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Konzert / Archiv | Beitrag vom 01.06.2012

Märchen sind die besseren Drogen

Musik der Zeit: Märchen-Mechanik mit dem WDR-SO

Blick auf Köln
Blick auf Köln (WDR-Fotoredaktion)

Märchen sind die besseren Drogen: Selbst in der Endlosschleife der Wiederholungen lässt die Wirkung nicht nach. Prinzessinnen, Feen und Ungeheuer bevölkern Maurice Ravels Märchenballett "Ma mère l’oye"; auch Brice Pauset erzählt in "Dornröschen II" von bösem Zauber, magischem Tiefschlaf und wundersamer Rettung. Aus der Legenden- und Mythenwelt Karlheinz Stockhausens stammen die Sternzeichen des "Tierkreises".

Ravels Ballett "Ma mère l’oye" wurde in der Originalversion von Kindern uraufgeführt. Mit den wenig später entstandenen Orchester- und Ballettfassungen begeisterte er auch die Erwachsenen für das, was er die "Poesie der Kindheit" nannte: die Fähigkeit zum Staunen, der Glaube an Magie und die unerschöpfliche Lust an der Wiederholung alter Geschichten.

Das Dornröschen seines Landsmannes Brice Pauset führt nicht in nostalgisch verklärte Kinderwelten, sondern unmittelbar zum musikalischen Potential der Motive, zu den Mechanismen der Erzählkunst, die er in seinem Auftragswerk für den Westdeutschen Rundfunk in den Dienst seines imaginären Musiktheaters stellt.

Die Tierkreismelodien der später für Orchester bearbeiteten "Fünf Sternzeichen" verdankt Karlheinz Stockhausen seiner damals zweijährigen Tochter Julika, die über den Gedanken einer "Musik im Bauch" vor Freude fast außer sich geriet. Die Melodien zu den zwölf Sternzeichen sind heute seine bekanntesten und meist gespielten Werke, allerdings weniger in der Originalversion für mechanische Spieluhren.

Wie Ravel und Boulez, der im Falle von Ravels "Frontispice" ausnahmsweise nicht eines seiner eigenen Werke bearbeitete, erzählt Stockhausen die Geschichte seiner zwölf Melodien immer wieder neu. So wie sich auch die Märchen in jahrhundertlanger mündlicher Überlieferung unablässig verwandeln und doch im Kern dieselben bleiben.
(nach: Harry Vogt, Programmheft für dieses Konzert am 25.5.2012)
www.wdr3.de



Kölner Philharmonie
Aufzeichnung vom 25.5.12


Maurice Ravel
"Frontispice" für Klavier zu fünf Händen
(für großes Orchester bearbeitet von Pierre Boulez)

Karlheinz Stockhausen
"Tierkreis", Fünf Sternzeichen für Orchester

Maurice Ravel
"Ma mère l’oye", Suite für Orchester

Brice Pauset
"Dornröschen II" für Streichquartett, zwei Chorgruppen und Orchester
(Uraufführung)

Arditti Quartet:
Irvine Arditti, Violine
Ashot Sarkissjan, Violine
Ralf Ehlers, Viola
Lucas Fels, Violoncello
WDR Rundfunkchor Köln
WDR Sinfonieorchester Köln
Leitung: Matthias Pintscher

nach Konzertende ca. 21:57 Uhr Nachrichten