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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 28.08.2008

Mobiles Fernsehen fürs Handy

Die Innovation fristet auf der IFA ein Schattendasein

Von Tarik Ahmia

Internet, Radio, Fernsehen und noch mehr für unterwegs: Multimedia-Handys auf der IFA. (IFA Messe Berlin GmbH)
Internet, Radio, Fernsehen und noch mehr für unterwegs: Multimedia-Handys auf der IFA. (IFA Messe Berlin GmbH)

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin werden auch Innovationen präsentiert, die nie den Weg zum Kunden finden. Eine dieser Neuerungen ist das mobile Fernsehen fürs Handy. Es wird seit Jahren auf der IFA vorgeführt, ohne dass es im Handel erhältlich wäre.

Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin gibt es viele neue Entwicklungen aus der Unterhaltungselektronik zu bewundern. Nur leider sind darunter immer wieder durchaus sinnvolle Innovationen, die nie den Weg zum Kunden finden. Eine dieser Neuerungen ist das mobile Fernsehen fürs Handy. Seit Jahren wird es immer wieder auf der IFA vorgeführt, ohne dass es wirklich erhältlich ist. In diesem Jahr fristet es auf Europas größter Elektronikmesse nur ein Schattendasein.

Fernsehen auf dem Handy: Drei Jahre ist es her, als der eigens dafür entwickelte Übertragungsstandard DVB-"Handheld" – kurz DVB-H - auf der Funkausstellung in Berlin vorgestellt wurde. Es sollte der nächste große Schritt werden, um aus dem Handy eine mobile Multimedia-Maschine zu machen. Doch die Kunden warten bis heute vergeblich – obwohl serienreife DVB-H Telefone schon im Jahr 2005 vorgeführt wurden.

" Das ist jetzt wirklich ein Telefon mit integriertem DVB-H Empfänger. Das ist im Prinzip ein Smartphone der größeren Art. Das heißt ich habe auf einem Bildschirm von 6 bis 7 cm Diagonale habe ich alle Möglichkeiten, die mir ein modernes Smartphone bietet und in der Auflösung, in der Qualität, wie wir sie hier haben, kann man sich vorstellen, einmal eine halbe Stunde Nachrichten zu schauen. "

Stephan Skrodzki von der Berliner "Gesellschaft für mobile Informationstechnologie" gehört zu den DVB-H Entwicklern der ersten Stunde. Das Gerät, das er vor drei Jahren vorführte, hatte einen berührungsempfindlichen Bildschirm und war seiner Zeit voraus. Das Aussehen ähnelte dem iphone von Apple, das erst zwei Jahre später als technischer Meilenstein gefeiert wurde. Auch die Übertragungstechnik von DVB-H war anderen digitalen Übertragungsverfahren überlegen; Die Fernsehnorm für Handys überträgt etwa doppelt soviel Programme wie das ältere, dafür aber etablierte DVB-T, es liefert auch unter schlechten Empfangsbedingungen ein besseres Bild und verbraucht weniger Strom als DVB-T – ein Vorteil für batteriebetriebene Empfängern.

An der Technik scheint es also nicht zu liegen, dass DVB-H bisher ein Rohrkrepierer ist. Umso mehr Verzögerungen gibt es aber beim Aufbau des Sendernetzes. Der T-Systems Manger Timo von Lepel prognostizierte schon vor drei Jahren, dass die Vergabe der Sendefrequenzen über Erfolg oder Misserfolg von DVB-H bestimmen werde.

" Entscheidend ist, dass man eine bundesweite Frequenz realisiert. Wenn man sich mit den Mobilfunkunternehmen unterhält, dann haben die natürlich großes Interesse an einer bundesweiten Versorgung. Das muss durch Frequenzspektren und Frequenzmöglichkeiten realisiert werden. "

Die Betreiber der Mobilfunknetze wähnten sich vor einer Goldgrube. Denn DVB-H überträgt nicht nur Fernsehbilder, sondern besitzt auch einen Rückkanal, der die Grundlage für interaktive Zusatzdienste schafft. Ob Einkaufen übers Handy, Kinotrailer, Videoclips und Quiz-Shows gegen Gebühr: DVB-H liefert die Infrastruktur für sprudelnde Einnahmequellen.

