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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 22.08.2013

Mekka der Computerspieler

Neue Spiele und Konsolen auf der Gamescom in Köln

Von Marcus Richter

Acht von zehn Deutschen zwischen 14 und 29 Jahren sind Computerspieler. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Acht von zehn Deutschen zwischen 14 und 29 Jahren sind Computerspieler. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In allen Altersgruppen wächst der Anteil an Computerspielern. Entsprechend groß ist auch der Andrang auf der Gamescom in Köln, Deutschlands größter Spielemesse. Dieses Jahr gibt es dort auch zwei neue Konsolen zu bestaunen: Microsoft und Sony stellen ihre Entwicklungen vor.

Die Kölner Messehallen sind zur Gamescom auch dieses Jahr wieder gut gefüllt. An den Seitenwänden der riesigen Bühnen prangen überlebensgroße fantastische Figuren, dazwischen dicht an dicht Menschen. Wer dieses Gedränge und die manchmal stundenlangen Wartezeiten an den Ständen in Kauf nimmt, tut dies, weil es nur hier die Chance gibt, schon jetzt die Spiele auszuprobieren, die erst im Laufe des nächsten Jahres erscheinen.

Zu sehen gibt es vor allem: Fortsetzungen. Insbesondere von Action- und Sportspielen, die schon seit Jahren Millionenbestseller sind. Daneben mehr oder weniger exotische Onlinerollenspiele und auch der eine oder andere Versuch, mithilfe des Mediums Computerspiel eine spannende Geschichte zu erzählen oder ein neues Spielerlebnis zu ermöglichen.

Die Bühnen der Hersteller erinnern an Schlachtschiffe, bunte Lichter stechen wie Laserlanzen durch den Nebel, der Lärm, der durch die Hallen tost, ist der Kanonendonner. Und tatsächlich findet auf dieser Gamescom ein Kampf statt. Der Kampf der Giganten Microsoft und Sony auf dem Konsolenmarkt: XBox One gegen Playstation 4 - die Spielehardware der nächsten Generation, die noch dieses Jahr erscheinen soll.

Auch in den USA wird die Messe mit Spannung beobachtet

Die Gamescom findet in Köln statt, aber wird auch in den USA mit Spannung beobachtet, wie hier beim großen Spielemagazin IGN - die Messe hat mittlerweile internationale Bedeutung. Aber natürlich freuen sich auch die deutschen Spieler, denn zum erstem Mal werden die neuen Spielekonsolen einem breiten Publikum präsentiert. Bis jetzt gab es hierzulande nur Ankündigungen - und da war Microsoft klarer Verlierer.

Es gab viele Gründe: Die Firma wollte den Kauf von Gebrauchtspielen unterbinden, einen Onlinezwang einführen, keine unabhängigen Spieleentwickler zulassen und Kamera und Mikrofon der Konsole stets lauschbereit im Wohnzimmer der Nutzer haben. Nach lautstarken Protesten nahm Microsoft nach und nach alle Ideen zurück.

Auf der Gamescom selbst hielt sich die Firma bedeckt: kein großes Presseevent, wie das sonst üblich ist, nur ein paar Ankündigungen. Man werde ebenfalls kleine Spieleentwickler unterstützen und der XBox One bei Erscheinen das bekannte und beliebte Fußballspiel FIFA gratis beilegen.

FIFA-14-Trailer: "Fußball ist mehr als nur ein Spiel. Ein Moment kann entscheiden zwischen Tränen, Trauer und Triumph."

Die XBox One und die passenden Spiele sind teuer

Wirklich beeindruckend ist das Angebot allerdings nicht, ist doch die XBox One mit einem Preis von 499 Euro rund 100 Euro teurer angekündigt als die Playstation 4. Ein Spiel kostet meist um die 60 Euro. Beste Voraussetzungen für Sony. Andrew House, der Chef von Sony Computer Entertainment, nutzte die Gelegenheit für einen Seitenhieb auf den Konkurrenten:

"Während andere ihre Botschaften immer wieder veränderten, haben wir an stets an unserem Modell festgehalten, das fair ist und den Kunden gibt, was sie wollen."

