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Religionen | Beitrag vom 27.03.2016

Lügen und lügen lassenWarum die Wahrheit nicht immer der Königsweg ist

Ein Feature von Maria Riederer

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Ein Mann legt bei einem Schwur die Hand auf die Bibel. (imago/Westend61)
Ein Mann legt bei einem Schwur die Hand auf die Bibel. (imago/Westend61)

Dürfen wir lügen? Wenigstens ein bisschen? Die Bibel und der Koran, Philosophen, Psychologen und Lehrer sind in ihren Aussagen gar nicht so eindeutig, was die Pflicht zur Wahrheit angeht.

Kleine Lügen tun nicht weh, sagen die einen. Lügen zerstören Vertrauen und machen ein Zusammenleben unmöglich, meinen die anderen.

Beide haben womöglich Recht. Auch die Bibel ist nicht eindeutig: Statt des bekannten Gebots "Du sollst nicht lügen" steht da: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten". Heißt das nicht etwas anderes?

Es ist tatsächlich so eine Sache mit dem Lügenverbot oder – um es positiv zu formulieren – der Ermutigung zur Wahrheit. Und wir alle kennen das Dilemma: Wohl niemand findet Lügen grundsätzlich richtig, niemand hat noch nie gelogen.

Was sagt Gott wohl dazu? Und wie ist das mit der Moral?

Warum Lügen ganz und gar keine kurzen Beine haben müssen und warum es ein gutes Werk sein kann, das Blaue vom Himmel herunterzuholen, anstatt sich an die Fakten zu halten, das erklärt Maria Riederer in ihrem Feature "Lügen und lügen lassen".


Das Feature im Wortlaut:

"Die haben uns immer gesagt, dass der Osterhase ganz früh morgens kommt und die Eier dann im Garten versteckt."

"Das ist schon so 'ne kleine Lüge, aber man kann den Kindern ja auch später sagen, dass es den Osterhasen in Wirklichkeit gar nicht gibt - wenn man noch kleiner ist, im Kindergarten oder im ersten Schuljahr, dann freut man sich einfach, wenn da jetzt Eier im Garten liegen."

Ein schweres Problem ist die Frage, die die Lüge betrifft, eine Frage, die uns gerade bei unseren tagtäglichen Handlungen oft beunruhigt. Gar reich an Verstecken ist ja die Frage, und oft treibt sie gleichsam durch manche Krümmungen voller Löcher ihr Spiel mit der Anstrengung der Suchenden. (Augustinus)

Der sittliche Grundsatz, es sei eine Pflicht, die Wahrheit zu sagen, würde, wenn man ihn unbedingt und vereinzelt nähme, jede Gesellschaft zur Unmöglichkeit machen. (Benjamin Constant)

Ilka Cramm: "Ich glaube, man muss schon einen gesunden Umgang mit der Lüge haben und dem anderen das Recht geben, auch den Fehler zu machen zu lügen."

Kind: "Eigentlich ist es ja auch gut, wenn die Eltern Märchen erzählen, weil du erzählst ihnen ja auch nicht immer die Wahrheit."

Kleine Lügen tun nicht weh - sagen die einen. Lügen sind das größte Laster der Menschheit. Sie zerstören Vertrauen und machen ein Zusammenleben unmöglich - meinen die anderen. Beide, um das gleich vorweg zu nehmen, haben Recht.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Dekalog: Du sollst nicht lügen

Das sagt die Bibel - im Dekalog, in den zehn Geboten des Alten Testaments, und zwar an achter oder, je nach Zählart, an neunter Stelle. Eine klare Ansage, die aber mehr bedeutet als die schlichte Übersetzung: Du sollst nicht lügen.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. Was ist das?

Fragt Martin Luther in seinem Kleinen Katechismus. Und beantwortet die Frage gleich selbst:

"Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unseren Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren."

Rochus Leonhardt ist Professor für evangelische Theologie mit Schwerpunkt Ethik an der Universität Leipzig:

"Und nun ist es eben so, dass Luther hier sagt, wir sollen von dem, was unser Nachbar oder so ist - wenn wir gegenüber Dritten von ihm reden - möglichst das Gute hervorheben. Und das ist ja auch plausibel."

Wenn man dagegen, wie in der oft verwendeten Kurzform des Gebots, von Lügen spricht, steht gleich als Gegenbild die Wahrheit  im Raum. Aber, um mit Pontius Pilatus zu sprechen, dessen verständnislose Frage an Jesus bis heute so gerne zitiert wird: Was ist Wahrheit?

Leonhardt: "Da gibt es eigentlich keine einheitliche Definition dafür, es gibt eben Wahrheit im Sinne von schlichten Tatsachen-Wahrheiten, also die Fallbeschleunigung ist  9,81m/s2 oder eben nicht. Und wir wissen, dass es so ist, und wer was anderes behauptet und zwar im Brustton der Überzeugung, der sagt eben die Unwahrheit, das ist relativ klar. Dann gibt es aber die Wahrheit von Überzeugungen, religiös, weltanschaulichen Grundüberzeugungen.

Wenn ich dann einen Todkranken habe, das klassische Beispiel, den die Information - du wirst wahrscheinlich bald sterben  - möglicherweise noch schneller ins Grab bringen würde, dann kann man eben sagen, ok, vielleicht kann es dann auch sinnvoll sein, den mal über seinen Zustand 'ne gewisse Zeit im Unklaren zu lassen, oder ihm Optimismus mitzugeben, damit er Widerstandskräfte und Lebenskräfte aufbauen kann, die dann möglicherweise doch zu einer Heilung führen."

Matthias: "Es gibt eine Ahnung, es gibt einen typischen Ablauf, aber es gibt so viele Normvarianten – deswegen ist für mich die Frage schwer: Wo ist in der Medizin eine Wahrheit – ja, wo fängt sie an und wo hört sie auf?"

La Rosée: "Wahrheit in der Medizin ist was ganz Schwieriges, weil es allein in der Diagnostik so gut wie nie Wahrheit gibt. Es gibt immer nur Wahrscheinlichkeiten für ein Ereignis, dass es vorliegt."

Matthias: "Es mag eine Ausrede geben, es mag ein Zögern geben, es mag eine Hinhaltetaktik geben, es mag ein tröstendes Es-wird-schon-vielleicht-werden, aber eine Lüge - nein, eine Lüge gibt es nicht."

Sabine Matthias, Frauenärztin, und Karl La Rosée, Kardiologe, müssen sich in jedem Patientengespräch fragen, wie sie ihrem Gegenüber die manchmal bitteren Ergebnisse ihrer Diagnose vermitteln.

