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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.01.2016

Meier, Merkel, MutterWas verraten uns unsere Namen?

Gast: Prof. Dr. Jürgen Udolph, Namensforscher / Moderation: Gisela Steinhauer

Klingelschilder am Eingang zu einem der Wohnhochhäuser in Köln-Chorweiler am 24.11.2006. (picture-alliance/ dpa / Oliver Berg)
Die meisten Menschen wissen nicht, woher ihr Name stammt. (picture-alliance/ dpa / Oliver Berg)

Ungefähr eine Million verschiedene Familiennamen gibt es allein in Deutschland. Welche Bedeutung sie haben und woher sie kommen, kann wohl niemand besser beantworten als er: Der Namensforscher Jürgen Udolph freut sich auf die Fragen der Hörer.

Jeder Mensch hat einen Namen – doch nur die wenigsten wissen, welche Bedeutung er hat und woher er stammt. Jürgen Udolph könnte ihnen helfen. Er ist der unangefochtene "Herr der Namen". Seit über 40 Jahren beschäftigt sich der Professor für Onomastik mit diesem schier unerschöpflichen Thema. Auch nach seiner Emeritierung an der Universität in Leipzig im Jahr 2008 forschte er weiter und gründete 2011 das Zentrum für Namenforschung - ebenfalls in Leipzig. Dort gibt er Ratsuchenden ebenso Auskunft wie in seinen beliebten Radio- und Fernsehsendungen und auf Facebook. Und heute bei "Im Gespräch"!

Was verraten uns unsere Namen?

"Namen sind keineswegs nur Schall und Rauch, sondern Zeugen der Geschichte",

sagt der Namenforscher. Sie alle könnten zurückgeführt werden auf ihre Herkunft:

"Insgesamt sind es vier Gruppen: Alte Vornamen, zum Beispiel 'Werner' ist Vor- und Nachname; die zweite Gruppe sind Berufe, Schneider, Metzger. Die dritte Gruppe sind Herkunftsnamen oder Ortsnamen: Herr Merseburger kommt aus Merseburg, Herr Althaus aus einem alten Haus, Herr Brückner wohnt an einer Brücke. Die vierte Gruppe sind die Übernamen, die etwas über eine Person aussagen: Breitkreuz zum Beispiel, oder Groß - eben der Große."

In Deutschland gibt es circa eine Million verschiedene Familiennamen, die unterschiedlich häufig vertreten sind. Neben den häufigsten – wie Müller und Schmidt – gibt es auch Raritäten:

"Es mag unglaublich klingen, aber für rund 530.000 Namen gibt es nur einen Eintrag."

Einwanderer schaffen Stoff zum Forschen

Namen sterben aus, weil es zu wenige Geburten gibt; gleichzeitig kommen mit den Einwanderern neue Namen hinzu – die Jürgen Udolph dann wieder erforschen kann. Die Basis für seine Recherchen bilden der Deutsche Familiennamenatlas und eine Telefonbuch-CD von Deutschland mit 35 Millionen Einträgen. Hinzu kommen zahlreiche alte Nachschlagewerke, Karten mit historischen Orts- und Gewässernamen – und die Online-Datenbank der Mormonen, in der drei Milliarden Personendaten verzeichnet sind.

Udolph beherrscht Slawisch und Germanisch, auch das hilft ihm bei der Suche. Er selbst trägt einen besonderen Namen:

"Uralter Name, tolle Geschichte: Der Name ist germanischen Ursprungs, diese Namen sind 1500 Jahre alt und älter. Mein Name besteht aus Od, das heißt Besitz oder Eigentum – man denke an das Kleinod, und hinten ist der Wolf. Also: Od-Wolf. Das eigentlich Spannende aber: Wir kennen die Namen der Vorfahren von dem Gotenkönig Theoderich. Und unter dessen Ahnen ist Odulf belegt, vor ca. 1600 Jahren!"

Meier, Merkel, Mutter – Was verraten uns unsere Namen?

Jürgen Udolph wird es uns erzählen – heute ist er von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr zu Gast bei Gisela Steinhauer. Und er freut sich auf die Fragen der Hörerinnen und Hörer. Sie können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradio.de – und auf Facebook und Twitter.

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(Deutschlandradio Kultur, Länderreport, 06.02.2014)

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