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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 16.06.2012

Mehr als Superstars - Was ist gute Musik?

Gäste: Prof. Dr. Udo Dahmen, Künstlerischer Direktor der Popakademie Baden-Württemberg und Alban Gerhardt, Cellist

Moderation: Dieter Kassel

Der "Tage der Musik" ist das größte Musikfest Deutschlands.
Der "Tage der Musik" ist das größte Musikfest Deutschlands. (picture alliance / dpa /Jens Kalaene)

Die professionelle Orchesterlandschaft in Deutschland ist in ihrer Dichte und Vielfalt einzigartig, schätzungsweise sieben Millionen Laien widmen sich zudem in ihrer Freizeit der Musik, in Orchestern, Bands oder Chören. Daran erinnert der "Tag der Musik", das größte Musikfest Deutschlands, das vom 15. bis 17.Juni bundesweit stattfindet.

Und er mahnt, Musik nicht als schöne Beigabe zu betrachten, die man kürzen kann, wenn der Rotstift geschwungen werden muss. Doch was macht gute Musik aus, und werden hierzulande die Gelder für die Musikförderung auch richtig verteilt? Muss die Musik überhaupt mit Steuergeldern subventioniert werden?

"Musik ist eine gesellschaftliche Aufgabe - und das gilt für alle Bereiche der Musik","

sagt Udo Dahmen, der Vizepräsident des Deutschen Musikrates, der den "Tag der Musik" veranstaltet. Der ehemalige Schlagzeuger ist auch künstlerischer Direktor der Popakademie Baden-Württemberg, in der seit 2003 Musiker ausgebildet werden. Er mahnt, die Trennung zwischen "E"- und "U" -Musik aufzuheben und auch die Fördermilliarden gerechter zu vergeben. Nicht nur die Klassik sei ein "kulturelles Erbe". Pop- und Rockkonzerte lockten Millionen von Fans, generationsübergreifend: "Popmusik ist mittlerweile ein Drei-Generationen-Projekt."

Raus aus den Konzertsälen, hinein ins Leben - lautet das Motto des Cellisten Alban Gerhardt:

""Es ist ein bisschen faul, wenn wir uns einfach nur hinter unserem Instrument verstecken und in Konzertsälen, wo die ein, zwei Prozent, die glauben, klassische Musik zu mögen, uns hören können, wir aber von allen bezahlt werden."

Am 8. Mai sorgte er mit seinem Projekt "Bach im Bahnhof" für Schlagzeilen: Mitten auf dem Bahnsteig des Berliner Hauptbahnhofs spielte er einen Tag lang alle Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach, umtost vom Lärm der Züge und gefeiert von begeisterten Passanten.

Seine Überzeugung: "Wenn jemand zuhört, passt Musik überall hin".

Und so spielt er auch schon mal in einem Fitnessstudio, einem Krankenhaus oder einem Supermarkt. Der international gefragte Solist will damit auch alte Hör- und Konzertgewohnheiten aufbrechen und so die klassische Musik auch jüngeren Hörern eröffnen. Deshalb engagiert er sich auch bei dem Projekt "Rhapsody in School", das renommierte Musiker an Schulen vermittelt. "Ich behandele sie als völlig gleichberechtigt und zeige ihnen, dass Musik etwas Großartiges ist, nichts Verkopftes." Er will die Kinder sinnlich packen und ihnen etwas vermitteln, was angesichts der Reizüberflutung immer mehr verloren gehe: "Hören lernen, Musik zu hören, hilft, anderen zuzuhören."

Sein Ziel: "Mir geht es darum, das Glück zu vermitteln, das es mir gebracht hat, ein Instrument zu lernen, als ich klein war."

"Mehr als Superstars - Was ist gute Musik?"

Darüber diskutiert Dieter Kassel heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Udo Dahmen und Alban Gerhardt. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Informationen im Internet:
Über Alban Gerhardt
Über die Popakademie Baden-Württemberg
Über den Tag der Musik
Über Rhapsody in School