Wahrheit und Lüge bei medizinischen Diagnosen

Matthias: "Man muss mit der Patientin, bei der Patientin bleiben und genau hinhören – was ist zumutbar? Das ist ein ganz wichtiger, empathischer Schritt natürlich auch. Man sieht durch Blickkontakt, durch Körperhaltung, und auch durch die Nachfragen – wie viel will sie wissen? Nicht jede Patientin fragt: Sterbe ich bald? Aber der Gedanke einer Patientin geht immerhin in Richtung Tod auch: Was kommt auf mich zu? Und das kann man nur in kleinen Scheiben vermitteln."

La Rosée: "Begriffe wie 'schwere Herzinsuffizienz', das werde ich nie meinen Patienten sagen, sondern ich werde ihm sagen, Sie haben eine Pumpschwäche Ihres Herzmuskels. Mein Patient mit Pumpschwäche, den werd ich nicht mit irgendwelchen Überlebensraten konfrontieren, sondern werde sagen, da ist eine schwere Erkrankung, die man heutzutage gut behandeln kann."

Die Wahrheit richtig zu verpacken, ohne dass das Gesagte zur Lüge wird, ist eine Gratwanderung – und eine Kunst. Die man, das wissen nicht nur Ärzte, nicht aus Büchern lernen kann, sondern nur aus Erfahrung.

In den Küssen – welche Lüge!
Welche Wonne in dem Schein!
Ach wie süß ist das Betrügen
Süßer das Betrogensein   
(Heinrich Heine)

O weh der Lüge! Sie befreiet nicht, wie jedes andre wahr gesprochne Wort, die Brust. Sie macht uns nicht getrost. Sie ängstigt den, der sie heimlich schmiedet, und sie kehrt, ein losgedruckter Pfeil, von einem Gotte gewendet und versagend, sich zurück – und trifft: Den Schützen. (Johann Wolfgang von Goethe: Iphigenie auf Tauris)

Kinder: "Lügen ist eigentlich nicht erlaubt, aber wenn es mal sein muss, dann machen das manche Kinder." - "Lügen ist eigentlich schon erlaubt."

Simone Dietz: "Ich glaube, dass das ist eine Entdeckung ist, die wir alle machen, wenn wir noch ganz klein sind und wenn wir plötzlich merken, dass wir etwas denken können, ohne dass wir es dem anderen sagen müssen und dann merken: Wir sind jetzt die Person, die das weiß. Und  der andere weiß das nicht."

Simone Dietz ist Professorin für Philosophie an der Universität Düsseldorf

Dietz: "Dann fangen wir an, überhaupt ein Gefühl dafür zu entwickeln, wer wir sind. Und dass wir darüber auch entscheiden können, wie wir uns anderen gegenüber zeigen wollen oder eben nicht zeigen wollen. Und das ist der Anfang von der Fähigkeit auch zu lügen."

Kinder merken das

Die Frage nach der Moral von Lüge und Wahrheit stellt sich in diesem Moment noch nicht. Doch mit wachsendem Alter merken die Kinder, dass es verbotene und erlaubte Lügen gibt.

Kinder: "Lügen sind jetzt nicht so schlimm, aber man sollte das nicht, so im Gericht lügen oder bei der Polizei oder sowas." - "Bei mir fühlt sich das so krimmelig an, ich hab dann ein schlechtes Gewissen auch." - "Man kriegt mehr Ärger wenn man lügt und das dann rauskriegt, als die Wahrheit zu sagen und zu sagen, ja, ich hab's kaputt gemacht."

Cramm: "Nichts verdecken oder beschönigen oder lügen, das ist mir wichtig – das merken die Kinder."

Inka Cramm ist Grundschullehrerin in Köln und Mutter von zwei Kindern.

Cramm: "Da hatte ich ein Kind, ein Mädchen, was bei uns neu war und die berichtete dann, die hat die Hausaufgaben bei der Mutter vergessen, an diesem Wochenende war sie bei der Mutter gewesen, und dann deckte sich aber auf in unserem Gespräch, dass sie gar nicht an dem Wochenende bei der Mutter war. Das war ein Mädchen, was häufiger gelogen hat, wenn es um Hausaufgaben ging, und verstrickte sich da regelmäßig in Lügen, ich denke, weil sie die Erfahrung gemacht hatte: ich werde bestraft, wenn ich Fehler mache."

Inka Cramm versucht ihren Schülern zu vermitteln, dass Ehrlichkeit nicht bestraft wird – mit gewissem Erfolg:

Cramm: "Und dann merkt man, wenn sie dann in der zweiten oder dritten Klasse ist, und dann kommen Erstklässler, wie sie dann das Gelernte schon auf die Kleinen anwendet und sagt: 'Gib's ruhig zu, dir passiert hier nichts, die Frau Cramm schimpft nicht, du musst es einfach nur sagen.' Das ist ganz schön zu sehen, dass sie diese Werte, die sie angenommen haben von mir, weitergeben, das ist ganz schön."

Dietz: "Und dann gibt es aber doch viele Situationen, in denen man erwartet, dass das Kind diplomatisch ist und das Kind kann ja auch nicht unbedingt entscheiden, wo ist da der Unterschied."

Kind: "Wenn einer einen fragt: Wie findest du denn die Anziehsachen, die ich heute anhabe? Und man findet die eigentlich schlimm, aber möchte auch nicht, dass der traurig wird, dann sagt man: Ja, ich find das schön. Das ist auch so einne Art Notlüge, damit man den nicht verletzen möchte."

Dietz: "Kinder können ja erst mal auch ziemlich brutal sein in ihrer Offenheit - dass sie sagen: Äh, find ich total doof - oder so. Und dann merken – oder vielleicht werden sie dann auch mal drauf hingewiesen -, dass sie jemanden verletzt haben, weil sich da ja jemand Mühe gemacht hat. Das müssen sie erstmal berücksichtigen, und dann fangen sie vielleicht an und denken: Okay, dann muss ich offenbar lügen."

Cramm: "Bei meiner Tochter, der kleinen, da funktioniert das gar nicht, weil die entweder nicht schauspielern will oder nicht kann, die zeigt so brutal, was ich dann auf der anderen Seite wieder sehr ehrlich finde, ihre Enttäuschung und benennt die auch in Gegenwart des Schenkers, so dass ich dann versucht bin, mich zu entschuldigen, auf der anderen Seite denk ich mir, das ist einfach so wahnsinnig ehrlich."

Dietz: "Einmal, find ich, ist es in der Philosophie natürlich interessant, sich mit der Lüge zu beschäftigen, weil die Wahrheit ja auch ein großes philosophisches Thema ist, und jemand der lügt, der muss ja in einer bestimmten Hinsicht über die Wahrheit verfügen, also es muss da irgendetwas Zweifelsfreies geben, damit man überhaupt lügt. Schon deshalb finde ich, ist die Lüge philosophisch interessant. Aber hauptsächlich ist sie natürlich ein Thema auch der Ethik, der Moralphilosophie als Frage: Wie weit darf man anderen gegenüber lügen? Und es ist ein, wie ich finde, Vorurteil in der Philosophie, dass das doch eigentlich das beste Beispiel für eine Handlung ist, die moralisch unzulässig ist."

