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Buchkritik

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 18.01.2009

Medizinisches Nachschlagewerk

Dietrich Grönemeyer: "Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit", Rowohlt Verlag 2008, 608 Seiten

Medikamente und Pflegeartikel am Bett eines Patienten
Medikamente und Pflegeartikel am Bett eines Patienten (AP)

Er gilt als "Deutschlands bekanntester Arzt": Dietrich Grönemeyer, Professor für Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke und Bruder des nicht minder berühmten Sängers Herbert Grönemeyer. Um das allgemeine Wissen über medizinische Zusammenhänge zu vermehren, veröffentlicht der Arzt regelmäßig populärmedizinische Werke - das jüngste heißt "Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit".

Im Jahr 2006 wurde in den USA eine Studie über das medizinische Basiswissen in der Bevölkerung veröffentlicht. Ergebnis: 36 Prozent aller US-Bürger waren nicht in der Lage, einfache medizinische Erklärungen ihres Arztes zu begreifen. Sie verstanden die Hinweise zur Medikamenteneinnahme nicht und fühlten sich dem Verwaltungsapparat des Gesundheitswesens nicht gewachsen. In Deutschland sähe es nicht viel anders aus - das vermutet "Deutschland bekanntester Arzt", Professor Dietrich Grönemeyer, in seinem neuen "Hausbuch der Gesundheit". Auf gut 600 Seiten tritt er an, solchen Wissensmangel zu beheben. Wie man ihn aus Funk und Fernsehen kennt, steht Grönemeyer für einen ganzheitlichen Ansatz: Schulmedizin, komplementärmedizinische Verfahren und der gute Rat des Professors gehen in seinem Nachschlagewerk Hand in Hand.

Schon in der Einleitung macht der Inhaber des Lehrstuhls für Radiologie und Mikrotherapie der Universität Witten/Herdecke kein Geheimnis daraus: Er wünscht den mündigen Patienten, der seinem Arzt gleichberechtigt gegenüber tritt, aber auch Selbstverantwortung für seine Gesundheit oder den Verlauf einer Krankheit übernimmt. Der gesamte erste Teil des Buches ist dem Thema "Gesund Leben" gewidmet. Um Ernährung, Bewegung und "gelebte Verantwortung" geht es hier. Mit Mut zum Text verzichtet das Buch darauf, seine Leserinnen und Leser mit einem Übermaß an bunten Abbildungen zu becircen: Grönemeyer möchte informieren und bringt erstaunlich viele Sachhinweise dicht und verständlich in seinen Kapiteln unter. Auf dem Stand des medizinischen Wissens wird dargestellt, warum sich regelmäßige Ausdauersportarten förderlich auf den Bewegungsapparat auswirken, welche Trainingsintensität und -dauer ärztlich sinnvoll erscheinen, wie richtiges Auf- und Abwärmen aussehen sollten. Laufen hilft gegen Stress - das tun auch Taiji, Qigong, Yoga und Meditation. Frei von ideologischen Scheuklappen stellt der Autor einige Übungen vor und erläutert sachlich ihre Wirkweise - auf die üblichen süßlichen Bilder mit Räucherstäbchen-Optik kann da getrost verzichtet werden.

Der Hauptteil des Buches widmet sich den großen Volkskrankheiten - von Herz-, Kreislauf- und Gefäßkrankheiten über Erkrankungen der Wirbelsäule und des Bewegungsapparates bis hin zu Hormonfunktionen und Hautproblemen. Grönemeyers Fokus liegt grundsätzlich auf solchen Themen und Fragen, die der Patient mit dem Hausarzt besprechen kann - was zum Facharzt gehört, wie Tumorerkrankungen, Kinderkrankheiten und Schwangerschaften, bleibt außen vor. Jedes Thema wird mit ausführlichen allgemeinen Erläuterungen begonnen. So erfährt man im Kapitel über Herz-, Kreislauf- und Gefäßkrankheiten, wie ein gesundes Herz arbeitet, welche Arten von Blutgefäßen es im Körper gibt, worin die Aufgabe des Blutes besteht oder welche Parameter einen funktionstüchtigen Blutkreislauf aufrecht erhalten. Ein Symbol- und Farbleitsystem durchzieht das gesamte Buch und erleichtert die Orientierung. So weist ein stilisiertes Mikroskop am Seitenrand auf technische Informationen hin: Wie funktioniert eine Blutdruckmessung? Was leistet ein Sonographiegerät? Welche Informationen liefert eine Angiographie? Das Symbol einer Spritze am Seitenrand zeigt an, dass hier Informationen über Therapien und Medikamente zu erwarten sind. Der Äskulapstab signalisiert Hinweise auf Hausmittel und Möglichkeiten zur Selbsthilfe: Bei erhöhtem Blutdruck empfiehlt es sich zum Beispiel, den Kochsalzverbrauch umgehend zu senken und Übergewicht abzubauen. Grün unterlegte Textkästen bieten Hintergrundwissen - was ist der Unterschied zwischen einer systolischen und einer diastolischen Herzschwäche? Und in blau unterlegten Textkästen meldet sich der Professor mit einem kleinen Porträtbild noch einmal ganz persönlich zu Wort, mit Rat und auch Kritik: So werden nach Meinung des Radiologen in Deutschland zu viele Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt, die teuer sind und durch die nicht-invasive Schnittbildtechnologie ersetzt werden können. Ein umfangreiches Glossar in Teil 3 und das wichtigste medizinische Basiswissen in Teil 4 - von der Ausstattung einer Hausapotheke bis zu den Grundtechniken der Ersten Hilfe - runden das Buch ab.

Dietrich Grönemeyer hat seinen Ruf als populärster Mediziner Deutschlands zu Recht, das zeigt sein Hausbuch einmal mehr. Angenehm ideologiefrei bewegt er sich durch Schul- und Alternativmedizin, hat Fehlentwicklungen des Gesundheitssystems aufmerksam im Blick, spricht eine warme, verständliche Sprache, ohne sich anzubiedern, entmündigt weder Patienten noch Ärzte: So sieht ein gelungenes Hausbuch der Medizin heute aus.

Rezensiert von Susanne Billig

Dietrich Grönemeyer: Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit
Rowohlt Verlag 2008
608 Seiten, 19,90 Euro