Freitag, 29. August 2014MESZ22:13 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsLauter Verrisse
Die deutsche Schriftstellerin Judith Hermann signiert eines ihrer Bücher (Archivbild von 2009). Hermann - geboren 1970 in Berlin - lebt im Prenzlauer Berg.

Die "FAZ" echauffiert sich über Stil und Story von Judith Hermann Romans "Aller Liebe Anfang". Kein gutes Haar lässt die "SZ" an Milo Raus Theaterstück "The Civil Wars", und die "TAZ" motzt über das neue "Blumfeld"-Album.Mehr

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Fazit

KunstLeben in der Blase
Küchenmonument, Eine Soziale Skulptur vor dem Museum, Berlinische Galerie, 2014. Auf dem Bild sind rennende Kinder auf einem Feld mit lauter Buchstaben zu sehen, dahinter Menschen, eingehüllt in eine riesige Blase.

Eine riesige Blase aus durchsichtiger Folie, darin Menschen, die Möbel bauen: Auf dem Platz vor der Berlinischen Galerie ist zurzeit das "Küchenmonument" zu sehen. Anwohner und Kunstinteressierte sind von dem Objekt begeistert.Mehr

Ruhrtriennale 2014Vom Werden und Vergehen
Schauspieler während einer Probe des Stücks "I AM" von Lemi Ponifasio im "Cour d'Honneur du Palais des Papes" in der französischen Stadt Avignon während des Avignon Festivals am 18. Juli 2014. 

Ein internationales Team mit Darstellern aus Neuseeland, Kanada, der Türkei und Samoa verkörpert den Fluss des Lebens in der Jahrhunderthalle Bochum. Für Lemi Ponifasio ist Theatermachen das Streben nach Wiedergeburt. Mehr

Bildende KunstIm Abflussrohr durchs Museum
"Kunstmuseum" ist der Titel von Gregor Schneiders Raumkunstwerk in Bochum, August 2014

Beklemmende Raumkunst ist das Markenzeichen Gregor Schneiders. Für das Kunstmuseum Bochum hat er nun eine begehbare Skulptur in Röhrenform hergestellt, die durch das Gebäude führt. Ein klaustrophobisches Erlebnis.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 04.10.2007

Metzmacher: "Wollte niemanden vor den Kopf stoßen"

Dirigent verteidigt Pfitzner-Aufführung

Der Chefdirigent des Deutschen Symphonie Orchesters, Ingo Metzmacher, bedauert die Reaktion des Zentralrates der Juden auf die Aufführung eines Werkes des antisemitischen Komponisten Hans Pfitzner am Tag der Deutschen Einheit. Er habe niemanden vor den Kopf stoßen wollen, sagte Metzmacher im Deutschlandradio Kultur.

Zwar sei es "auch ein bisschen" seine Absicht gewesen mit der Aufführung eine Debatte zu initiieren. "Ich wollte dies allerdings nicht auf Kosten irgendeiner gesellschaftlichen Gruppe tun und bedauere deswegen auch das Statement des Zentralrates der Juden." Bereits im Vorfeld habe er des Öfteren betont, dass er die "antisemitischen Äußerungen des Herrn Pfitzner" verurteile und sie weder entschuldigen, noch beschönigen wolle.

Metzmacher betonte, dass Pfitzners Kantate "Von deutscher Seele" bereits im Jahr 1921 entstanden sei – "also weit vor der Zeit des deutschen Nationalsozialismus". Sie spiegele "in einem ganz besonderen Sinne" die deutsche Romantik wider und "vielleicht auch die innere Zerrissenheit und Widersprüche, die Hans Pfitzner in sich trug und die vielleicht auch zu seinen Verfehlungen geführt haben."

Den Vorwurf, er wolle die Musik Pfitzners von seiner Biographie lösen, wies der Dirigent von sich. Der 3. Oktober sei ein Tag, an dem man sich auch den Schattenseiten der deutschen Geschichte stellen müsse. Hans Pfitzner zähle zu dunklen Seiten der deutschen Musikgeschichte. Daher sei er, Metzmacher, davon ausgegangen, dass sich "das an diesem Tag reibt" und zu einer Debatte darüber führe, "wo wir herkommen".

Gleichzeitig appellierte der Dirigent, sich mit dem Werk Pfitzners auseinanderzusetzen. Der Blick auf die Musik werde "unglaublich verstellt" von den Äußerungen des Komponisten. Er selbst habe ihn jahrelang nicht aufgeführt, "weil ich das unerträglich fand, dass jemand so etwas von sich gibt". Als er die Musik Pfitzners jedoch einmal gehört habe, ohne zu wissen, wer sie geschrieben, sei er sehr berührt gewesen. "Ich finde, man muss sich dieser Frage gerade als Deutscher – und ich fühle mich sehr als Deutscher – stellen: Was ist das, was mich da berührt?."

Die Kritik des Zentralrates der Juden habe ihn sehr getroffen, sagte Metzmacher. Er habe bereits einen Brief an den Zentralrat geschrieben, in welchem er versuche, die Situation zu erklären. "Ich möchte auch gern ins Gespräch kommen mit dem Zentralrat der Juden, weil ich glaube, dass es da auch ein Missverständnis gibt."


Das gesamte Gespräch mit Ingo Metzmacher können Sie bis zum 4.3.2009 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören MP3-Audio