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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 07.12.2006

Markige Männer

Aus dem Innenleben der Hamburger Sicherheitsdienste

Von Sabine Eichhorst

Ein Gewerbeschein reicht, um eine Wachfirma aufzumachen.  (Stock.XCHNG / andrew parker)
Ein Gewerbeschein reicht, um eine Wachfirma aufzumachen. (Stock.XCHNG / andrew parker)

Männer, die bei der Security arbeiten, leben davon, einzuschüchtern. Als "Sklavenhalterei" bezeichnet der Hamburger SPD-Vorsitzende Mathias Petersen die Arbeitsbedingungen. Nur wenige sind bereit, ihre Arbeit in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Kritik am Auftreten und Vorgehen selbst ernannter Sheriffs war bislang tabu.

Dirk Krause ist ein freundlicher junger Mann mit kurzem Haar, und dass er kräftigt ist, überrascht nicht, schließlich arbeitet er im privaten Sicherheitsgewerbe. An einem Morgen früh um neun öffnet er die Tür zu seinem Reihenhaus. Er kocht grünen Tee und reicht Kekse; seine Hände zittern ein bisschen. Für ihn steht einiges auf dem Spiel.

" Ja, mh… - ich stamm ja auch aus den neuen Bundesländern. Und da ist die Arbeitsmarktlage nicht so berauschend - man hatte halt die Wahl zwischen irgendwelchen Bauberufen, irgendwelchen Tagelöhnerjobs … "

Dirk Krause ist gelernter Fleischer, war anschließend Zeitsoldat, unter anderem in Bosnien-Herzegowina, besuchte drei Monate eine private Sicherheitsschule und fand 1998 einen Job als Geldbote bei der Firma GTG Geld- und Wertdienste GmbH.

" Mein erster Tag? Ich wurde rumgeführt, mir wurde alles gezeigt, mir wurden die Abläufe erklärt, die gepanzerten Spezialfahrzeuge erklärt. Ja, und kurz darauf durfte ich dann auch schon das Fahrzeug besteigen und dann ging es auch schon los. Also gleich der volle Einstieg in die Tätigkeit des Geld- und Wertboten. "

Krause fährt Geld zu Banken, Geldautomaten, Geschäften, er fährt Schmuck, Uhren, Bilder und sogar ausgegrabene Leichenteile für Museen - kurz: alles, was kostbar ist. Er fährt immer mit einem Kollegen. Vertrauen sei wichtig, sagt er, ein gutes Betriebsklima. Die Männer sind, wie Dagobert Duck, umgeben von Millionen ...

" Es bedarf einer langen Gewöhnung, um dann zu sehen, dass man tagtäglich bis zum Hals im Geld steht (lacht) und damit umzugehen. "

Er selbst verdient als Geld- und Wertbote rund zehn Euro pro Stunde.

Der nächste Mann ist eher schmächtig und wirkt ein wenig gehetzt. Er ist gelernter Lebensmitteleinzelhändler und seit zehn Jahren im Wachdienst. Von 2000 bis 2006 hat er bei der Power GmbH gearbeitet, einem führenden Hamburger Sicherheitsunternehmen. Er möchte seinen Namen nicht nennen. Als er sich im Sommer einmal öffentlich über seine Arbeitsbedingungen geäußert hat, trug er eine weiße Maske; wir nennen ihn Michael M. Auch für ihn steht einiges auf dem Spiel.

" Vorwiegend bei der Firma Power habe ich im Revierdienst gearbeitet. Revierdienst heißt mobiler Objektdienst, dass man mit dem Auto am Tag und in der Nacht quer durch Hamburg und Umgebung fährt und die Objekte, in denen keine Personen anwesend sind, kontrolliert und auf scharf schaltet - die Alarmanlage betriebsbereit machen, damit sie übertragen kann. "

Nach zwei Jahren nimmt Michael M. an einer dreitägigen Unterrichtung teil; seine einzige branchenspezifische Ausbildung. Er arbeitet im Schichtdienst, zehn Tage arbeiten, fünf Tage frei, meist nachts, meist allein.

