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Kompressor | Beitrag vom 19.02.2016

Mani Haghighi über "A Dragon Arrives""Ich wollte so viel Paranoia wie möglich in dem Film"

Moderation: Susanne Burg

Der iranische Regisseur Mani Haghighi im Hotel-Studio von Deutschlandradio Kultur während der Berlinale 2016. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)
Der iranische Regisseur Mani Haghighi im Hotel-Studio von Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio / Manuel Czauderna)

Der iranische Regisseur Mani Haghighi ist ein gern gesehener Gast bei der Berlinale. Sein Film "A Dragon Arrives", der letzte im Wettbewerb, ist ein knallbunter, überdrehter Thriller. Der Regisseur erzählt, was hinter der unterhaltsamen Fassade steckt.

Sein Film bildet einen sicherlich sehr eigenwilligen Abschluss im Wettbewerbsreigen der 66. Berlinale: Der iranische Regisseur Mani Haghighi (bereits früher mehrmals im Forum der Berlinale vertreten) präsentiert seinen Spielfilm "Ejhdeha Vared Mishavad!" ("A Dragon Arrives").

In dem absurd-poetischen Thriller schickt Haghighi den Kommissar Babak Hafizi in seinem orangefarbenen Chevrolet Impala in die Wüste, auf die Spur eines rätselhaften Selbstmordes in einem alten Schiffswrack. Man schreibt das Jahr 1965, der iranische Premierminister wurde gerade erschossen, Staatsoberhaupt ist noch der Schah und die berüchtigte Geheimpolizei sorgt für Angst und Schrecken. Und jedes Mal, wenn ein Toter auf dem Wüstenfriedhof beerdigt wird, gibt es ein Erdbeben. Die Erde tut sich auf, ein Mann verschwindet. Der Held steigt hinterher.

50 Jahre später werden das gesammelte Beweismaterial und geheimdienstliche Tonbandaufnahmen in einer Schachtel gefunden, die belegt, dass der Kommissar und seine Mitstreiter verhaftet wurden. Warum?

Groteske Versuchsanordnung

In seinem Film stellt Mani Haghighi erneut spielerisch mysteriöse Ereignisse nach, die um eine wahre Begebenheit kreisen – und zugleich ihre eigene Wahrheit imaginieren. Für den Regisseur verkörpert die Geschichte seines Helden die Umkehrung der Ikarus-Geschichte: 

"Es geht auch um die Frage: Wie weit kann man gehen, ehe man sich selbst verliert. Je weiter hinunter gestiegen wird - in das Erdbebenloch -, desto tiefer geht das Ganze. Das ist wie eine Ikarus-Geschichte mit umgekehrtem Vorzeichen: Denn Ikarus wird immer schwächer, je näher er der Sonne kommt. Doch hier geht es darum, dass man sich, je tiefer man kommt, desto mehr verliert. Und man hat das Gefühl, jemand anderes zu werden."

Die iranische Paranoia

Trotz aller Buntheit und vorgeblicher Leichtigkeit des Films liegt immer Angst in de Luft - die Angst vor der bis 1979 amtierenden Geheimpolizei des Schahs.

"Ich wollte so viel Paranoia wie möglich in den Film reinlegen. Denn es ist klar, dass es sich hier auch um ein politisches Drama handelt. Wir haben diesen Film ja im Iran gemacht. Und der Iran vor und nach 1979 hat immer diese Paranoia erlebt." 

Einen Bogen zur aktuellen Situation im Iran schlagen zu wollen, hält Haghighi allerdings für etwas zu weit hergeholt - "da wäre zu viel hinein interpretiert".

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