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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.05.2011

Mit Menschlichkeit gegen Klischees

Neu im Kino: "Polnische Ostern"

Gesehen von Hannelore Heider

Szene aus "Polnische Ostern" mit Henry Hübchen (aries-images)
Szene aus "Polnische Ostern" mit Henry Hübchen (aries-images)

Regisseur Robert Ziemnicki präsentiert eine Komödie, die auf den Vorurteilen basiert, an denen Deutsche wie Polen noch immer festhalten und da er im polnischen Danzig geboren und in den 80er Jahren in Deutschland aufgewachsen ist, kann man schon glauben, dass er diese Gefühlsgemisch auf beiden Seiten bestens kennt.

Natürlich muss für eine Komödie überspitzt werden, und so schickt er einen besonders vorurteilsbeladenen älteren Mann, den Rendsburger Bäckermeister Werner Grabosch (Henry Hübchen), mit einer Videokamera bewaffnet ins erzkatholische Częstochowa, um zu dokumentieren, dass hier seine siebenjährige Enkelin Mathilda (Paraschiva Dragus) auf gar keinen Fall aufwachsen darf. Der Mann hat also neben einem von völliger Unkenntnis geprägten Bild über Polen auch noch einen guten Grund, so harsch zur Sache zu gehen. Nach dem Unfalltod seiner Tochter ist er traurig und verbittert und Mathilda seine einzige Lebensfreude.

Wäre die Rolle nicht mit dem trotz aller Grummeligkeit doch irgendwie liebenswert wirkenden Henry Hübchen besetzt, hätte der Film schon hier jede Sympathie verspielt, denn für Polenhasser ist er ja nun wirklich nicht gemacht! Aber der Bäckermeister kommt gegen die deutsche Bürokratie nicht an, das Kind gehört zum Kindvater Tadeusz (Adrian Topol), auch wenn der längst eine neue Frau hat, in einer kleinen Wohnung zu fünft mit Mutter und Großmutter lebt und sich das versprochene schöne Haus als Bauruine entpuppt.

Grabosch wird also fündig und lässt die Kamera laufen. Doch da es sich hier nicht um eine bitterböse Satire handelt, sondern um eine Komödie, entpuppen sich letztlich alle Absonderlichkeiten, zu denen für Gabosch nicht nur Tadeusz' undurchsichtige Geschäftsbeziehungen, sondern natürlich auch die hingebungsvolle Madonnen-Anbetung gehört, als menschlich und so wird am Ende alles gut.

Für den Zuschauer auch? Wer nicht nur räumlich ganz so weit von Polen lebt wie ein Rendsburger Bäckermeister, wird die vielen Details, mit denen modernes polnisches Leben hier charakterisiert wird, nicht als eine bloße Anhäufung von Klischees verstehen und eher schmunzelnd dem Handlungsverlauf folgen, in dem Grabosch die größte Verwandlung durchzumachen hat.

Henry Hübchen absolviert das routiniert und ist sicher für den unerfahrenen Regisseur das größte Pfund. Eine Überraschung nicht für Filmkenner, aber sicher für das normale Publikum ist die polnische Kieslowski-Darstellerin Grażyna Szapołowska, die als selbstbewusste Ärztin dem deutschen Dummbatz vorlebt, wie all die Besonderheiten polnischer Lebensweise zu einer in ihrer schlichten Menschlichkeit überzeugenden Gemeinschaft werden.

Die Liebesgeschichte der beiden wäre sicher der bessere Film geworden, allen Komödienhoffnungen zum Trotz, die selbst der in diesem Genre so erfahrene Henry Hübchen nicht einlösen kann, dazu ist das Drehbuch einfach zu schwach.

Deutschland, Polen 2010. Regie:Jakob Ziemnicki. Darsteller: Henry Hübchen, Paraschiva Dragus, Adrian Topol, Grażyna Szapołowska. 94 Minuten, ab 6 Jahren

Filmhomepage "Polnische Ostern"

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