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Fazit | Beitrag vom 01.03.2016

Mülheimer Dramatikerpreis - die NominiertenStücke ohne Terror

Von Stefan Keim

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Die Schauspieler Orit Nahmias (l.) und Karim Daoud in einer Szene von "The Situation" im Maxim Gorki Theater Berlin bei der Premiere 2015 (picture alliance / ZB / Claudia Esch-Kenkel)
Mit Yael Ronens "The Situation" begibt das Mülheimer Festival in einen Randbereicht - hier wird kaum deutsch gesprochen. (picture alliance / ZB / Claudia Esch-Kenkel)

Die Auswahl für den Mülheimer Dramatikerpreis 2016 steht fest. Das Flüchtlingsthema ist hier nur eins unter vielen. "Terror" von Ferdinand von Schirach als meistinszeniertes Stück des vergangenen Jahres ist nicht dabei. Viele alte Bekannten sind Unter den Nominierten.

Vieles wirkt bekannt an den nominierten Stücken für den Mülheimer Dramatikerpreis 2016. Mit Ausnahme von Thomas Melle waren alle Autoren schon einmal im Rennen beim bedeutendsten Festival für deutschsprachiges Gegenwartstheater. Und Melle ist ja wahrhaftig auch kein Unbekannter.

Obwohl sich gerade viele Theatermacher und Autoren mit Flüchtlingen und Religionen beschäftigen, ist das Thema nur eins von vielen in der Auswahl einer Fachjury. Anscheinend hat Elfriede Jelinek mit ihren "Schutzbefohlenen" – das lief im vergangenen Jahr in Mülheim – schon fast alles gesagt. Yael Ronens Stückentwicklung "The Situation" vom Berliner Gorki-Theater ist der einzige Text, der sich klar mit dieser Frage beschäftigt. Hier begibt sich das Festival in einen Randbereich, den in dieser Aufführung wird kaum deutsch gesprochen. Und ob sich das "Stück" von anderen Bühnen nachspielen ließe, ist auch zweifelhaft. Doch solche Freiheiten haben sich die Jurys in Mülheim immer wieder genommen. Und mit den Einladungen zum Beispiel von Christoph Marthaler oder Rimini Protokoll für heraus ragende Abende und packende Diskussionen gesorgt.

Meistinszeniertes Stück "Terror" fehlt

Streitgespräche wären wohl auch garantiert gewesen, hätte die Jury "Terror" von Ferdinand von Schirach eingeladen. Das meistinszenierte und viel besuchte neue Stück des vergangenen Jahres fehlt in der Auswahl. Zu dünn sei es als Theatertext, zu spekulativ in den politischen Aussagen, war aus der Jury zu hören. Populärere Formate haben es bei den "Stücken" traditionell schwer. Allerdings fehlt auch die poetische Zumutung "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße" von Peter Handke. Bei der Uraufführung in Wien hatte sich die Jury komplett versammelt, sich dann aber doch gegen eine Einladung entschieden.

Dafür gibt es diesmal viele alte Bekannte. Fritz Kater hat mit "Buch – 5 ingredientes de la vida" über den Verlust von Utopien geschrieben, Sibylle Berg ("Und dann kam Mirna") und Felicia Zeller ("Zweite allgemeine Verunsicherung") beschäftigen sich wortwitzgewandt mit gesellschaftlichen Schräglagen. Und auch die Nichtganz-Newcomer Wolfram Höll ("Drei sind wir") und Ferdinand Schmalz ("Dosenfleisch") bleiben mit Lyrik und wildem Trash der Linie ihrer ersten Erfolgsstücke treu.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Große Aufbrüche verspricht die Auswahl nicht, eher das Wiedersehen mit alten Bekannten. Das gilt auch für die Kinderstücke mit neuen Texten von Vorjahressieger Carsten Brandau, Thilo Reffert und Jens Raschke. Dessen Stück "Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zaunes schaute" über den Zoo im Konzentrationslager Buchenwald ist bereits jetzt ein ähnlicher Hit wie "Terror". Dazu kommen mit Nora Mansmann und Starautor Finn-Ole Heinrich zwei namhafte Autoren, die erstmals im Kinderstücke-Wettbewerb dabei sind. Der genaue Spielplan wird jetzt gemacht, das Festival findet auf jeden Fall im Mai statt.

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