" Gefahren lauern immer überall - meine Devise. Was mir immer gut geholfen hat. Lieber fünf Minuten länger drin sein im Objekt, Sicherheit geht vor. Und dann ab zum nächsten Objekt. In der Nacht liegt das so im Durchschnitt bei 20 bis 30 Kontrollen. "

12 Stunden pro Schicht, 240 Stunden im Monat, sagt Michael M. Das entspricht einer Wochenarbeitszeit von 60 Stunden.

" Im Wach- und Sicherheitsgewerbe ist das so, dass die Stunden das Gehalt bestimmen, und das heißt: Je mehr Stunden man hat, je mehr bekommt man am Monatsende raus. 6.40 der Grundlohn plus 1.05 Euro Revierzulage, da lag man dann bei 7.45 Euro. Im Durchschnitt bei 240 Stunden, bei normalen zwei Sonntagen im Monat brutto lag man um die 2200 … "

Es gibt einen Tarifvertrag, für den wurde Allgemeinverbindlichkeit beantragt, das heißt er wird demnächst nicht nur für die im Arbeitgeberverband organisierten Firmen, sondern für das gesamte Tarifgebiet gelten. Der Vertrag sieht maximal 264 Arbeitsstunden im Monat vor.

Bremme: " In der letzten Woche hat mir sogar ein Kollege davon berichtet, dass er bis zu 340 Stunden, auch als Auszubildender, arbeiten musste. Das gibt einfach ein Schlaglicht darauf, was in dieser Branche los ist. "

Peter Bremme, Leiter des Fachbereichs Besondere Dienstleistungen der Gewerkschaft ver.di.

Bremme: " Es gibt Arbeitgeber, und ich will jetzt einfach mal die Schattenseiten aufzählen: die Azubis einsetzen als normale Wachleute, die keine Ausbildung haben; die werden aber abgerechnet als normale Wachleute, was auch dem Preiskalkül zugute kommt. Es gibt Unternehmen, die bewusst ihren Beschäftigten tarifliche und andere Leistungen vorenthalten und denen auch sehr dreist sagen: Dann klagt doch. Und: Ihr wisst ja, wer zum Gericht geht, fliegt. Es gibt einen unheimlichen Druck auf die Beschäftigten: Vorgesetzte, die zum Teil mit großer militärischer Erfahrung in West und Ost auftreten, sind hier in der Lage, gewisse Praktiken an den Tag zu legen, die man sonst aus dem Arbeitsleben nicht kennt. Mir ist, das kann ich leider nicht beweisen, das möchte ich aber hier mal sagen, nicht öffentlich beweisen: Mir ist glaubwürdig versichert worden, dass auch in diesem Gewerbe – erstmals, soweit ich weiß - Menschen, die in Betriebsräten arbeiten, körperlich drangsaliert wurden, weil sie ihre Mitbestimmungsrechte ausüben wollten. Die sind körperlich angegangen worden von dem Firmeninhaber. "

Interview beim Hamburger Landesvorsitzenden des Branchenverbandes BDWS, Peter Schmidt.

Schmidt: " Ich halte das für erschreckend. Mir sind solche Fälle jetzt aus meinem Geschäft nicht bekannt und aus meinem Umfeld auch nicht. Trotzdem schließe ich nicht aus, dass so etwas vorkommt, das muss ich ganz klar sagen. Auf der anderen Seite behaupte ich auch mal, das ist sicherlich nicht branchentypisch. Wir haben in allen Branchen immer mal wieder Ausreißer, leider Gottes. "

Krause: " Ich kenne kein Unternehmen, das in der Hinsicht ehrlich ist. Es gibt Firmen, die halten sich seit Jahren nicht an Tarifverträge, an verbindliche Tarifverträge. Und wenn es nicht der ganze Tarifvertrag ist, dann gibt es Auszüge - ob das Zuschläge sind wie Überstundenzuschläge, die nicht gezahlt werden, wie auch in unserem Unternehmen, Weihnachtsgelder nicht gezahlt werden, Urlaubsgelder oder Nachtzuschläge … Aber das steht dem Mitarbeiter zu und auch dem Land, die Sozialabgaben, Steuerabgaben. Und es ist ganz klar dann in dem Fall dann Sozialbetrug. Nicht nur, dass die Mitarbeiter beschissen werden, sondern auch das Bundesland beschissen wird. "

Hat Krause Belege für diese Behauptung?