Zumal Lügen nicht nur täuschen oder verletzen können, sie können bereichern, unterhalten oder Schutz und Freiheit gewähren.

Cramm: "Bei uns ist an der Schule, wie in vielen Grundschulen, dass man Montag morgens von seinem Wochenende berichtet – was hab ich erlebt, wo war ich, mit den Eltern oder wo auch immer."

Er erzählte das Blaue vom Himmel

Inka Cramm, Grundschullehrerin in Köln, erinnert sich an einen Schüler, der bei jeder Gelegenheit das Blaue vom Himmel herunter erzählte.

Cramm: "Da war er in der ersten Woche, als er bei uns war, war er in Paris auf dem Eiffelturm oben, und in der zweiten Woche ist er mit irgend einem Oldtimer gefahren, den keiner kannte, und so reihten sich die phänomenalen Erlebnisse aneinander, und es war irgendwann offensichtlich, dass nicht jedes Wochenende ganz so attraktiv gewesen sein kann, wie er das beschrieben hat, und da versuchten die Kinder, die dann langsam dahinter kamen, ihn zu fragen und nachzubohren, ob das wirklich wahr war, und mit wem er da war und der Wahrheit auf dem Grund zu gehen, und dem entzog er sich aber komplett."

Für die Lehrerin war schnell klar: Die kindlichen Blüten der Fantasie durften weiterblühen, solange sie keinen Schaden anrichteten.

Lügen-Lassen kann ein Weg zum Vertrauen sein. Das bestätigt auch der Kölner Psychiater Manfred Lütz, dem es bei der Behandlung seiner Patienten nicht in erster Linie darum geht, die Wahrheit herauszufinden.

Lütz: "Ich hab mal eine Patientin gehabt, der ging's ganz schlecht, die war aber sehr phantasievoll, die hatte viel Phantasie. Und die war auf 'ner geschlossenen Station, und dann hatte sie Ausgang und dann haben wir mit ihr besprochen am Wochenende, was sie denn machen würde, und dann hat sie erzählt, sie würde in die Oper gehen und dann haben wir das genau besprochen, wie sie das macht. Und dann kam sie zurück und war ganz begeistert von der Oper, und zufällig war eine Krankenschwester, die auch auf der  Station war, die wollte auch in die Oper gehen - und die Oper war aber ausgefallen. Und da waren wir total erschrocken und haben gedacht, um Gottes Willen, die belügt uns, wir können uns ja gar nicht auf die Frau verlassen und so. Und dann gibt es aber moderne Therapiemethoden, die jetzt nicht so sehr auf die Wahrheit Wert legen, sondern den Patienten sehr respektieren und denen es darum geht, dass es einem Menschen, dem es sehr schlecht geht – der ging's wirklich sehr schlecht – besser geht. Und dann hab ich mit ihr anschließend gesprochen und hab ihr so im Nebensatz gesagt, 'ne Schwester sei auch in diesem Stück gewesen und das habe ja gar nicht stattgefunden, aber das sei für mich jetzt auch nicht schlimm. Weil für mich sei schon toll, wie sie sich da in ihrer Phantasie hineingedacht habe, und dass es ihr einfach gut gegangen sei nach dem Wochenende. Das sei für mich wichtig.

Und das hat dann unser Verhältnis zu dieser Patientin sehr entspannt. Weil die vorher immer den Eindruck hatte, wir sind so wie ein Gericht, das dauernd rauskriegen wollte, wie die Wahrheit ist, und sie wollte schon auch ihren Bereich so ein bisschen schützen. Und das haben wir dann sehr respektiert und dann ist es der Patientin auch besser gegangen. Also in der Therapie ist die Wahrheit nicht immer so wichtig."

"Mein Name ist Bärbel Ackerschott, ich bin Diplom-Sozialpädagogin und leite in Köln das Notel, eine Notschlafstelle und Krankenwohnung für obdachlose Drogenabhängige."

Für Bärbel Ackerschott und ihre Mitarbeiter in dem christlich geführten Haus gehört es zum Tagesgeschäft, mit Lügen konfrontiert zu werden. Und auch diese Lügen haben einen Zweck.

Sich selbst was vorlügen

Ackerschott: "Also, die große Lüge – wobei, 'Lüge', fällt mir schwer, es so zu bezeichnen, ist die Tendenz, sich was vorzumachen, was den Weg aus der Droge angeht. Der Klassiker ist: Ich brauche eine Wohnung und Arbeit, und dann ist mein Leben in Ordnung – dass ich dann schon mal sag: Du, lüg dir einen in die Tasche, wenn du das zur Zeit brauchst, um im Leben klarzukommen, ist das in Ordnung, aber versuch nicht, mich anzulügen. Mir ist der Satz, das Wort aus dem Evangelium ganz wichtig: Die Wahrheit macht frei."

So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Aus dem Johannes-Evangelium)

Ackerschott: "Die Wahrheit hat aber auch 'ne unglaubliche Brutalität und muss ausgehalten werden. Und von daher denk ich, ist es völlig legitim, und dazu muss man ja gar nicht süchtig sein, dass man sich im Leben ab und zu was vormacht, dass man sich in Traumwelten flüchtet, um einfach sich in diesem Leben halten zu können. Aber die Lösung ist es nicht – die Wahrheit macht frei. Aber die hat auch ihre Gnadenlosigkeit."

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Und wenn er auch die Wahrheit spricht.

Jedes Kind kennt diesen Spruch und – dazu passend – auch gleich die Geschichte vom Hirten, der so oft spaßeshalber um Hilfe schreit, dass er, als der Wolf dann wirklich um seine Herde schleicht, vergeblich nach seinen Freunden ruft. Auch Bärbel Ackerschott von der Obdachlosenunterkunft Notel hört viele Lügen. Und hört doch nicht auf, ihrem Gegenüber – irgendwie - zu glauben.

Ackerschott: "Also ich hör da empathisch zu, und kann da auch gut mitgehen und dann ist das für mich auch so, wenn der das schildert, aber es überrascht mich und enttäuscht mich überhaupt nicht, wenn sich das dann als Lüge herausstellt. Aber dann hat das Glauben natürlich nochmal 'ne andre Qualität, wenn ich nicht enttäuscht bin, wenn's nicht stimmt. Das ist eine Möglichkeit für Menschen, sich im Gleichgewicht zu halten, oder auch sich zu schützen. Ich seh' die Lüge in dem Kontext nicht als moralisches Kriterium."

