra Vosding)

Das Musikfest Berlin ist zweifelsohne ein globales Gipfeltreffen in Sachen Musik und wird auch in diesem Jahr die Konzertsaison in Berlin eröffnen. Das Programm ist kompakt, die dramaturgische Intelligenz geradezu spektakulär. Große Orchester kommen nach Berlin und die Berliner Flagschiffe ziehen mit, so auch in diesem Jahr. Es gibt 25 Veranstaltungen mit ca. 80 Werken von 30 Komponisten, 24 Orchester sind beteiligt, dazu Chöre, Instrumental- und Vokalensembles, über 60 Solisten werden kommen. Wir sind in diesem Jahr achtmal dabei.

Ein echtes amerikanisches Orchester aus einer Jazz-Metropole, das St. Louis Symphony unter der Leitung von David Robertson, spielt am 5. September ein Programm, das mit einem österreichischen und zwei amerikanischen Klassikern der Moderne aufwartet. Das St. Louis Symphony, ist nach dem New York Philharmonic das zweitälteste Orchester der USA. Bei Beethovens Violinkonzert treffen die amerikanischen Gäste beim Musikfest Berlin 2012 auf den Geiger Christian Tetzlaff.

Elliott Carter, Jahrgang 1908 und damit der älteste unter den berühmten Komponisten unserer Tage, schrieb seine Holiday Overture 1944. Er komponierte sie als Feiermusik, nachdem Paris von den Nazis befreit war. Die persönlichen Erinnerungen des Amerikaners waren noch frisch, schließlich hatte er wenige Jahre zuvor in Paris bei der legendären Kompositionslehrerin Nadia Boulanger studiert.

In den Fünf Orchesterstücken op. 16 aus dem Jahr 1909 hat Arnold Schönberg zum ersten Mal eine Harmonik ohne tonale Hierarchien, die "Emanzipation der Dissonanz", wie er es nannte, in einem großen Klangapparat angewendet. Farbe wird zum Strukturelement: "Der Wechsel der Akkorde hat so sacht zu geschehen, dass gar keine Betonung der einsetzenden Instrumente sich bemerkbar macht, so dass er lediglich durch die andere Farbe auffällt", schreibt Schönberg in der Partitur.

Als George Gershwin 1928 während seiner großen Europareise Station in Paris machte und seinen französischen Kollegen Maurice Ravel traf, bat er diesen, ihm Kompositionsunterricht zu geben. Ravel, der die Musik Gershwins bewunderte, weigerte sich kategorisch: "Warum wollen Sie ein zweitklassiger Ravel werden, wenn Sie ein erstklassiger Gershwin sein können?" Er wolle nicht, dass Gershwin die Unmittelbarkeit seiner Melodie verliere. Trotz des dichten Reiseplans voller Musikaufführungen und Treffen mit berühmten Kollegen fand Gershwin Zeit, "An American in Paris" in seinen freien Stunden zu komponieren. Das Stück sei "die modernste Musik, die ich bisher versucht habe (…) im typisch französischen Stil, in der Art von Debussy und den Six (…) obwohl die Themen alle original sind", so Gershwin.
berlinerfestspiele


Musikfest Berlin
Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 05.09.2012


Elliott Carter
"Holiday Overture"

Ludwig van Beethoven
Violinkonzert D-Dur op. 61

ca. 21:00 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
"Vertrieben ins Paradies"
Ruth Jarre im Gespräch mit Winrich Hopp,
dem künstlerischen Leiter des Musikfestes Berlin

Arnold Schönberg
Fünf Orchesterstücke op. 16

George Gershwin
"An American in Paris"


Christian Tetzlaff, Violine
St. Louis Symphony Orchestra
Leitung: David Robertson