Donnerstag, 21. August 2014MESZ22:06 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDie Frau der Stunde
Die finnisch-estnische Autorin als Ehrengast während eines Interviews im Gresham Palast auf dem 21. Budapest International Book Festival in Budapest, Ungarn, am 24. April 2014. 

Die "Süddeutsche Zeitung" und die "Welt" widmen sich der prophetischen Kraft des neuen Romans der finnisch-estnischen Autorin Sofi Oksanen. Und die "FAZ" lässt einen hochrangigen Vertreter des Islamischen Staates zu Wort kommen. Mehr

weitere Beiträge

Fazit

AtonalEchos von der Schweinehaut
Der Eingang zum Club Tresor in der Köpenicker Straße in Mitte am 12.02.2009 in Berlin während der Party "Transducers! Berlin - London - Wien" von Filmbranche und elektronischer Musikszene

Das Festival Berlin Atonal startete im Berliner Club Tresor mit dem Ensemble Modern und Klassikern der Minimal Music. Es klang nach einer Verneigung vor historischen Größen elektronischer Musik. Mehr

Tanz im AugustBewegung, Unterhaltung, Punk

Der Brite Michael Clark, seit 30 Jahren als "Revoluzzer" des klassischen Balletts bekannt, sorgt beim Tanzfestival "Tanz im August" in Berlin für einen ersten Höhepunkt. Bei ihm wird Punk Design.Mehr

BerlinLokalfürstin winkt mit der Regel-Keule
 Rosa Rollkoffer mit Stoffpinguin am 03.10.2013 vor dem Reichstagsgebäude

Vorgaben, Verhaltensgrundsätze und natürlich Verbote sind das Revier der Lokalfürsten. Nun hat auch mal wieder eine Berliner Ortsteilpolitikerin zugeschlagen. Kopfschüttelnd empört sich eine Bezirksbürgermeisterin über Rollkoffer.Mehr

weitere Beiträge

Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.08.2011

Musik an der Mauer

Die Angst der DDR vor Rockmusik und West-Konzerten für Ost-Berlin

Von Martin Böttcher

Die Rolling Stones sollten 1969 auf dem Springer-Hochhaus spielen.
Die Rolling Stones sollten 1969 auf dem Springer-Hochhaus spielen. (AP Archiv)

In den 28 Jahren, in denen die Mauer stand, haben sich dort viele Geschichten abgespielt - bei einigen von ihnen stand die Musik im Mittelpunkt. Denn hören, was sich auf der anderen Seite abspielte, das konnte man.

"Ist es denn wirklich so, dass wir jeden Dreck, der vom Westen kommt, nu kopieren müssen? Ich denke, Genossen, mit der Monotonie des Je-Je-Je, und wie das alles heißt, ja, sollte man doch Schluss machen."

1965: Walter Ulbricht, DDR-Staats- und Parteichef, begründet das Verbot westlicher Beatmusik. Musik, das sollte spätestens jetzt klar sein, war Teil der sozialistischen Erziehung und hatte sich dementsprechend anzuhören. Den Menschen in der DDR sollte der Musikgeschmack verordnet werden.

Anzukündigen war das einfach, durchzusetzen schon schwerer, wie sich vier Jahre später, 1969, in Ost-Berlin zeigen sollte. Schuld war ein Gerücht: Ganz in der Nähe der Mauer, auf dem Dach des Axel-Springer-Hauses in West-Berlin werde ein Konzert stattfinden, wurde sich erzählt - und zwar ein Konzert der Rolling Stones! Die zum Teil kultisch verehrte Rockgruppe, so hieß es, würde extra für die Ostjugend spielen.

Wer dieses Gerücht in die Welt gesetzt hatte, blieb unklar, aber es machte die Runde. Tausende Jugendliche zogen daraufhin am 7. Oktober 1969, in Ostberlin Richtung Mauer und versammelten sich am Spittelmarkt - und das am DDR-Nationalfeiertag, am "Tag der Republik". Das Konzert allerdings fand nicht statt, war nie geplant. Die Staatgewalt war dennoch vorbereitet, Polizei, Stasi, FDJ-Ordnungsgruppen gingen gegen die Stones-Fans, die sich so zahlreich und aus Sicht der DDR so bedrohlich nahe der Mauer versammelt hatten. Es kam zu Auseinandersetzungen, Knüppeleinsatz, Verhaftungen.

Ähnliche Bilder noch einmal, knapp 18 Jahre später: 1987 feiert Berlin den 750. Geburtstag. Einer der Höhepunke: Drei an den Pfingsttagen organisierte Konzerte mit David Bowie, Eurythmics und Genesis. Die Bühne befand sich auf der Westseite, direkt am Reichstag, ganz dicht an der Mauer.

Auf der Ostseite versammelten sich tausende von jungen Menschen, die so auch etwas von den Konzerten mitbekommen wollten - angelockt auch durch die riesigen Lautsprecher-Türme, von denen einige nach Osten ausgerichtet waren. Am Abend des Pfingstsamstags, als der englische Sänger David Bowie spielte, kommt es auf dem Schiffbauerdamm zu ersten Zusammenstößen mit der Volkspolizei. Am nächsten Abend - während des Eurythmics-Auftritts - greifen Stasi-Mitarbeiter in Zivil einzelne Jugendliche aus der noch einmal angewachsenen Menge, die Unmutsäußerungen werden lauter:

"Bullenschweine. Bullenschweine. Bullenschweine."

Die Lage spitzt sich weiter zu. Westliche Journalisten werden gehindert, die Masse zu Filmen und Interviews zu führen. Flaschen fliegen durch die Luft. Aus den Musikfans sind Demonstranten geworden:

"Die Mauer muss weg, die Mauer muss weg."

Schließlich treibt die Volkspolizei die Menge mit Schlagstöcken auseinander, jagt sie bis zum Alexanderplatz, es spielen sich brutale Szenen ab. Etwa 200 Personen werden festgenommen.

Am dritten Tag der Konzerte, am Pfingstmontag 1987, sollten ähnliche Szenen verhindert werden, die Sicherheitskräfte versperrten Tausenden, die vom Brandenburger Tor aus Genesis hören wollten, den Zugang. In den DDR-Medien wurden die Verhaftungen, die Zusammenstöße, die Randale geleugnet.

Für die nächsten zwei Jahre, bis zum Fall der Mauer, war Schluss mit West-Konzerten für Ost-Berlin.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Sammelportal 50 Jahre Mauerbau