Die Wahrheit macht frei. Ehrlichkeit zahlt sich aus. Und doch ist die Lüge in der Welt - und sie hat ihren Sinn. Der Mensch lügt, so behaupten Statistiken, 200 Mal am Tag. Die Philosophin Simone Dietz bezweifelt das.

Dietz: "Das hängt aber sehr stark davon ab, was man überhaupt mitzählt. Und ob man solche Floskeln 'liebe Grüße' oder 'sehr geehrtes Publikum' - das sind ja so Floskeln, die gehören dazu und denkt sich auch keiner was dabei."

- Meine sehr verehrten Damen und Herren…
   - Lüge!
- Ich freue mich sehr…
   - Lüge!
- Gut, es ist mir ein Vergnügen
   - Eine Heidenarbeit ist es! Eine Maloche.
- Jetzt hören Sie aber auf! - Ach, machen Sie Ihre Begrüßung doch alleine!
  - Publikum! Hören Sie zu! Wir erzählen Ihnen das hier nicht zweimal."

(Aus Lesung R. Willemsen und D. Hildebrand "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort" – mit Publikum)

Dietz: "Also, es geht uns ja eher um die Lügen, bei denen wir entscheiden müssen, ob wir dem anderen jetzt etwas sagen, von dem wir selber wissen, dass es falsch ist, und ihn damit in die Irre führen - ob wir das an dieser Stelle tun dürfen oder nicht tun dürfen."

Der Anspruch auf Wahrheit gehört zur Demokratie

Die Diskussion darüber ist so uralt wie brandneu. In demokratischen Systemen steht der Anspruch auf Wahrheit ganz weit oben. Wer bei einer Lüge oder Betrügerei ertappt wird, verschwindet schnell von der Bildfläche der Politik. Mit Recht, sagt Rochus Leonhardt:

"Wir haben als Bürgerinnen und Bürger einen Anspruch darauf, dass die Politiker uns über die Chancen und Risiken dessen, was sie tun, aufgrund ihrer Verantwortung, reinen Wein einschenken. Und da reagieren wir sehr sensibel, wenn wir das Gefühl haben, uns wird etwas vorgemacht."

Ganz anders ist das im Alten Testament, der Heiligen Schrift für Juden und Christen.

Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esst, so werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
(Aus dem Buch Genesis)

Martin Rösel, Professor für Hebräisch, Altes Testament und altorientalische Religionsgeschichte an der Universität Rostock, hat die Bibel nach Lügengeschichten durchforstet und festgestellt:

"Eine direkte Handlungsanweisung zur Lüge gibt es so im Alten Testament nicht, aber es gibt natürlich Beispielgeschichten, also wenn zum Beispiel König David – oder der spätere König David – verfolgt wird von König Saul, und der Sohn von König Saul hilft nun David, indem er lügt, seinen Vater belügt, damit David sich retten kann, dann wird über diese Geschichte ein Beispiel erzählt, dass eine Freundschaft so weit gehen kann, für den anderen zu lügen, um ihn zu retten."

David sprach zu Jonatan: Siehe, morgen ist Neumond; da sollte ich mit dem König zu Tisch sitzen; aber lass mich, dass ich mich auf dem Felde verberge bis zum Abend des dritten Tages. Wird dein Vater nach mir fragen, so sprich: "David bat mich, dass er nach Bethlehem, seiner Stadt, gehen dürfe; denn dort ist das jährliche Opferfest für das ganze Geschlecht. (Aus dem ersten Buch Samuel)

Rösel: "An dieser Stelle wird ausdrücklich im Hebräischen das Wort 'häsäd' verwendet – also das, was Jonathan für David getan hat, ist Gnade, ist Güte. Das gleiche Wort steht für Gottes Güte, und das gibt es an anderen Stellen auch noch so: Das Ergebnis einer Lüge wird ausdrücklich als gottgefällig bezeichnet."

Gottes Einverständnis vorausgesetzt

Dass Jonathan seinen eigenen Vater belügt, scheint für den Verfasser der Geschichte völlig in Ordnung zu sein. Und Gottes Einverständnis  wird stillschweigend vorausgesetzt.

Rösel: "Gott kommentiert das in der Regel nicht, wie in den meisten dieser Geschichten Gott selber nicht eingreift, sondern – am Ende der Josephsgeschichte zum Beispiel, da gibt es dann so einen Satz, der eben dann auch feststellt: Gott hat dies alles getan, um es zum Guten zu wenden. Aber ein direktes Eingreifen oder Kommentieren Gottes wird nicht genannt."

Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. (Aus dem Buch Genesis)

Das versichert Joseph seinen Brüdern, die am Ende einer Geschichte von Lüge, Betrug, Eifersucht, Verführung und nochmaliger Lüge wieder friedlich mit ihm vereint sind. Ganz am Anfang dieser Geschichte um die Söhne Israels steht ebenfalls eine Lüge. Ihr Vater, der da noch Jakob heißt, überlistet – angestachelt von seiner Mutter – seinen Bruder Esau, den Erstgeborenen. Zuerst kauft Jakob dem hungrigen Esau dessen Erstgeburtsrecht für einen Teller Linsensuppe ab. Dann hängt er sich ein Fell um, damit sein blinder Vater, Isaak, nicht seine glatte Haut ertasten kann, sondern die Haut des behaarten Bruders zu erkennen meint.

Da sprach Isaak zu Jakob: Tritt herzu, mein Sohn, dass ich dich betaste, ob du mein Sohn Esau seiest oder nicht. Also trat Jakob zu seinem Vater Isaak; und da er ihn betastet hatte, sprach er: Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände. Und er kannte ihn nicht; denn seine Hände waren rau wie Esaus, seines Bruders, Hände. Und er segnete ihn und sprach zu ihm: Bist du mein Sohn Esau? Er antwortete: Ja, ich bin's. Da sprach er: Komm her und küsse mich, mein Sohn. Er trat hinzu und küsste ihn. Da roch er den Geruch seiner Kleider und segnete ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie ein Geruch des Feldes, das der HERR gesegnet hat. Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle. Verflucht sei, wer dir flucht; gesegnet sei, wer dich segnet. (Aus dem Buch Genesis)

Rösel: "Das Interessante ist ja: Er ist ein Lügner, ganz eindeutig, er weiß auch, dass er gelogen hat, denn er hat zum Beispiel ja, als er dann zurück kommt, Angst vor seinem Bruder, aber gleichzeitig ist er, und das vergisst man häufig, der betrogene Betrüger. Er bekommt die falsche Frau, die er eigentlich gar nicht haben wollte, seine Kinder lügen ihn später an, als es um das Schicksal von Joseph geht, also er ist im Grunde so ein tragischer Held, der genau wie Menschen auch heute im Grunde  in Lügengespinste verfangen sind. Und bei ihm geht es am Ende gut aus."