Krause: " Es wird demnächst eine gerichtliche Auseinandersetzung geben, weil ich mit meinem Arbeitgeber mich vor Gericht treffen werde und eine solche Auseinandersetzung führen werde. "

Dirk Krause sitzt in seinem Wohnzimmer. Gießt Tee nach - noch einen Keks? Er hat Familie, zwei Söhne, der jüngste vier Jahre alt. Da ist das Haus. Mir geht’s ja noch gut, sagt Krause. Er wurde vor einer Weile in den Innendienst befördert, mit Festgehalt statt Stundenlohn.

" Wir haben schon immer lange gearbeitet, aber der Zusammenhalt war ein anderer, die Arbeitsweisen waren andere. "

Die Branche konzentriert sich. Die Firma GTG, bei der Krause 1998 anfing, gehört heute zur Unternehmensgruppe G4S. Große kaufen Kleine und Investmentfonds sogar marode Firmen.

Krause: " Damit, dass wir jetzt zum Konzern gehören, ist der Druck natürlich auch größer geworden. Zum einen klar: die hohe Stundenbelastung, zum anderen: der Druck der aus England kommenden Konzernchefs wird dann weitergegeben und spiegelt sich dann ganz unten beim kleinen Fahrer wieder. Man hat die Leute beschimpft, auch mit "faules Schwein" und "Wer nicht arbeiten will, soll gehen" und "Ich trete dir in den Arsch". So was alles gab es bei uns auch. "

Peter Schmidt vom BDWS sagt, es stehe ihm nicht zu, über Wettbewerber herzuziehen:

" Der Markt regiert. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, das ist in allen Branchen so. Und wenn Sie sich mal einige typische Ausschreibungen zum Beispiel in Hamburg anschauen - die Behörde, die öffentliche Hand schreibt ja immer wieder Aufträge aus, ob das nun die Bewachung von "Desy" ist, "Planten und Blomen" oder wie vor zwei Jahren das Polizeipräsidium ist: immer bekommt der Billigste den Zuschlag. "

Die Polizei möchte sich nicht äußern. Der Hamburger Rechnungshof verweist an die Innenbehörde, die die nötigen Zahlen nicht liefert - doch dass es billiger ist, private Firmen anstelle von Polizisten öffentliche Einrichtungen bewachen zu lassen, ist offensichtlich. Laut einer kleinen Anfrage an den Senat vom März 2006 vergibt die Stadt zurzeit für mehr als 12,5 Millionen Euro Aufträge an private Sicherheitsunternehmen - und ist mit den Ausschreibungen ein wichtiger Auftraggeber.

Schmidt: " Typischerweise steht dort drin: ehrlich, pünktlich, zuverlässig und der deutschen Sprache mächtig oder es steht schlicht und ergreifend: ein Stück Wachmann. Das "Stück" kommt von mir. Das ist natürlich eine Ausschreibung, die dazu führt, dass viele, viele von Dutzenden Firmen sich darum reißen, dort zum Zuge zu kommen. "

Ein Gewerbeschein reicht, um eine Wachfirma aufzumachen. Bei der Hamburger Handelskammer sind zurzeit 350 Gewerbebetriebe im Bereich Sicherheit registriert, zwei Drittel davon Klein- und Kleinstunternehmen.

Schmidt: " Um es ganz deutlich und prononciert zu sagen: Nicht nur in Hamburg werden Preise abgegeben, die im einstelligen Bereich liegen. "

Trotz des Preiskampfes steigt der Umsatz der Branche kontinuierlich. Für 2005 rechnet der BDWS mit einem Umsatz von vier Milliarden Euro.

Bremme: " Bei so einem Thema wie Sicherheit kann man nicht die Augen verschließen, und kann man vor allem nicht die Augen verschließen vor den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten. "

Peter Bremme, Leiter des Fachbereichs Besondere Dienstleistungen der Gewerkschaft ver.di.

" Ich würde aus einem Erfahrungswert her sagen, dass es 40 Prozent gibt von Unternehmen, die Tarifverträge zu 80 Prozent einhalten. Und dass es 60 Prozent von Betrieben gibt, die wissentlich und auch mit Kalkül dieses Angebots, das sie dem Kunden gegeben haben, darauf angewiesen sind, Leute so zu drangsalieren. Und so auf die Kostenschraube zu drücken, den Arbeitnehmern gegenüber, weil sie sonst diese Aufträge gar nicht erfüllen könnten, dass Beschäftigte nur darunter zu leiden haben. Das heißt, Profit kann nur dann gemacht werden, wenn Leute über 300 Stunden arbeiten, sie am besten gar nicht ausgebildet werden, weil diese Kosten man auch noch mal einsparen will. "

Arm, nicht weil man keine Arbeit hat, sondern arm, weil man Arbeit hat. Arm… - durch Arbeit.

