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Interview / Archiv | Beitrag vom 14.07.2012

"Moody's kann nicht irgendwelche Märchen erzählen“

Ökonom Andreas Löffler hält Kritik an Ratingagenturen für nicht gerechtfertigt

Herabstufungen durch Agenturen sorgen meist für fallende Kurse (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Herabstufungen durch Agenturen sorgen meist für fallende Kurse (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Die Zweifel an Italiens dauerhafter Zahlungsfähigkeit wachsen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Herabstufung der Bonität des Landes durch Moody's. Der Berliner Ökonom Andreas Löffler verteidigt die Bewertungspraxis der Agenturen.

Anlässlich der erneuten Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagentur Moody's und der Diskussion um die Macht der führenden Ratingagenturen hat der Professor für Bank- und Finanzwirtschaft , Andreas Löffler, die Arbeit der Bewertungsbranche verteidigt.

"Moody's kann nicht irgendwelche Märchen erzählen", sagte Löffler. Bei der erneuten Herabstufung Italiens und der gleichzeitigen Beibehaltung der Bestnote Triple-A für die hochverschuldeten USA werde nicht mit zweierlei Maß gemessen.

Rating müsse eben mehr messen, als einfach nur den Schuldenstand der Länder: "Moody's ist der Meinung, dass Italien im Reformtempo nicht weit genug vorangekommen ist", so der Wirtschaftwissenschaftler, der an der Freien Universität Berlin den Lehrstuhl für Bank- und Finanzwirtschaft innehat. Damit drücke die Ratingagentur lediglich aus, was sie für vernünftig halte.

In der Debatte um die Macht der Ratingagenturen sprach sich Löffler dagegen aus, den Einfluss der Agenturen begrenzen zu wollen. "Ratingagenturen haben deshalb nur einen Einfluss, weil sie aussprechen, was die meisten befürchten. Weil sie formalisieren oder konkret in Zahlen gießen oder in Buchstaben, was man mehr oder weniger glaubt. Da würde man in diesem Fall den Überbringer der schlechten Nachrichten bestrafen, das macht wenig Sinn".

Löffler plädierte zwar für Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Kriterien der Agenturen. "Ansonsten brauchen wir sie, wir müssen jemanden haben, der die Spreu vom Weizen trennt", auch wenn dies zu Problemen bei der Refinanzierung der Staaten führen könne.

Das vollständige Gespräch können Sie mindestens bis zum 14.12.2012 in unserem Audio-on-Demand-Angebot als [url=http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/07/14/drk_20120714_0651_721a9b94.mp3
title="MP3-Audio" target="_blank"]MP3-Audio[/url] nachhören.



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