Nach Gottes moralischem oder gar strafendem Zeigefinger sucht man in der Geschichte vergeblich. Jakob hat zwar einiges zu erleiden, aber seine herausragende Stellung bleibt unstrittig. Eine Rechtfertigung der Lüge? Auf keinen Fall – schreibt Augustinus im Jahr 395 in seinem flammenden Traktat "De mendacio" über die Lüge und deren Verwerflichkeit. Darin wirft er den Exegeten vor, die Lügen der biblischen Sympathieträger zu entschuldigen.

Viele Beispiele dieser Art suchen sie heraus und erinnern damit an Lügen solcher Menschen, die schuldig zu sprechen man sich nicht vermessen könnte, so dass man zugeben möchte, unter Umständen verdiene eine Lüge möglicherweise nicht nur keinen Tadel, sondern sei lobenswert. (Augustinus)

Formulierung: Falsch Zeugnis ablegen

Augustinus belegt seine absolute Ablehnung der Lüge in jedweder Situation mit dem Gebot: Du sollst kein falsch Zeugnis geben. Und hängt dem noch einige Psalmenverse und Christusworte an.

Ein lügnerischer Mund tötet die Seele!  (Aus dem Buch der Weisheiten)

Zugrunde richten wirst du alle, die Lügen vorbringen
(Psalm 5)

Eure Rede sei ja, ja – nein, nein – was aber darüber ist, ist vom Bösen. (Aus dem Matthäusevangelium)

Im folgenden Kapitel urteilt Augustinus über die Lügen aus dem Alten Testament und sagt: Diese Lügen sind gar keine.

Hier kann man alles, was geschehen ist, in bildlichem Sinne verstehen – mag es auch in Wirklichkeit sich zugetragen haben. Alles aber, was in bildlichem Sinne getan oder gesagt wird, ist keine Lüge. (Augustinus)

Rösel: "Diese Geschichten sind auch keine Aufforderungen zum bedingungslosen Lügen. Und die Geschichten werden auch immer damit kontrastiert, dass das positive und das negative Ergebnis der Lüge hintereinander erzählt wird. Also die Geschichten werden immer gebrochen und sind damit keine direkte Handlungsanweisung. Sondern was sie erzählen wollen ist: Es gibt Grund, auf Gott zu vertrauen."

Rösel: "Im Alten Testament gibt es keine strikte Ethik, die eben sagt, du musst genau dies tun und genau jenes lassen, sondern man muss das tun, was der Gemeinschaft dient, man hat also einen Platz in der Gesellschaft, den muss man ausfüllen, und wenn man diesen Platz ausfüllt, wenn man gut tut, dann wird man auch Gutes erlangen."

Dass im Alten Testament gelogen wird und mit Gottes Hilfe trotzdem alles gut wird  bezeichnet der evangelische Theologen und Ethiker Rochus Leonhard als Wette auf die Zukunft. Er hält sich damit an Martin Luther. Der nennt eine Lüge, die dem Erhalt des Volkes Israel oder einzelner Protagnisten dient, sogar ein Werk der Nächstenliebe, "officium caritatis".

Leonhardt: "Er sagt, wenn ich jemanden belüge, dann ist es zunächst mal so, dass ich das weiß, dass ich ihn belüge und üblicherweise habe ich dabei ein schlechtes Gewissen. Auf der anderen Seite gibt es eben die so genannte Notlüge, wo ich sage: es ist für die Gesamtsituation besser, wenn ich jetzt mal nicht bei der Wahrheit bleibe. Und ob es tatsächlich so ist, dass es besser ist oder ob ich nicht besser doch gleich die Wahrheit gesagt hätte, das wird sich erst in der Zukunft zeigen, die ich jetzt aber noch nicht kenne."

Das heißt: Lügen kann gut sein, wenn es zum Guten führt. Da wir das im Moment des Sprechens aber noch nicht wissen, bleibt ein Unbehagen.

Leonhardt: "Luther würde nicht sagen: Deshalb ist Lüge grundsätzlich keine Sünde mehr, sondern er würde sagen: Dieses Unbehagen, bevor wir wissen, wie es ausgegangen ist, das bleibt natürlich, und wir können mit diesem Unbehagen aber zurechtkommen, im Glauben daran, in der Hoffnung darauf, dass Gott, der ja für Luther an der Stelle ganz wichtig ist, das zu einem guten Ende bringen wird."

"Petrus aber saß draußen im Hof; und es trat zu ihm eine Magd und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus aus Galiläa."

Ein menschlich und moralisch gewichtiges Ereignis

Das Matthäus-Evangelium erzählt die Leidensgeschichte Jesu. Am Rande des Geschehens findet ein menschlich und moralisch gewichtiges Ereignis statt. Simon Petrus steckt in der Klemme. Oder besser: In höchster Gefahr. Jahrelang hat er Jesus, seinen Lehrer und Freund begleitet und ihm gerade noch die ewige Treue zugesagt; jetzt bekommt er Angst.

Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. Als er aber zur Tür hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile traten die hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.

Jetzt, wo es hart auf hart kommt, wo der Freund in Not ist, schreit Petrus die größte Lüge seines Lebens heraus:

Da hob er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht! Und alsbald krähte der Hahn.

Petrus stellt sich dumm, er flucht, er lügt. Und als der Hahn kräht, fällt es ihm wieder ein: Er wollte treuer sein als alle anderen. Er wollte herausragen aus der Reihe der Apostel und Vorbild an Stärke sein.

Da dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen. Und ging hinaus und weinte bitterlich. (Aus dem Matthäus-Evangelium)

Rösel: "Petrus hat sich da in eine Dilemma-Situation hinein manövriert. Er ist der Einzige, der mitgegangen ist, das ist der positive Aspekt der Geschichte, der häufig nicht mit erzählt wird: Er ist mit Jesus mitgegangen, wollte sehen, was mit Jesus geschieht, vielleicht ob er helfen kann – also das, was man Nachfolge nennt. Und er hat sich dadurch in eine Situation hineingebracht, in der er einerseits für Jesus nichts tun konnte, andererseits sich selber in Gefahr gebracht hat, und das wäre die klassische Dilemma-Situation, bei der es die breite Tradition gibt, dass man sagt: Ja, in solchen Situationen darf man durchaus lügen. "

Petrus allerdings lügt nicht nur, er verleugnet das, was ihm heilig ist.

Rösel: "Wenn Petrus Jesus verleugnet in dieser bewussten Situation - dreimal sagt er 'Ich kenne ihn nicht', dann ist das nicht mehr zu rechtfertigen, und es wird auch kein Versuch unternommen, das zu rechtfertigen, aber Petrus erkennt es eben selber. Das heißt, was da in dieser Geschichte mit transportiert wird, ist eben die Reue, die nötig ist, wenn man einen solchen Fehler begangen hat, und dann auch die Vergebung."