Krause: " In der gesamten Sicherheitsbranche ist es einfach nur ein Armutslohn, der gezahlt wird. Und da ist es verdammt schwierig, über die Runden zu kommen. Und viele Menschen leben am Existenzminimum. "

Mitarbeiter aus dem Osten, die im Westen arbeiten, werden nach Osttarifen bezahlt, obwohl ihnen Westtarife zustehen, verzichten Mitarbeiter und Gewerkschafter. Schlechter als Wachmänner verdienen nur noch Floristen und Leute in der Landwirtschaft.

Mann: " Dieser Gegenwert - das, was man beschützen soll und diese Niedriglöhne. Wenn so eine Firma abbrennt oder eingebrochen wird, Laptops geklaut – wie auch immer, das sind ja gleich zigtausende Werte. Und den Gegenwert von sechs oder sieben Euro, die man da verdient… - das ist sehr geringwertig. "

"Prekäre" Verhältnisse und kaum jemand wehrt sich.

Krause: " Die Masse, die aus dem Osten kommt, nimmt das in Kauf, weil der Arbeitgeber permanent damit droht, die Kollegen auf ein Minimum an Stunden herunterzusetzen, und die Leute damit dann nicht mehr überleben können letztlich. "

Bremme: " Man muss ja auch mal sehen, welche Leute im Bewachungsbereich beschäftigt sind: das sind Leute, die auf das Geld real angewiesen sind. Das sind Leute, wenn sie schon älter sind, ihre Rente aufbessern müssen, weil das sonst nicht reicht. In bestimmten Berufen nicht mehr arbeiten können, weil die in dieser Branche abgeschafft worden sind. Es gibt viele Leute u.a., die im Hafen mal gearbeitet haben, diese Jobs gibt es jetzt nicht mehr. Es gibt viele Leute, die bei der NVA gearbeitete haben, diese Jobs gibt es auch nicht mehr. Und die man sehr, sehr leicht unter Druck setzen kann. "

Krause: " Wir hatten jetzt einen fürchterlichen Vorfall mit einem Kollegen, der sich erschossen hat. Der Kollege hatte einen Unfall auf der Autobahn und hat sich dann … erschossen. Bei den Leuten liegen teilweise die Nerven blank aufgrund der hohen Belastung, der hohen täglichen Belastung. "

Petersen: " Wenn man sich mal mit Menschen dort unterhält, sind das sklavenähnliche Bedingungen. "

Der Vorsitzende der Hamburger SPD, Mathias Petersen.

" Wenn diese reiche Stadt, die ja einen Haushalt von über 10 Milliarden hat pro Jahr, selber Mitarbeiter anstellt oder weiß, dass Unternehmen, die für die Stadt arbeiten, Mitarbeiter beschäftigen mit so einem niedrigen Lohn, bei dem man ja noch ALG II hinzubekommen müsste, um überleben zu können. Da hat es Politik insofern einfach: Nicht der Billigste kriegt das, sondern derjenige, der die beste Qualität abliefert und seine Arbeitnehmer anständig behandelt. Und das heißt, dass man mindestens (!) sich nach dem Tarifvertrag richtet, das ist das Minimum, und dann aber auch schaut, dass die arbeitsrechtlichen und Arbeitsschutzmaßnahmen alle eingehalten werden. "

Petersens SPD ist allerdings in der Opposition.

Dirk Krause rührt in seinem Tee. Er ist Betriebsrat bei G4S. Betriebsräte wirken wie Exoten in der Sicherheitsbranche.

