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Musiker für Welt und Kirche

Vor 300 Jahren starb der italienische Komponist und Violinist Arcangelo Corelli

Von Stefan Zednik

Arcangelo Corelli - ein Virtuose auf der Violine.
Arcangelo Corelli - ein Virtuose auf der Violine. (AP)

Der Name des Barockmusikers Arcangelo Corelli wird fast ausschließlich mit weihnachtlicher Musik verbunden. Dabei war der Wegbereiter von Instrumental- und Orchestermusik einst unter Musikern in ganz Europa eine unbestrittene Größe.

"Arcangelo Corelli aus Fusignano, gefeierter Violinist und Komponist, auch bekannt als 'der Bologneser', wurde im Februar des Jahres 1653 geboren. Er entstammt bescheidenen Verhältnissen, doch war er von erlauchter Begabung. In Bologna lernte er unter Aufsicht von Giovanni Benvenuti, eines unserer Akademiemitglieder, mit größter Neugier die Grundlagen des Violinspiels, und dies war um 1670."

Dieser Eintrag aus einer Chronik der Musikakademie von Bologna ist eine der wenigen, zudem zweifelhaften Quellen zu Herkunft und Jugend von Arcangelo Corelli. Es spricht viel dafür, dass er als 17-Jähriger tatsächlich dort Mitglied wurde und fünf Jahre später Bologna in Richtung Rom ziehend wieder verließ. Ab 1675 tauchte er dort auf den Besetzungslisten verschiedener Musikveranstaltungen auf, und während er Unterricht in Kontrapunkt und Komposition nahm, wuchs sein Ruf schnell – als herausragender Virtuose.

Das kulturelle Leben im Rom des Hochbarock ist anspruchsvoll und intensiv, Kirchen und fürstliche Häuser versuchen, sich gegenseitig zu beeindrucken, ein für Sänger, Instrumentalisten und Komponisten durchaus günstiges Pflaster musikalischen Mäzenatentums. Corelli wird "musico da camera" am Hofe der hier lebenden Christina von Schweden, der Tochter des protestantischen Kriegshelden König Gustav Adolf II. Der zum Katholizismus konvertierten ehemaligen Königin widmet er sein Opus 1, eine Sammlung von Sonaten für zwei Violinen und Basso Continuo. Die Triosonaten werden in den folgenden Jahren unter anderem in Bologna, Venedig, Amsterdam und London vielfach nachgedruckt – ein bis dahin einmaliger Vorgang. Fürstenhöfe in ganz Europa sind nicht nur an den Kompositionen erstklassiger italienischer Musiker interessiert, sondern man versucht, diese auch leibhaftig abzuwerben. So bescheidet 1686 ein römischer Musikagent das Interesse des Hofs von Modena an dem erst 33-jährigen Corelli:

"Arcangelo genannt der 'Bologneser' ist heutzutage in Rom der führende Vertreter auf diesem Instrument. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er Rom verlassen würde, da er hier so viel Anerkennung genießt, geschätzt und hoch bezahlt wird."

Corelli komponiert mit großer Ruhe und Regelmäßigkeit, im Abstand von jeweils etwa vier Jahren erscheinen fünf von sechs seiner gedruckten Werke. Es handelt sich dabei ausschließlich um klein besetzte Instrumentalkompositionen, die entweder "a chiesa" – für die Kirche – oder "a camera" – für eine weltliche Aufführung bestimmt sind. Diese von ihm entwickelten Formen sollten nicht nur großen Einfluss auf spätere Generationen in ganz Europa haben, sie trugen auch entscheidend zur Emanzipation der Instrumentalmusik bei, die bis dahin stets im Schatten der Vokalmusik gestanden hatte. Denn die Vordenker der Renaissance hatten sich beim Entwurf einer musikalischen Theorie stark an der Philosophie Platons orientiert. Für den stand das Wort des Dichters unverzichtbar sinngebend im Mittelpunkt, einer reinen Instrumentalmusik stand er ablehnend gegenüber.

"Es ist freilich sehr schwer zu erkennen, was Rhythmus und Melodie ohne Worte ausdrücken wollen und was für einem beachtenswerten Urbilde sie ähnlich sind. Von so etwas kann man nicht anders urteilen, als dass es voller Rohheit steckt."

Corelli, der bis zu seinem Lebensende in Rom blieb, musizierte und komponierte für verschiedene Kardinäle, galt als begehrter Pädagoge und hinterließ mit seinem Opus 6 eine Sammlung von concerti großi, die stilbildend für die gesamte europäische Orchestermusik des 18. Jahrhunderts werden sollten. In Deutschland und Frankreich, vor allem aber in England wurden seine Kompositionen musikalisches Allgemeingut. Dies belegt nicht nur die große Zahl von Neuauflagen seiner Werke, sondern auch die Menge der zeitgenössischen Bearbeitungen für andere Instrumente und Besetzungen. Am 8. Januar 1713 starb Arcangelo Corelli, vermögend und hochgeehrt, 59-jährig in Rom.

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