Montag, 1. September 2014MESZ13:36 Uhr

Buchkritik

Zweiter WeltkriegKriegsinferno ganz nah
Der Autor und Historiker Antony Beevor, aufgenommen 2010 in Helsinki.

Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen begann vor 75 Jahren der Zweite Weltkrieg. Der Historiker Antony Beevor entwirft in seinem 1000-Seiten-Buch nun ein gewaltiges Panorama jener Zeit - das mit seiner Wucht ebenso beeindruckt wie mit seiner Akribie.Mehr

RomanRobinsonade auf Hiddensee
Lutz Seiler, deutscher Schriftsteller, Ingeborg-Bachmann-Preistraeger 2007. Aufgenommen am 08.10.2010 in Frankfurt

Inselabenteuer in der Ostsee, die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft. Das lang erwartete Romandebüt "Kruso" von Lutz Seiler ist eine grandiose sprachliche Exkursion in das ungesicherte Gelände verschiedener Zeitschichten.Mehr

Wiener KongressMächtige Frauen im Hintergrund
Der österreichische Staatsmann versuchte durch Kongreßdiplomatie, die vorrevolutionäre politische und soziale Ordnung in Europa wiederherzustellen. Er bekämpfte alle liberalen und revolutionären Bewegungen. Klemens Wenzel Fürst von Metternich wurde am 15. Mai 1773 in Koblenz geboren und ist am 11. Juni 1859 in Wien gestorben. Die zeitgenössische Darstellung zeigt stehend (l-r): Wellington, Lobo da Silveira, Saldanha da Gama, Löwenhjelm, Noailles, Metternich, La Tour du Pin, Nesselrode, Dalberg, Rasumofsky, Stewart, Clancarty, Wacken, Gentz, Humbold, Cathcart sowie sitzend (l-r): Hardenberg, Palmella, Castlereagh, Wessenberg, Labrador, Talleyrand und Stackelberg.

Prunkvolle Empfänge, exklusive Soiréen, informelle Gespräche. Die Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch stellt spannend und detailliert dar, wie gebildete und kluge Frauen vor 200 Jahren den Wiener Kongress beeinflussten.Mehr

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Literatur

TagebuchLiebhaber des Halbschattens
Der Mailänder Dom

Als patriotisch gesinnter Student aus Mailand zieht Carlo Emilio Gadda 1914 in den Krieg und wird Schriftsteller. Erstmals erscheinen nun seine Kriegserinnerungen in Deutschland.Mehr

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 28.10.2012

Menschsein im Angesicht der Maschine

Oliver Bendel: "Die Rache der Nerds", UVK Verlagsgesellschaft Konstanz 2012, 296 Seiten

"Die Rache der Nerds" erläutert heiter, wie sich die Gesellschaft durch die zunehmende Vernetzung verändert.
"Die Rache der Nerds" erläutert heiter, wie sich die Gesellschaft durch die zunehmende Vernetzung verändert. (Stock.XCHNG / Teak Sato)

"Nerds" waren diese blassen Menschen, die sich hinter ihren Computern versteckten. Heute ist unsere Welt so computerisiert, dass fast jeder ein kleiner Nerd ist. Unser Umgang, unsere Ethik hat mit dieser Entwicklung aber nicht Schritt gehalten. Etwas, das geändert werden muss, meint Bendel.

Viele Menschen sind heute wie selbstverständlich rund um die Uhr online. Sie geben viel Geld für neue Gadgets aus, nutzen intensiv soziale Netzwerke und sind online vernetzt. Was früher eindeutig ein Privileg der Nerds war, von Menschen, die sich intensiv und leidenschaftlich mit Computern beschäftigen, ist längst zu einem Massenphänomen geworden. Heute steckt in jedem vom uns ein kleiner Nerd.

"Die Rache der Nerds" erläutert heiter, wie sich die Gesellschaft durch die zunehmende Vernetzung verändert – und zeigt, wie Insider die Fäden in den Händen halten. Es sind Menschen wie Mark Zuckerberg, die mit ihrem Spezialwissen und Ideen nicht nur einflussreich sind, sondern mitunter auch reich werden. Und weil das Internet so großen Einfluss auf die Gesellschaft hat, plädiert Oliver Bendel, der an der Hochschule für Wirtschaft in Basel lehrt, für mehr Informationsethik, auch und besonders im Studienfach Wirtschaftsinformatik.

Oliver Bendel erläutert in seinem Buch konkret und gleichzeitig unterhaltsam, wie so eine Informationsethik aussehen könnte. Was tun wir in unserer hochtechnisierten Welt, in moralischer Hinsicht, und was wollen und sollten wir tun? Wichtige Fragen, die sich jeder stellen sollte. Was ist mit unserem Menschsein in Angesicht der Maschine? Der Autor stellt nicht nur Fragen, sondern liefert auch konkret Antworten, teilweise auch Lösungen für jeden einzelnen. Oliver Bendel ruft die Leser aber auch ganz konkret dazu auf, weiter nachzudenken – und so ihren Teil zu einer lebenswerten Informationsgesellschaft beizutragen.

Die Moral der Hacker, die digitale Unterschrift, die Sklaven der Nerds, die Möglichkeiten der Schwarmintelligenz, das Problem mit Plagiaten und Copy and Paste, die zunehmende Kontrolle im Netz: Oliver Bendel greift viele aktuelle Themen auf, liefert wichtige Hintergrundinfos, gewürzt mit eigenen Ansichten und regt zum Nachdenken an. Wer sich für die Onlinewelt interessiert, liest das Buch mit Gewinn, versteht Zusammenhänge und entwickelt eine eigene Meinung – und wird auch noch gut unterhalten, denn der Stil des Buchs ist locker, nicht belehrend. Angenehm.

Eine schöne Idee: Schlagwörter sind im Buch und im Schlagwortregister am Ende des Buchs mit einem QR-Code versehen. Wer den mit seinem Smartphone oder Tablet einscannt, wird auf ein Glossar im Web verlinkt. Hier gibt es noch mehr Infos dazu – über das Buch hinaus. Nerdig? Nein: Praktisch!

Besprochen von Jörg Schieb

Oliver Bendel: "Die Rache der Nerds"
UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2012
296 Seiten, 19,99 Euro