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Fazit / Archiv | Beitrag vom 24.12.2013

LyrikKlassikerin schon zu Lebzeiten

Ein Nachruf auf die Schriftstellerin Helga M. Novak

Michael Opitz im Gespräch mit Jürgen Liebing

Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt ein Porträt der Schriftstellerin Helga M. Nowak. (picture-alliance / dpa)
Schwarz-Weiß-Fotografie der Schriftstellerin Helga M. Novak, Januar 1971 (picture-alliance / dpa)

An Heiligabend ist die Lyrikerin Helga M. Novak ist im Alter von 78 Jahren in Rüdersdorf bei Berlin gestorben. Sie schrieb sehr "zarte" Verse, sagt Literaturkritiker Michael Opitz. Wegen ihrer Regimekritik wurde Novak 1966 aus der DDR ausgewiesen.

Sie gehörte zu den "ganz großen Damen der Lyrik", sagte Literaturkritiker Michael Opitz im Fazit-Gespräch – man müsse sie in eine Reihe mit Ingeborg Bachmann, Friederike Mayröcker und Sarah Kirsch stellen. In ihrer Lyrik sei sie "zart" und "dünnhäutig" gewesen.

Helga M. Novak wurde 1935 in Berlin-Köpenick geboren, wuchs in der DDR auf, ging aber 1961 nach Island, um sich der Tätigkeit als Inoffizielle Stasi-Mitarbeiterin zu entziehen. Dort heiratete sie einen Isländer, bekam zwei Kinder, kehrte jedoch 1965 in die DDR an das Literaturinstitut in Leipzig zurück.

Ein Jahr später wurde ihr die DDR-Staatsbürgerschaft aberkannt – "wegen des Verteilens regimekritischer Texte", die sie verfast hatte. Ab 1967 lebte Novak in der Bundesrepublik. Sie war die erste DDR-Intellektuelle, die ausgebürgert wurde – lange vor Wolf Biermann, der 1976 nach einem Auftritt in Westdeutschland nicht mehr wieder einreisen durfte.

Novak war auch eine "Außenseiterin", sagte Opitz und führte das auf ihre Biografie zurück. Aufgewachsen bei Adoptiveltern, flüchtete sie aus der Kälte dieses Haushalts und nahm "gern die Umarmung von Vater Staat und Mutter Partei an", wie Opitz formulierte – erkannte jedoch bald, dass er dort keine Geborgenheit gab.

Für ihre Werke erhielt Helga M. Novak zahlreiche Preise, darunter die Roswitha-Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim, den Brandenburgischen Literaturpreis und den Drostepreis der Stadt Meersburg. 1979 war sie Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim in Frankfurt.

Ihre bekanntesten Werke sind "Die Eisheiligen" (1979), "Vogel federlos" (1982) und "Silvatica" (1997). Der dritte Band ihrer autobiografischen Prosa "Im Schwanenhals" ist im September dieses Jahres erschienen.

 

mhu - mit dpa

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