Sonntag, 2. August 2015MESZ00:16 Uhr

Interview

Vor 25 Jahren: Einmarsch in Kuwait"Man dachte, Kriege sind machbar"
Golfkrieg von 1991 - US-Streitkräfte: Ein amerikanischer Schützenpanzer vor brennenden Ölfeldern nahe der kuwaitisch-irakischen Grenze am 2.3.1991. Die Golfkrise hatte am 2.8.1990 mit dem Einmarsch irakischer Truppen nach Kuwait begonnen. Der UN-Sicherheitsrat forderte daraufhin am 29.11.1990 den Irak auf, seine Truppen bis zum 15.1.1991 aus Kuwait zurückzuziehen. Nach Ablauf des UN-Ultimatums begannen am 17.1.1991 alliierte Streitkräfte unter der Führung der USA mit der Bombardierung Bagdads. Der Golfkrieg endete nach dem Einlenken Iraks am 28.2. 1991 mit der Einstellung aller Kampfhandlungen. Am 20..3.2003 haben amerikanische und britische Truppen einen neuen Krieg gegen den Irak begonnen. (picture alliance / dpa / epa / afp)

Am 2. August 1990 startete der irakische Diktator Saddam Hussein den Einmarsch ins Nachbarland Kuwait. Die UN nahm den Bruch des Völkerrechts nicht hin. Der frühere Nahostkorrespondent Ulrich Tilgner hält den folgenden Irakkrieg 1991 für die Grundlage der fatalen Entwicklung in der Region.Mehr

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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.11.2009

Ludwig: Schweinegrippe-Impfung für Allgemeinheit nicht zu empfehlen

Vorsitzender der Arzneimittelkommission kritisiert Abhängigkeit von Pharmaindustrie

Ein Arzt zeigt einen Nasenabstrich eines Patienten mit den typischen Schweinegrippesymptomen. (AP)
Ein Arzt zeigt einen Nasenabstrich eines Patienten mit den typischen Schweinegrippesymptomen. (AP)

Wolf-Dieter Ludwig, Chefarzt am Klinikum Berlin-Buch und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, empfiehlt, eine Schweinegrippe-Impfung nur für einen ausgewählten Personenkreis in Betracht zu ziehen.

Ihm dränge sich der Verdacht auf, dass "sehr, sehr hysterisch" mit dieser Bedrohung umgegangen werde, sagte Ludwig. Insbesondere die Zahlen aus der südlichen Hemisphäre, wo die Grippe-Saison bereits abgelaufen sei, legten dies nahe. Dort habe es nur eine geringe Anzahl an schwerwiegenden Erkrankungen und Todesfällen gegeben. Auch bei den in Deutschland aufgetretenen Todesfällen sei der ursächliche Zusammenhang zwischen der Infektion und dem Tod nicht bewiesen. "Wir wissen, dass einige dieser Gestorbenen schwere chronische Erkrankungen hatten, so dass durchaus auch andere Ursachen zum Tod geführt haben können."

Ludwig hält es für sinnvoll, dass man zunächst die beiden Gruppen, "die von der Impfkommission empfohlen wurden – also Beschäftigte im Gesundheitsdienst oder Personen mit schweren chronischen Erkrankungen, zum Beispiel der Atmungsorgane oder des Herzkreislaufsystems, – ausführlich über die derzeitige Lage informiert, weiterhin über den Verlauf und dann in einem gemeinsamen Gespräch mit diesem Personenkreis entscheidet, ob man eine Impfung durchführt oder nicht. Für alle anderen würde ich im Augenblick die Impfung nicht empfehlen."

Dass die Impfstoffe ausreichend getestet wurden, glaubt der Vorsitzende der Arzneimittelkommission nicht. Die Behörden hätten nach der Ausrufung der Pandemie sehr schnell reagieren müssen, weshalb dies in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen sei. Ludwig: "Tatsache ist, dass insbesondere der Impfstoff, der jetzt verimpft wird in Deutschland, nur an ganz wenigen Personen vor der Zulassung getestet wurde und dass die wesentlichen Erkenntnisse zu den Impfstoffen jetzt natürlich aus einem Versuch nach der Zulassung resultieren müssen – nämlich aus der Impfung von vielen Hunderttausenden in Deutschland und anderen europäischen Ländern." Man müsse sich die Frage stellen, "ob man vor dem Hintergrund dieser angeblichen Bedrohung wirklich unter einem so großen Zeitdruck stand oder ob man nicht etwas vernünftiger und etwas langsamer hätte entscheiden können."

Für heikel hält Ludwig in diesem Zusammenhang auch die mangelnde Unabhängigkeit zahlreicher Experten in den maßgeblichen Kommissionen. "Leider fehlt die Transparenz, sowohl für die Weltgesundheitsorganisation als auch für Behörden in Deutschland – auch für die ständige Impfkommission." Es habe sehr lange gedauert, bis die Interessenkonflikte der Mitglieder der ständigen Impfkommission offen gelegt wurden. Er halte es für sehr problematisch, wenn öffentliche Behörden sich auf Experten bezögen, die eine Vielzahl von Kontakten zur Pharma-Branche haben. Ludwig: "Wir befinden uns in einer Abhängigkeit von der pharmazeutischen Industrie – gerade auch bei den Impfstoffen –, die sicherlich für uns ungünstig ist und die auch erhebliche, nicht nur ökonomische Risiken in sich birgt."

Sie können das vollständige Gespräch mit Wolf-Dieter Ludwig mindestens bis zum 03.04.2010 in unserem Audio-on-Demand-Angebot hören. MP3-Audio