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24.08.2014, 00:05 Uhr Literatur
Tödliche Intrigen am Quai des Orfèvres
Französische Krimiautoren demontieren Behörden, Unternehmen und die „ehrenwerte Gesellschaft“
Von Sigrid Brinkmann

Der Goncourt-Preisträger Pierre Lemaître sieht sich als Wutschriftsteller, und Dominique Manotti attackiert die Auswüchse des Kapitalismus.
Der Goncourt-Preisträger Pierre Lemaître begreift sich als Wutschriftsteller und klagt eine Unternehmenspolitik an, die Manager als „manipulative Waffen"gegen die Belegschaft einsetzt. Dominique Manotti und ihr Schriftstellerkollege, der unter dem Künstlernamen DOA schreibt, attackieren die Auswüchse eines zunehmend menschenverachtenden kapitalistischen Systems und die todbringenden Schachzüge der rivalisierenden Ermittlungsbehörden. Von Krimis, behauptet die Juristin Emilie de Turckheim, verstehe sie nicht das Geringste. Dennoch ist der 33 Jahre alten Autorin mit „Im schönen Monat Mai“die überzeugende Charakterstudie eines scheinbar tumben, in Wirklichkeit aber gerissenen Mörders gelungen. Kein Wunder, denn seit über zehn Jahren besucht sie regelmäßig Gefangene in der zweitgrößten Haftanstalt Frankreichs. Die Romandebütantin Julia Deck verabscheut Opferfiguren zutiefst: Ihre hochgradig verwirrte Heldin führt Schnitte mit einem scharfen Messer aus. Die Tatwaffe war ein Hochzeitsgeschenk.

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