Krause: " Es ist konsequent verhindert worden. Leute sind gekündigt worden, die auch nur das Wort Betriebsrat in den Mund genommen haben. Aber irgendwann war halt der Punkt erreicht, dass wir gesagt haben, es geht nicht mehr ohne, wir brauchen ’ne Arbeitnehmervertretung. "

Auch bei der Power GmbH sollte ein Betriebsrat gewählt werden. Michael M. ließ sich aufstellen:

" Kollege und mir selber ist aufgefallen, dass diverse Kollegen verheizt worden sind. Oder mehrfach eingesetzt worden sind, aus dem Frei angerufen worden sind: kannste mal kommen - während sie frei hatten. Oder anschließend gekündigt wurden oder immer nur befristete Arbeitsverträge hatten oder sowas. Das hielten wir irgendwann nicht mehr für gut und seitdem gab es eine Zwei-Klassen-Teilung, weil die Firma Power sich permanent gegen die Gründung eines Betriebsrates wehrt. "

Warum es bis heute keinen gibt? Weil die Mitarbeiter keinen Betriebsrat wollten, sagt Carsten Klauer, Geschäftsführer bei Power:

" Wenn es eine wirklich ganz große Mehrheit gibt, die das nicht möchte, oder im Gegenteil, die es sogar ablehnt, und nur sechs Personen das möchten und es aber nicht schaffen gegen eine Mehrheit von an dem Tag dann 70 Leute anzugehen, dann kann ich da nichts machen. "

Protokolle interner Gespräche, die ver.di vorliegen, zeigen: Die Firma versuchte, die Betriebsversammlung zur Wahl eines Wahlvorstandes durch eine Gegenveranstaltung zu behindern; Mitarbeitern sollten mögliche Folgen einer Betriebsratswahl deutlich gemacht werden wie Zitat: "Wegfall außertariflicher Zahlungen" oder "Einführung von acht Stunden-Schichten". So genannte Verursacher wurden ausgemacht und Kündigungen ausgesprochen.

Mann: " Die Firma hat halt ein bisschen Druck ausgeübt, auf die Mitarbeiter, nach dem Motto: Wer bei verdi mit ist oder mitmacht, den nehmen wir uns vor. Nicht wortwörtlich ausgedrückt, aber so in etwa. "

Krause: " Man wird isoliert, zwangsversetzt, zwangsumgesetzt - alles außerhalb gesetzlicher Richtlinien und Normen. "

Mann: " Die Kollegen haben versucht, einen sich gegenseitig anzuschwärzen und wenn man das Wort benutzen darf: anzuscheißen. Und dazustehen: Hallo Chef, ich weiß was! Und dann kriegen die die nächste Beförderung oder was weiß ich. Ich habe nachher nur noch ein, zwei Kollegen gehabt, privat oder in der Firma draußen vor der Tür, mit denen ich mich getroffen habe. Man musste wirklich aufpassen, was man sagt. "

Klauer: " Ein Mitarbeiter hatte vorher schon Abmahnungen gesammelt und hat offenbar versucht, über diesen Weg sich den Arbeitsplatz zu erhalten. Eine andere Mitarbeiterin wurde erst ein Jahr später gekündigt. Leider ist sie bei Kunden negativ aufgefallen, wir haben dann wirklich Probleme gehabt, die Dame einzusetzen. Die anderen … - jetzt muss ich lügen, ich weiß es nicht: es kann sein, dass ein Dritter gekündigt wurde, das weiß ich jetzt wirklich nicht, und die anderen sind noch bei uns im Unternehmen beschäftigt. "

Soll ver.di uns mal beweisen, dass wir Leuten deswegen gekündigt haben, sagt ein Power-Einsatzleiter nach dem Interview, ohne Mikro. Und selbstverständlich gibt es keine Schreiben, in denen steht: Wir kündigen, weil Sie einen Betriebsrat wählen wollten. Die Kündigung eines an der Betriebsratswahl beteiligten Mitarbeiters wurde inzwischen vom Arbeitsgericht Hamburg als rechtswidrig erkannt; Power ist in Berufung gegangen. Ein anderer Mitarbeiter, so der Gewerkschaftsanwalt, habe seine Kandidatur zurückgezogen und durfte weiter arbeiten. Michael M. wurde ebenfalls gekündigt. Und auch Dirk Krauses Arbeitgeber droht.

Krause: " Man hat ganz klar gesagt, dass man mich aus dem Unternehmen entfernen wird, dass man sich halt was einfallen lässt, um mich aus dem Unternehmen zu entfernen. (…) Natürlich, klar… - ich hab Angst. Aber Angst hilft uns nicht weiter. Und auch dann wird es weitergehen. "

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