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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 02.02.2015

Medien-AnalyseDie Zeitschrift "INDES" hat populäre Politserien analysiert

Von Martin Hartwig

Kevin Spacey spielt Frank Underwood in der US-TV-Serie "House of Cards". (picture-alliance / dpa / Melinda Sue Gordon)
Kevin Spacey spielt Frank Underwood in der US-TV-Serie "House of Cards". (picture-alliance / dpa / Melinda Sue Gordon)

"House of Cards", "The Wire", "Homeland": Wieviel Politik steckt in den Kultserien? Die Zeitschrift für Politik und Gesellschaft "INDES" widmet sich dieser Frage in ihrer kompletten aktuellen Ausgabe: eine zum Teil recht originelle wissenschaftliche Analyse.

"Man könnte … davon sprechen, dass der Vorspann auf der Ebene der Montage im Sinne einer paranoiden Fokalisierung nachvollzieht, wovon er inhaltlich erzählt: Von einer Verschaltung der medial aufgezeichneten und zugleich neu produzierten Terrorgefahr mit einer Rezeptionshaltung, die eine spezifische, katastrophische Somatizität und Subjektivität erzeugt."

Lars Koch, Professor an der TU Dresden packt gleich den ganzen wissenschaftlichen Werkzeugkasten aus, um der US Serie "Homeland" zu Leibe zu rücken.

Die tiefere Bedeutung der US-Serie "Homeland"

"Homeland" – da geht es um die Geschichte des zum Islam konvertierten und scheinbar ins andere Lager übergelaufenen Soldaten Brody. Lars Koch zeigt, wie sich die Story als komplexe symbolische Praxis der US-Gesellschaft lesen lässt, sich über ihre Bedrohung über ihre Angst und ihre Angststörungen zu verständigen.

"Als eine Technik, die versucht durch das Erzählen von Geschichten Kohärenz und normative Orientierung zu stiften."

"You’re the smartest and the dumbest person I’ve ever known." (O-Ton aus "Homeland")

Keine einfache Kost und hier und da hätte der Medienwissenschaftler das sicher schlanker machen können. Die anderen Beiträge sind deutlich zugänglicher und lösen damit den Anspruch der Macher von "INDES" ein, Bindeglied zwischen wissenschaftlichem Diskurs und journalistischer Betrachtung zu sein.

Fast ausschließlich US-Produkte

"House of Cards", "The Wire", "The West Wing", "Homeland" und "Game of Thrones": Das Heft diskutiert vor allem die üblichen Verdächtigen, die Reihen die seit einer Weile das Feuilleton beschäftigen und die einem liberalen "eigentlich-schaue-ich-ja-kein-Fernsehen"-Publikum als Quality TV gilt - man guckt ja gern Originalversionen.

"Welcome to Washington!" (O-Ton: Frank Underwood in "House Of Cards")

"Politikserien" haben die Herausgeber des Göttinger Instituts für Demokratieforschung das Heft genannt, amerikanische Politikserien wäre besser gewesen, denn außer der dänischen Erfolgsreihe "Borgen" verhandeln die zwölf Beiträge fast ausschließlich US-Produkte.

"Ladies and Gentleman, the President of the United States …" (O-Ton aus "West Wing")

Seifenoper oder Qualität?

Doch das ist ja immer noch interessant genug. Den Auftakt zum Themenheft bildet ein längeres Gelehrtengespräch über die Affinität zwischen dem seriellen Erzählen und dem Thema Politik. Es ordnet die populären Serien in die Fernsehgeschichte ein und erklärt, was an der Quality wirklich neue Qualität ist, was nur die Anmutung davon und was auch einfach nur Seifenoper – in dem Fall halt mit grauhaarigen Männern, dicken Teppichen und cremefarbenen Möbeln.

"Präsident Schwarzenegger!" – "Des bin I." – "Wir haben eine Krise in Springfield!" (O-Ton aus "The Simpsons")

Auch die "Simpsons", eine der ältesten und erfolgreichsten Fernsehserien überhaupt, werden auf ihren politischen Gehalt hin untersucht und der ist, wie glaubhaft nachgewiesen wird, gar nicht mal gering.

Deng Xiaoping und der Oberintrigant Frank Underwood

Einer der originellsten Beiträge des Heftes beschäftigt sich damit wie "House of Cards" in China aufgenommen wird, warum sich die USA und China immer ähnlicher werden - die USA immer sozialistischer, China immer kapitalistischer - und was Deng Xiaoping und der Oberintrigant Frank Underwood von "House of Cards" gemeinsam haben.

"Democracy is so overrated." (O-Ton: Frank Underwood in "House Of Cards")

Wirkliche Empfehlungen, was man jetzt gucken soll, wenn auf der Suche nach Polittainment ist, findet man im Heft kaum, aber es lohnt sich unbedingt parallel zum Lesen immer mal bei YouTube reinzuschauen. Am Rande werden viele Serien erwähnt, die man hier nicht oder noch nicht kennt. Und irgendwie bekommt man Lust auf einen Samstagnachmittag vor der Glotze, vielleicht bei einer Staffel "West Wing".

Mehr zum Thema:

US-Serien - Nachschub für Serien-Junkies
(Deutschlandradio Kultur, Netscout, 12.04.2014)

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