Mit Blick auf diese Geschichte empfiehlt Augustinus seinen Lesern:

Hier verdient eher die Besserung als die Heuchelei des Petrus Nachahmung, so wie man lieber seine Tränen als seine Verleugnung nachahmen soll. (Augustinus)

Eigene Anforderungen an die Moral

Zeit, die Bibel zuzuklappen, um andere Bücher zu öffnen. Zunächst: Das Buch des Lebens, in dem manchmal kein Raum bleibt, um über Moral oder Ethik, über Pro und Contra des eigenen Handelns nachzudenken, bevor die Entscheidung fällt: Lügen oder nicht lügen.

"Lügen ist unmoralisch, das stimmt. Aber es gibt Ausnahmen, wo der Mensch berechtigt ist, sich sogar mit einem Regiment von Lügen zu umhüllen, um sein Leben zu retten. Das hab ich getan."

Salomon Perel, geboren im Jahr 1925, war noch ein Junge, als ihm die schicksalhafte Frage gestellt wurde: Bist du ein Jude? In Sekundenschnelle musste er sich zwischen der Treue zu seinem Glauben und der Rettung seines Lebens entscheiden.

Perel: "Das war ein schicksalhafter Moment meines Lebens, wo zwischen Tod und Leben nur 'ne Haarweite war. Ich wurde gefragt von deutschen Soldaten, die Juden aussortierten zum Erschießen in einer Masse von Flüchtlingen. Und als er mich fragte, ob ich Jude bin, da war mir klar, wenn ich ihm die Wahrheit antworte, bin ich in fünf Minuten erschossen. Aber ich hatte ja ein Problem: Als ich mich von meinen Eltern verabschiedete, hat mein Vater gesagt: Unter jeden Umständen bleibe gläubiger Jude, nur dann wird dich Gott beschützen. Und meine Mutter hat mir gesagt: Du sollst leben.

Nun als mich der Deutsche fragte, bist du Jude - war der erste Blitz, der mir durch den Kopf ging: Mein Vater hat mir gesagt, bleib immer Jude, sonst verlässt dich Gott. Aber mir war auch klar, dass ich die Wahrheit nicht sagen darf. Und dann hörte ich auch die Stimme meiner Mutter, die gab mir so ein Gefühl, als ob ein Schutzengel hereinkam, und da hab ich einfach diese Lüge, kam mir ganz plötzlich, hab ich gesagt: Nee, ich bin kein Jude, ich bin volksdeutsch. Eine kleine Lüge, die aber mein Leben gerettet hat. Weil das Wunder geschah, der deutsche Soldat hat mir geglaubt."

Salomon Perel, der sich Sally nennt, hat nicht nur diese eine kurze und lebensrettende Lüge ausgesprochen. Er schlüpfte in die Kleider des Feindes, wechselte scheinbar die Seite und lebte als Hitlerjunge in Nazideutschland. Erst nach seiner Pensionierung traute sich der inzwischen in Israel lebende Perel, von dieser Zeit in seinem Leben zu sprechen. Mit seinem Buch "Hitlerjunge Salomon" brachte er seine Geschichte an die Öffentlichkeit.

Perel: "Die frommen Juden sagten: Gott wollte, ich sollte überleben als Zeichen der Ewigkeit des Volkes Israel, und die Säkularen sagen, es war ein berechtigter Kampf ums Überleben, sie würden auch genau so handeln. Aber es gab auch einige kritische Bemerkungen. Mir wurde mal gesagt, ich hab unmoralisch gehandelt, ich hab meine Religion verleugnet – da sagte ich: Welche Moral predigst du mir hier? Sollte ich wirklich deiner Moral nach diesem Soldaten, der mich fragt, ob ich Jude bin, die Wahrheit sagen – ich bin Jude, bitte schieß mich tot? Ich wollte nicht moralisch sterben, ich wollte moralisch überleben."

Wahrheitsanspruch als Moralkeule

Es scheint glasklar, dass den Jungen Perel sowie unzählige andere unschuldig Verfolgte und ihre Helfer keinerlei Schuld trifft. Und doch gab es im Lauf der Jahrhunderte genau zu solchen Fällen Diskussionen. Im Christentum, in der philosophischen Ethik – und im Islam.

Meidet Gräuel von den Götzenbildern und meidet lügnerisches Wort. (Aus dem Koran – Sure 22)

Der Prophet sagte: Wenn der Diener lügt, entfernt sich der Engel von ihm eine Meile weit wegen des Gestanks dessen, was er begangen hat. (Aus den Hadithen)

Hock: "Grundsätzlich muss man sagen, wenn man die Vielfalt der koranischen Aussagen, wenn man da die Summe zieht, muss man sagen, es ist eindeutig, es soll, es darf nicht gelogen werden. Schwierigkeiten tauchen nur auf - und das ist mit jeder Frage des Verhaltens, auf die es keine konkrete Antwort im Koran gibt - wenn man in Dilemmata des Handelns kommt, wenn man etwa Konflikte hat zwischen unterschiedlichen Zielen."

Klaus Hock, Religionswissenschaftler mit Schwerpunkt Islam an der Universität Rostock.

Hock: "Darf ein Prophet in einer bestimmten Situation lügen, um die Sache Gottes sozusagen zu retten? Da gibt es eben keine eindeutige Handlungsanweisung, sondern da muss ich dann darüber in den Diskurs treten und das haben die islamischen Gelehrten über die Jahrhunderte gemacht."

Die islamische Beschäftigung mit der Frage nach Lüge und Wahrheit enthält, ebenso wie die christliche Ethik, die große Frage nach der Rechtfertigung der Notlüge. Dabei wird - wie in allen ethischen Fragen - der Koran herangezogen, der aus muslimischer Sicht die direkte Botschaft Gottes wiedergibt, und auch die Hadithe, die überlieferten Worte und Taten des Propheten Mohammed. Ihnen wird eine ähnlich hohe Bedeutung beigemessen wie dem Koran. Eine ganz eindeutige Haltung zur Notlüge lässt sich daraus nicht ableiten:

Hock: "Es gibt Positionen, die sagen: Ich muss in so einer Situation dann eben notfalls sterben, zum Märtyrer werden, weil ich muss an der Wahrheit festhalten, während andere sagen: nein, das geht nicht, wenn es wirklich für die bessere Sache dienlich ist, dann ist eine Notlüge legitimiert - und dann gibt es dann viele Narrative, die dann verschiedene Situationen durchspielen und dann entsprechend zu der einen oder anderen Antwort kommen."

