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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 01.10.2014

MobilitätsrevolutionDas Fahrrad und seine Geschichte

Vom Stahlross zum Hightech-Gefährt

Von Franziska Schiller und Thomas Doktor

(picture alliance / dpa / Uli Deck)
Ein Besucher des Karlsruher Stadtmuseums betrachtet einen Nachbau der Laufmaschine des Freiherrn von Drais. (picture alliance / dpa / Uli Deck)

Der Erfinder Karl Freiherr Drais von Sauerbronn erprobte 1817 seine neueste Erfindung: eine zweirädrige Laufmaschine aus Holz. Er flitzte mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von rund 15 Stundenkilometern über die Straße.

Die Drais'sche Laufmaschine: Eine Holzkonstruktion, einspurig, zweirädrig und lenkbar, angetrieben durch abwechselndes Abstoßen mit den Füßen vom Boden. Heute lernen unsere Kinder so das Radfahren.

"Eine neuerfundene Fahrmaschine: Der Freiherr von Drais ist, nach glaubwürdigen Zeugnissen, Donnerstag den 12ten Juni des Jahres mit der neuesten Gattung der von ihm erfundenen Fahrmaschine ohne Pferd von Mannheim bis an das Schwetzinger Relaishaus und wieder zurück, also vier Poststunden Wegs in einer Stunde Zeit gefahren." Karlsruher Zeitung im Juli 1817 

"Er hat sich seiner Zeit schon Rennen mit Pferdekutschen und Reitern geliefert und diese immer gewonnen, was hauptsächlich daran lag, dass er sich die Distanzen ausgesucht hat, über die er die Rennen bestreiten wollte, und Herr Drais hat tatsächlich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 bis 17 km/h gehabt, eine Pferdekutsche war mit etwa 10 km/h unterwegs. Auf längeren Strecken hat er sie also locker geschlagen, auch wenn sie anfangs von ihm weggezogen sind", erklärt Benjamin Huth vom Deutschen Technikmuseum.

"Besorg Dir ein Fahrrad"

50 Jahre später wird das Projekt Fahrrad richtig aktuell: mit der Erfindung von Pedalen und dem Kettenantrieb - sowie dem Luftreifen - punktet zuerst das Hochrad und später das uns bekannte und komfortable Niedrigrad. Nach und nach bekam das Laufrad Pedale, Kettenantrieb und Luftreifen und faszinierte als Hochrad zunächst die Adligen und Betuchten. "Besorg Dir ein Fahrrad. Wenn Du lebst, wirst Du es nicht bereuen," schwärmte Mark Twain.

Als dann das Niederrad erfunden wurde, eroberte das Rad nach und nach alle Gesellschaftsschichten und verbreitete sich rasch rund um den Globus. Erstmals war eine individuelle Mobilität jenseits von Pferd und Kutsche möglich. Außerdem verhalf das Stahlross Frauen zu emanzipatorischen Freiheiten, die zuvor undenkbar waren. Die industrielle Fertigung, zum Beispiel in der ehemaligen Fahrradhochburg Bielefeld, lieferte Erkenntnisse, die später in den Bau von Automobilen und Flugzeugen eingingen.

Ein Fahrradfahrer fährt zwischen Autos vorbei, die sich an einer Einfallstraße von Frankfurt am Main im Berufsverkehr stauen. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)Ein Fahrradfahrer fährt zwischen Autos vorbei, die sich an einer Einfallstraße von Frankfurt am Main im Berufsverkehr stauen. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)

"Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muss sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren." Albert Einstein, Physiker. 1879 geboren, 1951 gestorben.

Mit dem Siegeszug des Autos in den 50er-Jahren schwand die Bedeutung des Fahrrades im Bewusstsein. Doch die Renaissance des Rades ist inzwischen unübersehbar - wenn man sich die Entwicklung bei den Radwegen, Radrouten, der Radnutzung in den Städten und der Fahrradtechnik anschaut.

"Man konnte mit Fahrrädern sehr viel Geld verdienen. Ein Hochrad lag hier in Bielefeld, die ersten hat Dürkopp gebaut, zwischen 350 und 500 Mark im Verkaufspreis. Als Vergleich: Eine Textilarbeiterin hier in der Bielefelder Fabrik verdiente 500 Mark im Jahr. Einer seiner Konkurrenten hat mal gesagt um 1900: Mit dem Fahrrad könnte man 'klotzig Geld verdienen'", sagt Gerhard Renda, Direktor des Historischen Museums Bielefeld.

Die Fahrrad-Renaissance fordert die Stadtplaner

Fahrrad und Auto: das ohnehin schwierige Verhältnis fordert die Stadtplaner neu heraus. Mit der Fahrrad-Renaissance stellt sich die Frage, wie die begrenzten öffentlichen Räume dem wachsenden Fahrradverkehr gerecht werden. Die autogerechte Stadt war einmal das Ziel der Stadtplaner. Heute - die fahrradgerechte Stadt? Lösungen dafür sind nicht einfach, denn es müssen auch die Interessen der Fußgänger gewahrt werden.

Das Fahrrad hat schon alles erlebt: Es war Spielzeug der Reichen, machte breite Bevölkerungsschichten mobil und wäre beinahe auf dem Abstellgleis gelandet. Aber immer hat das Rad Menschen begeistert und inspiriert. Seine Renaissance muss nun die Stadtplaner inspirieren.

"Zeigen Sie mir ein Problem dieser Welt und ich gebe Ihnen das Fahrrad als Teil der Lösung." Mike Sinyard, amerikanischer Fahrradbauer, geboren 1950.

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