Deutschlands große Mobilfunker T-Mobile, E-Plus, Vodafone und O2 gingen jedoch bei der Vergabe leer aus. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium unter der Führung der Großverlage Burda und Holzbrinck . "Mobile 3.0" tauften sie ihr Gemeinschaftsunternehmen, das im Juni 2008 in vier Großstädten den DVB-H Probebetrieb aufgenommen hat.

Doch nun bekommt Mobile 3.0 die Macht der ausgebooteten Netzbetreiber zu spüren. Denn bei der Einführung neuer Handys führt in Deutschland kein Weg an ihnen vorbei. Sie bringe den Löwenanteil der neuen Geräte in den Markt. So überrascht es kaum, dass Handys mit DVB-H-Empfang in Deutschland nicht zu bekommen sind. Auf der IFA zeigen die Netzbetreiber nun Handys mit der eigentlich veralteten, dafür aber einsetzbaren DVB-T Technik. MOBILE 3.0 ist erst gar nicht zu der Messe erschienen. Seit jüngstem mehren sich Berichte, Mobile 3.0 wolle sich aus dem Projekt zurückziehen und erwäge sogar die Lizenzen zurückzugeben. Gegenüber Deutschlandradio Kultur teilte Mobile 3.0 mit, man wolle sich zur Zeit nicht äußern, solange die interne Diskussion noch im Gang sei.

DVB-H fristet auf der IFA ein Schattendasein. Der Stand der ehemaligen T-Systems Tochter "Media Broadcast" ist einer der wenigen Orte, an denen DVB-H Fernsehen überhaupt präsentiert wird. Wirklich Neues gibt es aber auch hier nicht. Immerhin können IFA-Besucher einen Blick auf DVB-H Fernsehen werfen, wie es etwa in Österreich schon Alltag ist:

" Wir zeigen live das Österreicher Bouquet, das sind aktuell 20 Programme, 15 Mal TV, fünf Mal Radio. Zweites großes Thema: Wir zeigen das Deutschlandbouquet, so wie es aktuell wieder als Pilotprojekt in Deutschland läuft. "


Ingenieur Stephan Skrodzki ist weiter davon überzeugt, dass bald die Zeit für das Handyfernsehen gekommen ist. Schon aus eigener Erfahrung hat er daran keinen Zweifel.

" Während der EM war ich in München beim Finale und ich konnte mich während des Spiels mit meinem DVB-H Handy in die Schlange zum Bier anstellen, die wesentlich kürzer war, als die in den Pausen. Die anderen mussten also vorm Bildschirm sitzenbleiben. Das heißt: das wird sicher eine Applikation sein die kommt. "

Solange das echte Handy-Fernsehen noch auf sich warten lässt, tüftelt er mit seinen Kollegen an neuen Multimedia Diensten. Die jüngste Idee, die auf der IFA präsentiert wird, ist eine Art "visuelles Radio". Denn DVB-H überträgt nicht nur Fernseh-, sondern auch Radioprogramme. Bislang blieb der Bildschirm dabei aber schwarz. Nun können ergänzende Informationen wie der Namen des gerade gespielten Songs, Fußballergebnisse oder der Wetterbericht auf dem Handy Display angezeigt werden.

" Was wir jetzt sehen ist ein Sender, der auf DVB-H ist – myfunradio - der eben zum aktuell gespielten Radioprogramm die Titel anzeigt. Ich sehe eine Webcam aus dem Studio und die einzelnen Titelnamen – und wir können passend zum Lied die Textzeilen als Karaoke bringen – was natürlich superschick ist, Radio zum Mitsingen – und das kann man auch unterwegs machen. "

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