Sonntag, 1. Februar 2015MEZ06:42 Uhr

Buchkritik

"Anders" von Andreas SteinhöfelAmnesie als Befreiung
Der Autor Andreas Steinhöfel hält am 11.10.2013 auf der Buchmesse in Frankfurt am Main bei der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2013 seine Trophäe hoch.  (picture-alliance / dpa / Arne Dedert)

Um die 20 Kinder- und Jugendbücher hat Andreas Steinhöfel geschrieben - und alle wichtigen Preise abgeräumt. Sein neuer Roman handelt von einem elfjährigen Jungen, der sein Gedächtnis verloren hat: eine gelungene Gratwanderung zwischen Magie und Alltag.Mehr

ErnährungDie Welt satt bekommen
Ein Mann schiebt sich einen Dominowürfel mit Grille (picture alliance / dpa)

Die Weltbevölkerung wird bis 2050 auf fast zehn Milliarden Menschen anwachsen. Um sie zu ernähren, müssen neue Wege der Lebensmittelproduktion gefunden werden. Gegrillte Raupen und Maden könnten daher bald auch hierzulande auf die Teller kommen.Mehr

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Literatur

"Max und Moritz" wird 150Rache tut not!
Das erste Bild der sieben Streiche von Max und Moritz, erdacht und gezeichnet von Wilhelm Busch, aufgenommen am 11.09.2014 in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen (Nordrhein-Westfalen). Die Ausstellung "Streich auf Streich" "150 Jahre deutschsprachige Comics seit Max und Moritz". (picture alliance / dpa / Roland Weihrauch)

Wilhelm Busch ist der "große deutsche Humorist". Seine Bildergeschichten sind zum Hausschatz von uns Deutschen geworden, allen voran "Max und Moritz". Eine Exkursion durch seinen Dschungel der Grausamkeiten in sieben Streichen. Mehr

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.10.2012

Menschsein im Angesicht der Maschine

Oliver Bendel: "Die Rache der Nerds", UVK Verlagsgesellschaft Konstanz 2012, 296 Seiten

"Die Rache der Nerds" erläutert heiter, wie sich die Gesellschaft durch die zunehmende Vernetzung verändert. (Stock.XCHNG / Teak Sato)
"Die Rache der Nerds" erläutert heiter, wie sich die Gesellschaft durch die zunehmende Vernetzung verändert. (Stock.XCHNG / Teak Sato)

"Nerds" waren diese blassen Menschen, die sich hinter ihren Computern versteckten. Heute ist unsere Welt so computerisiert, dass fast jeder ein kleiner Nerd ist. Unser Umgang, unsere Ethik hat mit dieser Entwicklung aber nicht Schritt gehalten. Etwas, das geändert werden muss, meint Bendel.

Viele Menschen sind heute wie selbstverständlich rund um die Uhr online. Sie geben viel Geld für neue Gadgets aus, nutzen intensiv soziale Netzwerke und sind online vernetzt. Was früher eindeutig ein Privileg der Nerds war, von Menschen, die sich intensiv und leidenschaftlich mit Computern beschäftigen, ist längst zu einem Massenphänomen geworden. Heute steckt in jedem vom uns ein kleiner Nerd.

"Die Rache der Nerds" erläutert heiter, wie sich die Gesellschaft durch die zunehmende Vernetzung verändert – und zeigt, wie Insider die Fäden in den Händen halten. Es sind Menschen wie Mark Zuckerberg, die mit ihrem Spezialwissen und Ideen nicht nur einflussreich sind, sondern mitunter auch reich werden. Und weil das Internet so großen Einfluss auf die Gesellschaft hat, plädiert Oliver Bendel, der an der Hochschule für Wirtschaft in Basel lehrt, für mehr Informationsethik, auch und besonders im Studienfach Wirtschaftsinformatik.

Oliver Bendel erläutert in seinem Buch konkret und gleichzeitig unterhaltsam, wie so eine Informationsethik aussehen könnte. Was tun wir in unserer hochtechnisierten Welt, in moralischer Hinsicht, und was wollen und sollten wir tun? Wichtige Fragen, die sich jeder stellen sollte. Was ist mit unserem Menschsein in Angesicht der Maschine? Der Autor stellt nicht nur Fragen, sondern liefert auch konkret Antworten, teilweise auch Lösungen für jeden einzelnen. Oliver Bendel ruft die Leser aber auch ganz konkret dazu auf, weiter nachzudenken – und so ihren Teil zu einer lebenswerten Informationsgesellschaft beizutragen.

Die Moral der Hacker, die digitale Unterschrift, die Sklaven der Nerds, die Möglichkeiten der Schwarmintelligenz, das Problem mit Plagiaten und Copy and Paste, die zunehmende Kontrolle im Netz: Oliver Bendel greift viele aktuelle Themen auf, liefert wichtige Hintergrundinfos, gewürzt mit eigenen Ansichten und regt zum Nachdenken an. Wer sich für die Onlinewelt interessiert, liest das Buch mit Gewinn, versteht Zusammenhänge und entwickelt eine eigene Meinung – und wird auch noch gut unterhalten, denn der Stil des Buchs ist locker, nicht belehrend. Angenehm.

Eine schöne Idee: Schlagwörter sind im Buch und im Schlagwortregister am Ende des Buchs mit einem QR-Code versehen. Wer den mit seinem Smartphone oder Tablet einscannt, wird auf ein Glossar im Web verlinkt. Hier gibt es noch mehr Infos dazu – über das Buch hinaus. Nerdig? Nein: Praktisch!

Besprochen von Jörg Schieb

Oliver Bendel: "Die Rache der Nerds"
UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2012
296 Seiten, 19,99 Euro