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Tonart | Beitrag vom 14.03.2016

Manu Katché: "Unstatic"Die neue Leichtigkeit des Schlagzeugers

Von Jan Tengeler

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Porträt von Manu Katché (Etienne de Vilars)
Auf seinem neuen Album lässt Manu Katché viel Platz für musikalische Zwischentöne. (Etienne de Vilars)

Ob bei Peter Gabriel, Sting oder "Tears For Fears" - die Rhythmen des französischen Schlagzeugers Manu Katché sind auf Abermillionen verkaufter Platten zu hören. Seine neue CD "Unstatic" hat er auf eigene Faust, ohne Plattenfirma veröffentlicht: moderner, leicht zugänglicher Jazz.

"Die neue CD ‚Unstatic‘ ist vom Klang solcher Instrumente wie dem Wurlitzer Klavier inspiriert. Es ist auch eine Posaune dabei, die zusammen mit Saxofon und Trompete eine richtige Bläsersektion bildet. Es ist der Sound der 70er-Jahre, der mich interessiert. Es sollte funkiger und souliger sein als eine klassische Jazz-Einspielung. So haben wir auch den Kontrabass aufgenommen: nicht akustisch, sondern eher wie einen elektrischen Bass. Der Groove steht im Mittelpunkt."

"Unstatic" ist eine Wortneuschöpfung von Manu Katché, die darauf hinweist, dass er sich nicht statisch, sondern im Gegenteil besonders flexibel auf seiner neuen CD präsentieren möchte - und zwar auf verschiedenen Ebenen.

Erinnerungen an den Soul der 70er

Da ist zu allererst der Klang, auf den Katché immer wieder zu sprechen kommt. Das Quartett, mit dem er in den letzten Jahren zusammen gearbeitet hat, ist dabei auf ein Sextett angewachsen. Das Album ist live eingespielt, die Band arbeitet im Sinne einer klassischen Jazzformation, allerdings möchte der 57-jährige Katché auch noch andere Einflüsse hörbar machen.  

"Ich bin mit Soulgrößen wie  Johnny Hathaway und Marvin Gaye groß geworden. Ich habe diese Musik geliebt, genauso wie die der Jazz-Größen von Duke Ellington über Miles Davis bis zu Herbie Hancock. Am Jazz haben mich immer die Melodien und Harmonien fasziniert, tatsächlich weniger die Arbeit der Schlagzeuger oder der rhythmische Aspekt. Aber egal, ob Jazz oder Soul: Der typische Klang dieser Ära existiert nicht mehr. Doch er ist ein Teil von mir. Das möchte ich deutlich machen - und so ist die neue Einspielung nicht das Gegenteil meiner Arbeit, die ich mit der Plattenfirma ECM gemacht habe, sondern eine Weiterentwicklung." 

Musik ohne Plattenindustrie und Star-Rummel 

"Unstatic", das neue Album von Manu Katché, ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht als flexibler Schritt in die Zukunft gedacht. Der Schlagzeuger veröffentlicht sie nämlich auf eigene Faust, ohne Plattenfirma im Rücken. Er zieht damit die Konsequenzen aus seiner langjährigen Zusammenarbeit mit der Plattenindustrie, die für seinen Geschmack manchmal etwas zu statisch ist. 

"Ich möchte mich nicht dauernd streiten müssen, sondern Musik nach meinen Vorstellungen machen. Und ich denke, dass Künstler immer etwas Neues auszuprobieren sollten. Vielleicht ist es nicht der richtige Weg, aber ich möchte es wenigstens versuchen. Nachdem ich viele Jahre erfolgreich mit diesem und jenem Star gearbeitet habe und um die Welt getourt bin, dachte ich: Du brauchst eine neue Herausforderung, sonst sitze ich auf meinem Schlagzeugerhocker, habe große Gigs, verdiene viel Geld, werde aber faul und eingebildet. Seitdem spiele ich mit einer eigenen Band, oft mit jüngeren Musikern, die viel mehr Energie haben und mich herausfordern. Und ich versuche, mein Spiel ständig zu verbessern."

Den bequemen Weg geht Manu Katché also nicht. Regelmäßig lehnt er lukrative Angebote ab, um als Sideman zu trommeln, lediglich mit Peter Gabriel ist er hin und wieder noch zu erleben.

Moderne, leichte und flexible Jazzmusik

Eine gute Portion Eigensinn gehört natürlich dazu, um sich nach erfolgreicher Arbeit im Popgeschäft auch als Jazzmusiker einen Namen zu machen. Aber in den letzten zehn Jahren ist es ihm gelungen und so wird er sicher auch ohne Plattenfirma in Zukunft seinen Weg gehen. Auf seiner neuen CD "Unstatic" tut er das allerdings etwas weniger soulig, als man es nach dem Interview vermuten könnte.

Er komponiert zum Großteil Stücke im Songformat, denen als I-Tüpfelchen oder besonderer Höhepunkt manchmal nur noch die menschliche Stimme fehlt. Dafür führt er mit gewohnt leichter Hand und zumeist federnden Rhythmen seine Band durch modernen, leicht zugänglichen Jazz.

Das Kompositionshandwerk ist solide, insbesondere die Bläsersektion sorgt für eine stimmungsvolle, gleichwohl zurückhaltende Farbigkeit. Erfreulich auch, dass Katché an einem engen Zusammenspiel seiner Band mehr interessiert ist, als daran, länglich solierende Virtuosen zu präsentieren. "Unstatic" fließt leicht und flexibel ins Ohr der Hörer.

Manu Katché: Unstatic

Anteprima Productions

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Tonart

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