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21.09.2014, 00:05 Uhr Literatur
Luftlinien
Über gute und böse Winde, Atemluft und den Traum vom Fliegen
Eine literarische Erkundung
Von Jörg Magenau

Ein Element in der Literatur: von Don Quijotes Kampf mit den Windmühlen über Thomas Manns Lungensanatorium bis zur Luftverschmutzung in Monika Marons „Flugasche".
Ohne Luft kein Leben. Vom ersten Schrei bis zum letzten Seufzer: Der Mensch ist ein Luft-Wesen. Luft ist als das unsichtbare Element nur schwer zu greifen. Lange Zeit war es nicht selbstverständlich, dass da etwas ist und nicht vielmehr nichts. Nur indirekt war sie zu erfahren im Wind, im Sturm, im Flattern der Segel und der Fahnen oder in den Bewegungen von Rauch, Wolken und Vögeln. Man musste sich die Götter gewogen halten, damit sie günstige Winde schickten. Agamemnon war bereit, dafür seine Tochter Iphigenie zu opfern. Die Gefährten des Odysseus öffneten die Schläuche, in denen die Winde gefangen waren und zerstörten damit die Hoffnung auf rasche Rückkehr in die Heimat. Mit Dädalos und Ikaros beginnt die Geschichte der technischen Eroberung der Luft und der Traum vom Fliegen als Freiheit. Jörg Magenau verfolgt die Luftlinien in der Literaturgeschichte, die über Don Quijotes Kampf mit den Windmühlen und Thomas Manns Lungensanatorium im "Zauberberg" bis zu Thomas Bernhards "Atem" und der Luftverschmutzung in Monika Marons "Flugasche" reichen. Dass auch das Schreiben für manche Autoren nichts anderes ist als Atmen, fügt der Luft noch eine weitere existenzielle Dimension hinzu.

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