Natürlich geht es auch Sony hauptsächlich darum, ein Produkt zu verkaufen - aber dafür stehen die Karten derzeit gut. Sicher - die Angebote an Spielen sind recht ähnlich, etwaige Vorteile der Hardware sind vor allem theoretischer Natur und bei beiden Konsolen gibt es eine reichhaltige Einbettung von Videostreaming- und Social-Media-Diensten. Sony setzt auf ein weiteres Verkaufsargument, wie Mark Cerny ankündigte: Innovative Spiele von kleinen unabhängigen Entwicklern.

"Wir wollen die Indie-Teams zum Start der Playstation 4 noch sichtbarer präsentieren. Es wird für Entwickler möglich sein, die komplette kreative und finanzielle Kontrolle zu behalten."

Im Gegensatz zu Microsoft hat Sony von Anfang an klargemacht, dass auch die kleinen Spielefirmen und einzelne Autoren auf der Playstation 4 ihre Titel veröffentlichen können. Schon vor dem Start der Konsole gibt es deshalb ein beachtliches Portfolio an sogenannten Indie-Spielen.

Unabhängige Entwickler dürfen auf der Playstation veröffentlichen

Titel wie Hotline Miami 2, Luftrausers oder Everybody has gone to the Rapture kommen von Teams wie Dennaton Games, Vlambeer und The Chinese Room - alles aufsteigende Entwickler, die sich in den letzten Jahren in der Szene einen Namen gemacht haben. Sony hat alle wichtigen Stars abseits der Mainstreamblockbuster versammelt - und sich damit zumindest in der Gunst der Kritiker einen guten Vorsprung verschafft. Was tatsächlich passiert, wird sich Ende des Jahres herausstellen, wenn beide Konsolen rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen sollen.

Eines ist aber jetzt schon klar: Kleine unabhängige Spieleentwickler - die sogenannten Indies eben - sind die Gewinner des Konsolenstreits, denn sie werden von beiden Firmen hofiert. Auch wenn Wolf Lang vom Hamburger Indie-Entwickler Threaks die Ankündigung etwas skeptisch betrachtet:

"Generell ist es halt so, dass vor allem Firmen wie Sony und Microsoft das Thema Indie als PR-Mechanismus benutzen. Aber dass man wirklich aktiv Hilfe von den großen Firmen kriegt, würde ich nur teilweise sagen. Generell hilft sich die Indie-Szene doch am meisten selbst."

Für die Gamescom 2013 haben sich zum Beispiel verschiedene Indie-Firmen zusammengeschlossen und gemeinsam einen der teuren Messestandplätze gemietet. So können die kleinen, unabhängigen Entwickler ihre Werke der Öffentlichkeit anbieten - direkt neben Branchengrößen wie Nintendo oder Bethesda. Auf der Gamescom ist das eine Neuheit. Eine längst überfällige, findet Wolf Lang, für den Indie-Spiele und Mainstreamtitel untrennbar miteinander verbunden sind:

"Ich denke dass die Indie-Games-Kultur eine Menge dazu beigetragen hat. Wenn man sich das Game-Design technisch ansieht, da ist hin und wieder mal eine Inspiration, wo doch gelernt wurde, aus Spielmechaniken oder adaptiert wurde und das macht dann natürlich wahnsinnig stolz."

Und ist vielleicht auch der Grund dafür, dass sich das Verhältnis zwischen großen Spielefirmen und kleinen Entwicklern weiter verbessern wird. Auch Indie-Entwickler Wolf Lang beobachtet den Konflikt um die kommende Konsolengeneration. Entscheiden will er sich aber nicht. Sony hat bei ihm zwar den besseren Ruf als Microsoft - entwickelt werden soll aber für beide Spielekonsolen.


Service:
Bis zum Sonntag ist die Gamescom in Köln noch geöffnet. Auch in unserer Netzkultur- und Mediensendung Breitband werden wir uns am Samstag ab 14:05 Uhr noch einmal ausführlich mit der Gamescom und ihrem Einfluss auf die Spielekultur und Medien beschäftigen.

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