Die Lüge ist an manchen Stellen besser als die Wahrhaftigkeit. Siehst du etwa, dass wenn ein Mann mit dem Schwert hinter einer Person her rennt um sie zu töten, und sie in ein Haus geht und er zu dir kommt und sagt: "Hast du den und den gesehen?" Was sagst du dann? Sagst du nicht: "Ich habe ihn nicht gesehen?" Du würdest nicht die Wahrheit sagen und dies ist eine obligatorische Lüge. (Al Ghazali)

"Dann darf ich lügen, weil der hohe Wert des menschlichen Lebens höher ist als sozusagen die Lüge. Das wäre ein Beispiel, wo es diskutiert wird - aber es gibt auch andere Meinungen, die eben sagen: Nein, das geht nicht, man muss wirklich so konsequent sein, weil sozusagen die Integrität des Ganzen würde durch die Lüge erschüttert werden."

Lügen, wenn jemand unschuldig verfolgt wird

Das Beispiel mit dem unschuldig Verfolgten findet sich bei Al Ghazali, einem islamischen Philosoph und Mystiker, geboren im 11. Jahrhundert. In seinem Buch "Wiederbelebung der Religionswissenschaften" schreibt er außerdem:

Nur in drei Angelegenheiten ist es erlaubt zu lügen. Wenn jemand etwas sagt, um zu schlichten, im Krieg und wenn jemand seiner Frau etwas erzählt oder sie ihrem Gatten.

Auf manchen christlichen Internetseiten werden solche Zitate als Beleg dafür verwendet, dass der Islam allgemein eine Religion sei, die Lügen erlaube und sogar empfehle, wenn es darum geht, einen Vorteil zu erlangen oder den so genannten Ungläubigen in die Irre zu führen.

Hock: "Und das wird dann begründet mit ziemlich großem Aufwand und beliebig auf irgendwelche Texte oder sonst was verwiesen, um zu zeigen, die Muslime haben doch irgendwie 'ne geheime Agenda , dass die Muslime ihre eigentlichen Absichten verheimlichen würden, und die nicht offen rauslassen würden. Als ich nach Rostock kam, schon fast 20 Jahre her, hatte ich im Rahmen der Seniorenakademie einen Vortrag, wo dann jemand nach meinem Referat aufstand und sagte: 'Also, Herr Hock, was Sie uns erzählten, das kann doch so nicht ganz stimmen – wie der Mohammedaner wirklich ist, das weiß man doch schon seit Karl May.'"

Genährt werden solche anti-muslimischen Vorurteile unter anderem durch das oft zitierte Prinzip der Taqiyya, einer Form von erlaubter Schutzlüge. Die Taqiyya stammt aus der Zeit, in der die schiitischen Muslime, die Mohammeds Schwiegersohn Ali als rechtmäßigen Nachfolger ansehen, der Verfolgung durch die sunnitische Mehrheit ausgesetzt waren.

Hock: "Im Laufe der Zeit hat sich das eben durchgesetzt, dass die Taqiyya dann eine legitime Form für Schiiten war, in dem mehrheitlich nicht schiitischen Umfeld ihre Identität zu verbergen und von daher sich zu schützen und ihre Gemeinschaft  zu schützen."

Klaus Hock legt allerdings großen Wert darauf, dass die Diskussion um Lüge oder Wahrheit, so wie alle ethischen Fragen, im Islam ebenso intensiv geführt wurden - und noch werden - wie in der christlichen Ethik.

Hock: "Was man allen zugutehalten muss, egal ob man jetzt deren Position teilt oder nicht - also in den 15 Jahrhunderten islamischer Diskussion darüber: Ne große Ernsthaftigkeit, eine große Tiefe und eine große Reflexion, deshalb hat sich's niemand jemals einfach gemacht im Islam, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Und was mich eigentlich fasziniert hat, dass die Diskussionen doch teilweise sehr ähnlich sind wie im christlichen Kontext. Oder auch in den philosophischen Überlegungen, die da auftauchen."

Es ist eine Pflicht, die Wahrheit zu sagen. Der Begriff der Pflicht ist unzertrennbar von dem Begriff des Rechts. Da, wo es keine Rechte gibt, gibt es keine Pflichten. Die Wahrheit zu sagen, ist also eine Pflicht, aber nur gegen denjenigen, welcher ein Recht auf die Wahrheit hat. Kein Mensch aber hat Recht auf eine Wahrheit, die anderen schadet. (Constant)

Das schrieb der französische Philosoph Benjamin Constant im Jahr 1797. Das Beispiel, das er anführt, ist dasselbe, das auch Al Ghazali im 12. Jahrhundert heranzog: Der Mörder, der mich fragt, ob sich sein potentielles Opfer in meinem Haus versteckt, hat kein Recht auf Wahrheit. Er darf also angelogen werden. Constant richtet sich damit gegen ein Traktat von Immanuel Kant, in dem dieser die Lüge als Unrecht abgelehnt hatte. Der deutsche Philosoph kontert:

Zuerst ist anzumerken, dass der Ausdruck "ein Recht auf die Wahrheit zu haben" ein Wort ohne Sinn ist. (Kant)

Dietz: "Kant zum Beispiel findet, dass es auch Pflichten gegen sich selbst gibt und dass man sich selbst auch moralisch behandeln muss, und das ist eines seiner wichtigsten Argumente gegen das Lügen. Er meint, man würde sich selbst missbrauchen als bloße Sprachmaschine und man hätte aber die Sprache, um wahrhaftig zu sein."

Kant: Die Lüge also bedarf nicht des Zusatzes, dass sie einem anderen schaden müsse. Denn sie schadet, wenn gleich nicht einem anderen Menschen, doch der Menschheit überhaupt.

Lüge als Verbrechen an der Sprache

Sprich – laut Kant hat auch der Mörder ein Recht auf ein klares Ja oder Nein. Eine Lüge gegen den Verfolger sei ein Verbrechen an der Wahrheit als solcher und an der Sprache, die im Dienste der Wahrheit steht.

Dietz: "Er meint eben, letztendlich bin ich ja nicht für das verantwortlich, was die dann tun. Das ist ja immer noch deren Straftat sozusagen und ich habe nur das getan, was ich tun musste."

Rund 1400 Jahre vor Kant hatte Augustinus den gleichen Standpunkt vertreten. Auch er hatte das Beispiel mit dem unschuldig Verfolgten herangezogen und kam ebenfalls zu dem Schluss, dass dieser ausgeliefert werden müsse, wenn der Mörder nach ihm frage. Schuld an dem Mord, sollte er geschehen, seien immer noch die Mörder. Die eigene Seele zu retten sei höchste Pflicht des Befragten.

