Seit 09:07 Uhr Im Gespräch
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 09:07 Uhr Im Gespräch
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 13.07.2014

Mindestlohn8,50 Euro für Theater-Praktikanten

Deutscher Bühnenverein sieht Finanzierungsengpässe

Von Eckhart Roelcke

Acht Euro und fünfzig Cent liegen auf einer Werkbank.  (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Der Mindestlohn kommt - auch im Theater. (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)

Dauern Praktika länger als drei Monate, müssen sie demnächst mit mindestens 8,50 Euro pro Stunde honoriert werden. Das bereitet der stets klammen Freien Szene Kopfschmerzen, denn hier sind längere Praktika die Regel. Einsteigern werde der Berufszugang erschwert.

Der Deutsche Bühnenverein appelliert an die Kulturhoheit der Länder: Mit dem aktuellen Gesetzesentwurf würde zahlreichen Praktikanten und Quereinsteigern der Weg in Theater und Orchester verbaut werden. Nur Praktika, die der Ausbildung dienen und nicht länger als drei Monate sind, müssen nicht mit Mindestlohn bezahlt werden. Für viele Musiker, Regieassistenten, Inspizienten oder Requisiteure sind zeitlich länger Praktika üblich – meist erst nach dem Studienabschluss. Diese dann mit 8,50 Euro pro Stunde zu bezahlen, können sich viele Betriebe nicht leisten, so Rolf Bolwin, Direktor des Deutschen Bühnenvereins.

Schwierig ist die Zahlung des Mindestlohns vor allem in der freien Szene. Mühsam eingeworbene Fördermittel reichen hier kaum um alle anfallenden Kosten zu decken. Die Produktionen sind daher stärker auf Praktikanten oder Assistenten angewiesen. Entlohnt werden diese weniger mit Geld, als mit Verantwortung, Erfahrung und wertvollen Kontakten, sagt Christophe Knoch, Sprecher der Freien Szene: "Wenn man mit der Ausbildung fertig ist, ist man ein ausgebildeter Mensch und sollte dann eigentlich nicht mehr im Bereich der Praktika arbeiten. Das Problem ist, dass durch den gesetzlichen Mindestlohn die absurde Situation eintritt, dass die Praktikanten mehr verdienen als die ausführenden Künstler."

Eine ernsthafte Gefährdung freier Projekte sieht Knoch dadurch jedoch nicht: "Ich denke in der Praxis wird das so sein, dass irgendwelche Schlupflöcher gesucht werden oder irgendwelche Umfirmierungen stattfinden, wo man dann versucht dieser Situation so gut es geht gerecht zu werden oder auch so clever wie möglich damit umzugehen."

Der Bühnenverein fordert deshalb die Länder auf, sich um die Rahmenbedingungen der Theater und Orchester zu kümmern. Kurzum: dem Mindestlohn nicht ohne weitere Ausnahmen zuzustimmen!

Mehr zum Thema:

Die 8,50-Euro-Herausforderung (Deutschlandradio Kultur, Fazit, 01.07.2014)

Opfern für die Kultur? (Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 02.07.2014)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDisziplinverstöße oder Schlimmeres
Die Statur des nackten Donald Trump, die von Aktivisten an mehreren Standorten in den USA aufgestellt wurden, darunter Los Angeles, California, USA (EPA)

Die "FAZ" hadert mit Menschen, die sich an der falschen Stelle zurückhalten. Und die "Welt" nimmt die Gemeinsamkeiten Donald Trumps und Theodore Roosevelts unter die Lupe. Dabei findet das Blatt - zum Glück - einen ziemlich deutlichen Unterschied.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

62. Verleihung der Goethe-MedaillenMigration als Motor
Der nigerianische Fotograf Akinbode Akinbiyi  (Emeka Okereke)

"Migration der Kulturen - Kulturen der Migration" - dies war das Motto der 62. Verleihung der Goethe-Medaillen. Ausgezeichnet wurden der Schriftsteller Juri Andruchowytsch, der Fotograf Akinbode Akinbiyi und der Direktor des georgischen Nationalmuseums David Lordkipanidze.Mehr

Dokumentarfilm über Immobilienboom"Ein System der Gier"
Zahlreiche Baukrähne sind in Berlin zu sehen - vor allem bezahlbare neue Wohnungen werden gebraucht. (dpa / Jörg Carstensen)

"Muss ein Hartz-IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?", fragt einer der Protagonisten im Dokumentarfilm "Die Stadt als Beute". Filmemacher Andreas Wilcke hat vier Jahre lang den Immobilienboom in Berlin beobachtet - und zeigt eindringlich, wie Wohnraum zur Ware verkommt.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur