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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 09.06.2010

"Mammut"

Anke Leweke über ein überladenes Globalisierungsdrama

Der mexikanische Schauspieler Gael Garcia Bernal bei der Vorstellung des Films "Mammut" auf der Berlinale 2009. (AP)
Der mexikanische Schauspieler Gael Garcia Bernal bei der Vorstellung des Films "Mammut" auf der Berlinale 2009. (AP)

Ellen ist Chirurgin und arbeitet rund um die Uhr. Ihr Mann Leo ist erfolgreicher Game- und Webdesigner und viel unterwegs. Für ihre Tochter hat nur das philippinische Kindermädchen Zeit. Die sieht dafür die eigenen Kinder nicht mehr.

Wie bringt man die Klassengegensätze unserer globalisierten Gesellschaften auf die Leinwand, ohne sich in Banalitäten zu verirren? Wie erzählt man von modernen Tauschgeschäften, finanziellen und auch emotionalen Abhängigkeiten, ohne ins Didaktische abzugleiten?

Jedenfalls nimmt sich der Schwede Lukas Moodysson in seinem Film viel vor: In "Mammut" geht es um ein wohlhabendes New Yorker Paar, das vor lauter Arbeit die eigene Tochter aus den Augen verliert. Während die Chirurgin Ellen (Michelle Williams) rund um die Uhr arbeitet und wieder einmal um das Leben eines kleinen Jungen kämpft, kümmert sich ein philippinisches Hausmädchen namens Gloria um ihr Mädchen. Aber auch Gloria vernachlässigt ihre eigenen Kinder, die bei der Großmutter in den Slums von Manila wohnen. Sie ist ausgewandert, um Geld für die Familie zu erwirtschaften.

Immer wieder springt der Film von New York nach Manila und später auch nach Thailand. Dort verbringt Ellens Ehemann, ein talentierter und extrem erfolgreicher Computerspielentwickler, einige Tage, weil er in Bangkok einen guten Deal abgeschlossen hat. Er wird auch Zeit mit einer Prostituierten verbringen, die mit diesem Job ihren Sohn ernährt.

Es ist nicht nur die aufdringliche Ästhetik und die süßliche Musik, die hier irritieren. Alles hat den gleichen Glossy-Look, ob die edle Wohnung in New York oder der Slum in Manila, ob die teure Suite im Bangkoker Luxushotel oder die simple Strandhütte. Und muss für die simple Botschaft, dass wir alle auf diesem Planeten miteinander verbunden sind, ob wir es wollen oder nicht, tatsächlich ein Kind geopfert werden?

Es scheint, als habe hier der Schicksalswille des Regisseurs das Drehbuch geschrieben und nicht das Leben. Und so kommt er hier zu einem letztlich typisch amerikanischen Happy-End. Glücklich sitzt die reiche New Yorker Familie auf dem Sofa, während die anderen weiter schauen müssen, wo sie bleiben.

Schade, dass sich Moodysson nicht mehr auf seine Darsteller verlassen hat. Denn in den Gesichtszügen von Gael Garcia Bernal und Michelle Williams ist das schlechte Gewissen, die Erkenntnis, dass man auf Kosten anderer lebt, durchaus zu entdecken - und davon will dieser Film doch eigentlich erzählen.

Schweden / Dänemark / Deutschland 2009. Regie: Lukas Moodysson. Darsteller: Gael García Bernal, Michelle Williams, Marife Necesito, Sophie Nyweide, Tom McCarthy u.a. Länge: 125 Minuten

Filmhomepage "Mammut"

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