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Mosaik eines gelebten Lebens

David Gilmour: "Die perfekte Ordnung der Dinge", S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011

Ein Bealtes-Konzert gehört auch zu den Orten aus Gilmours Vergangenheit.
Ein Bealtes-Konzert gehört auch zu den Orten aus Gilmours Vergangenheit. (AP)

Autor und Filmkritiker David Gilmour ist in seinem Roman als Tourist im eigenen Leben unterwegs: Ex-Frauen, Jugendfreunde, Drogenexperimente - er begibt sich auf eine Reise durch die Erinnerungen, die manchmal etwas zu hastig gerät.

"Unser allerbestes Jahr" hieß das Buch, mit dem der Kanadier David Gilmour vor einigen Jahren auch in Deutschland bekannt wurde. Er erzählte darin von sich und seinem heranwachsenden Sohn, der ein Jahr mit der Schule aussetzen durfte - unter der Bedingung, dass er gemeinsam mit seinem Vater dreimal in der Woche ins Kino ging. Autobiografisch ist auch der Blick in Gilmours neuem, wieder als Roman deklariertem Buch "Die perfekte Ordnung der Dinge". Diesmal ist der Autor und Filmkritiker Gilmour, Jahrgang 1949, als "Tourist im eigenen Leben" unterwegs - und besucht Orte, die in der Vergangenheit eine Rolle für ihn gespielt haben.

"Wenn man also zu den Kampfschauplätzen vergangener Misserfolge zurückkehrt",

bemerkt er unterwegs,

"können sich diese in gefährliche Minenfelder verwandeln."

Die Erinnerung an frühe Liebschaften, Ex-Ehefrauen, Jugendfreunde, den Selbstmord des Vaters, Drogenexperimente, viele Reisen, ein Interview mit George Harrison, den Fausthieb gegen einen Rezensenten und häufig durchlittenen Liebeskummer entfaltet ihr explosives Potenzial für den Leser allerdings nicht immer im gleichen Maß. Das mag daran liegen, dass der eigentlich so versierte Erzähler Gilmour zur Illustration atmosphärisch dichter Momente allzu häufig Filme ("Es war fast wie eine Szene aus Der Pate, Teil II"), Popsongs (insbesondere von den Beatles) und historische Romanpassagen (vor allem den tief verehrten Tolstoi) beschwört.

Vielleicht liegt es auch daran, dass dem Autor im Rückblick aufs eigene Leben die Ironie, eines seiner bevorzugten literarischen Werkzeuge, manchmal abhanden kommt ("Man kriegt nichts umsonst. Alles hat seinen Preis. Vor allem Sex"; "Pillen sind nie eine gute Idee").

Er bezeichnet sich selbst als "eine Art Marcel Proust auf Oxycontin", einem stark euphorisierenden Schmerzmittel. Das berührt einen Nerv: Gilmour nimmt sich für die Stationen seiner Vergangenheit, ganz im Gegensatz zum zitierten Meister der erzählten Erinnerung, nicht immer die Zeit, die sie vielleicht verdient hätten, eilt schon mal weiter, bevor eine Szene ihre Tiefenschärfe erhalten hat. So entfalten nicht alle Episoden die charmante Überzeugungskraft von "Unser allerbestes Jahr".

Die blitzt aber immer wieder auf, etwa wenn sich eine unglücklich verlaufende Liebe mit dem einzigen je erlebten Beatles-Konzert verbindet, oder wenn der Autor die immer gleichen Rituale des Toronto Film Festivals erleidet ("Wenn du dich irgendwo unwohl fühlst, geh nicht immer wieder hin").

Diese Mosaiksteine eines gelebten Lebens fügen sich zu einem mal distanzierten, mal unterhaltsamen, bisweilen auch sentimentalen Erlebnisbericht aus dem Reich des Allgemeinmenschlichen. Am Ende ist David Gilmour zusammen mit dem Sohn auf Lesereise mit "Unser allerbestes Jahr", und dem Vater geht auf, worauf die Unternehmung, das eigene Leben noch einmal zu besichtigen, eigentlich hinausläuft.

"Ich bereite mich darauf vor zu sterben",

schreibt er und zitiert Montaigne: Das Ziel aller Philosophie sei zu lernen, wie man richtig stirbt.

Besprochen von Hans von Trotha

David Gilmour: Die perfekte Ordnung der Dinge
Roman. Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011
256 Seiten, 18,95 Euro



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