Der Tod, vor dem törichterweise die Menschen sich fürchten, die sich vor der Sünde nicht fürchten, tötet ja nicht die Seele, sondern den Leib. Der lügenhafte Mund hingegen tötet nicht den Leib, sondern die Seele. Folglich wäre es ganz verkehrt zu sagen, der eine müsse geistigerweise sterben, damit der andere das leibliche Leben behalte. (Augustinus)

Augustinus fügt noch hinzu, der vom Tode Bedrohte werde sicher gerne sein ohnehin vergängliches Leben hingeben, damit der andere seine Seele retten könne. Schließlich sei ja auch Jesus Christus gestorben, um die Seelen der Menschen zu retten. Die Lüge dagegen töte die Seele des Menschen durch eine Entzweiung seiner selbst.

Leonhardt: "Eine Lüge entsteht dann, wenn jemand etwas sagt. Er sagt - und jetzt kommt Augustinus - etwas anderes, als er eigentlich meint, als er eigentlich weiß. Da spricht Augustinus vom doppelten Herzen, also es ist eine Selbstentzweiung."

Diese Selbstentzweiung sei eine Sünde gegen Gott, so wie der Missbrauch der Sprache durch das Lügen- für Kant - ein Verbrechen gegen die Wahrheit selbst wäre. Rochus Leonhardt zweifelt daran, dass eine Lüge gegen Gott überhaupt möglich ist. Und zieht wieder Luther heran:

Leonhardt: "Man kann ihn nicht belügen, und Luther würde viel eher sagen, man kann ihn eigentlich auch nicht dadurch beeindrucken, dass man nie lügt. Sondern da würde Luther eben sagen: Okay, du hast zwar jetzt in deinem ganzen Leben nie gelogen aber guck mal, was dadurch jetzt für Schaden entstanden ist. Sozusagen im zwischenmenschlichen Bereich, also zu seinem Nächsten."

Immanuel Kant und Augustinus wussten um Krieg, Diktatur und Tyrannei. Trotzdem hielten sie an ihrem absoluten Wahrheitsanspruch fest. Dietrich Bonhoeffer, selbst ein Opfer von Verfolgungen, schrieb im Herbst 1943, während seiner Haft in der Tegeler Zelle einen Aufsatz über die Wahrheit:

Von dem Zeitpunkt unseres Lebens an, in dem wir der Sprache mächtig werden, lehrt man uns, dass unsere Worte wahr sein müssen. Was heißt das? Was heißt 'Die Wahrheit sagen'? Was fordert es von uns?

Ein Beispiel: Ein Kind wird von seinem Lehrer vor der Klasse gefragt, ob es wahr sei, dass sein Vater oft betrunken nachhause komme. Es ist wahr. Aber das Kind verneint es.

Vielfalt des Wahrheitsbegriffs

Bonhoeffers Geschichte fächert – und das ist seine Absicht – die Vielfalt des Wahrheitsbegriffes auf. Darf ein Lehrer eine solche Frage überhaupt stellen? Dazu haben sich Kinder einer vierten Klasse  geäußert.

Kinder: "Dann vielleicht eher mal alleine, also uns dann in den Nebenraum bitten und uns da das fragen und nicht vor der ganzen Klasse." - "Oder einfach nicht direkt fragen: Kommt dein Vater jeden Abend betrunken nachhause, sondern einfach: Stimmt was zuhause nicht? Also nicht direkt so extreme Fragen stellen." - "Ich hätte Nein geantwortet, weil man hat ja auch Privatsphäre und dafür hat der Lehrer auch kein Recht, dich einfach zu Fragen und dann deine Familie vielleicht ausgelacht wird oder sowas."

Inka Cramm, Grundschullehrerin: "Wenn das Kind in dem Moment merkt, für mich ist es jetzt schützenswerter, zu sagen, das stimmt nicht, aus Scham vor der Klasse, aus Angst vor den Konsequenzen, das ist immer eine Gratwanderung, zu gucken, wie weit vertuscht man dann die Wahrheit, oder welche Wahrheit tut gut?"

Rochus Leonhardt, Ethiker:"Man muss sagen, dass das Kind in dieser Geschichte natürlich gegen die Wahrhaftigkeitspflicht verstoßen hat. Und Bonhoeffer rechtfertigt dieses unwahrhaftige Verhalten dadurch, dass er sagt: Der Übergriff ist von Seiten des Lehrers erfolgt, der im Grunde genommen sich mit seiner Frage in den privaten Bereich der Familie hineinbegeben hat, in dem er nichts zu suchen hat. Und in dem Moment, in dem der Lehrer das ignoriert, hat er es auch nicht verdient, dass man ihm gegenüber wahrhaftig ist."

Bonhoeffer: Man kann nun zwar die Antwort des Kindes eine Lüge nennen; trotzdem enthält diese Lüge mehr Wahrheit, das heißt sie ist der Wirklichkeit gemäßer, als wenn das Kind die Schwäche seines Vaters vor der Schulklasse preisgegeben hätte. Dem Maße seiner Erkenntnis nach hat das Kind richtig gehandelt. Die Schuld als Lüge fällt allein auf den Lehrer zurück.

Der sich sofort stellende Einwand, man schulde die wahrheitsgemäße Rede doch nicht diesem oder jenem, sondern allein Gott, ist richtig – sofern nur dabei nicht außer Acht gelassen wird, dass eben Gott kein allgemeines Prinzip ist, sondern der Lebendige, der mich in ein lebendiges Leben gestellt hat.

Ein endgültiges Urteil zur Legitimität der Lüge wird es wohl niemals geben. Zu unterschiedlich sind die Auffassungen darüber, was Wahrheit ist und wer das Recht hat, sie zu erfahren; ob man nur Gott oder sich selbst gegenüber zur Wahrheit verpflichtet ist, oder auch den Mitmenschen gegenüber. Die Regeln für die Entscheidung über Lüge und Wahrhaftigkeit, die für ein soziales Miteinander nötig sind, handeln wir im Kleinen wie im Großen jeden Tag neu aus. Auch dann, wenn wir überzeugt sind, über absolute Grundsätze oder göttliche Gesetze zu verfügen.

Kinder: "Das ist halt dann auch ziemlich schlimm über eine längere Zeit zu lügen, weil dann liegt einem das auf dem Herzen und dann muss man es halt irgendwo ausplappern, und dann geht es einem eigentlich schon viel besser."

Dietz: "Man muss sich nicht nur überlegen: in welcher Situation hab ich einen guten Grund zu lügen, sondern ich muss mir auch überlegen: In was für eine Situation bring ich mich? Kann ich das tatsächlich noch kontrollieren?"

La Rosée: "In der Familie, gerade in der Familie, wo man so ein enges Vertrauensverhältnis miteinander hat, ist die Basis des Miteinander-Umgehens Ehrlichkeit."

Kinder: "Man erzählt ja auch manchmal nicht die Wahrheit, oder die Eltern erzählen einem ja auch nicht die Wahrheit, aber manchmal können die Eltern auch mal Spaß machen und einfach was Verrücktes erzählen. Einfach dass man bisschen mehr Fantasie oder so bekommt."

Religionen

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