Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 22.02.2010

Liebesfalle im Internet

"Romance-Scammer" betrügen einsame Singles

Von Anne Waltermann

Im Internet lauern auch Liebesfallen. (Stock.XCHNG / Norbert Machinek)
Im Internet lauern auch Liebesfallen. (Stock.XCHNG / Norbert Machinek)

In Online-Partnerbörsen sind nicht nur einsame Herzen unterwegs, sondern auch Betrüger. "Romance-Scammer" gaukeln Liebe und Verständnis vor, um dann ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Carola Busskamp ist 58 und lebt in Gronau, einer Stadt an der holländischen Grenze. Sie ist seit acht Jahren Witwe und wünscht sich wieder einen Mann an ihrer Seite. Bei einer Internet-Single-Börse lernt sie Derrick kennen.

Das Profilfoto zeigt einen attraktiven, sportlichen, jungenhaft lächelnden Mann. Seine persönlichen Angaben lauten: Ende 40, Witwer, erfolgreicher Unternehmer, er lebt in England. Derrick umwirbt die zehn Jahre ältere Carola

"Obwohl Derrick jünger war, sagte er, das mache ihm nichts aus, seine verstorbene Frau sei auch älter gewesen, er liebe Deutschland. Es kommen so viele Faktoren zusammen, dass man im Grunde alles ausschaltet und nicht auf eine warnende Stimme hören will. Ich habe wirklich gedacht, das große Glück."

Derricks Mails sind einfühlsam und romantisch, Rosen umranken seine Liebeschwüre. Carola Busskamp chattet täglich mit ihm, wenn sie morgens ihren Rechner einschaltet, wartet schon eine Liebeserklärung auf sie. Doch für Carola Busskamp soll es kein Happy End geben. Derrick ist ein Romance- oder Love-Scammer.

Derricks Liebesschwüre sind psychologisch geschickt aufgebaut, sie sollen Vertrauen und Abhängigkeit schaffen. Dazu Gerhild von Müller, Psychologin und Therapeutin aus Köln

"Dadurch, dass via Internet so eine persönliche Präsenz im Alltag möglich ist, dass man zu allen möglichen Tageszeiten eine Mail schicken kann, anrufen kann, mit einander kommunizieren kann, kann es vorkommen, dass man regelrecht süchtig wird, wieder ein liebes Wort zu hören."

Sobald das Opfer verliebt und gefügig ist, erfindet der Betrüger eine vermeintliche Notlage, damit ihm das Opfer Geld schickt, so auch bei Carola Busskamp. Angeblich muss Derrick geschäftlich nach Ghana, wo ihm dann Gepäck und Kreditkarte gestohlen werden.

Er gibt vor, in großer Not zu sein und bittet Carola Busskamp um 10.000 Euro, doch die 58-jährige Witwe hat nicht so viel Geld. Derrick zieht alle Register, um sie unter Druck zu setzen. Er zweifelt an ihrer Liebe.

"Ich hab mich so unter Druck gesetzt gefühlt von ihm, dass ich 5000 Euro per Western Union geschickt habe. Dann bekam ich es mit der Angst zu tun, nachdem ich das Geld geschickt hatte. Dann habe ich gegoogelt im Internet. Dann sind tausend Alarmglocken bei mir angegangen."

Im Netz findet Carola Busskamp das Selbsthilfe-Forum "Contra-Romance-scam.de", in dem Scamming-Opfer die Profile der Betrüger austauschen können.

"Da habe ich dann als Besucher erst einmal geguckt und habe Fotos entdeckt, die Derrick zeigten und da habe ich gedacht, was bin ich blöd gewesen, bin auf einen Betrüger reingefallen."

Ute Mickerts aus Stuttgart wurde selbst Opfer eines Internet-Love-Scammers und hat das Selbsthilfe-Forum gegründet. Sie weiß, wie leicht einsame Menschen auf die virtuellen Heiratsschwindler hereinfallen.

"Ich betreibe das Forum seit dem 14.5.2008, wir sind inzwischen 480 Mitglieder mit einem Gesamtschaden von etwas mehr als 7 Millionen Euro."

Romance-Scamming ist nur eine von vielen Betrugsmaschen im Internet – doch sie eine besonders fiese Abzocke, weil sie die Gefühle von einsamen Menschen ausnutzt. Die Betrüger arbeiten von Nigeria und Ghana aus.

Eine Strafanzeige bei der deutschen Polizei hat nur geringe Aussicht auf Erfolg. Harald Schmidt von der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes:

"Das muss man leider Gottes zugeben, dass das hier sehr schlecht ist - die Ermittlungserfolge, dass hier nur der Weg für den Rechtshilfeverkehr möglich ist und oft bieten sich hier auch nicht die notwenigen Ermittlungsansätze, weil der über online hergestellte Kontakt über weitverzweigte Server im Ausland erfolgt und so eine Rückverfolgung schwierig ist."

Die Täter können nicht ermittelt werden, das erschwindelte Geld ist verloren. Dazu kommt das verletzende Wissen, um seine Gefühle betrogen worden zu sein. Die Psychologin und Therapeutin Gerhild von Müller:

"Wenn dem Opfer klar wird, dass es einem Schwindel aufgesessen ist, löst das heftigste Gefühle aus, viel Scham, viel Enttäuschung, Wut. Diese Personen gehen dann durch eine Achterbahn der Gefühle und sind häufig so beeinträchtigt, dass sie gar nicht mehr arbeitsfähig sind und sich über Monate hinweg quälen."

Hilfe bietet Ute Mickertz in ihrem Selbsthilfe-Forum an. Hier können Scamming-Opfer ihre Erfahrungen austauschen. Ute Micketz hat schon so viele Scammer-Profile gesehen, für Scammer hat sie inzwischen einen sicheren Blick entwickelt.

"Der Kerl auf dem Foto ist zu schön um wahr zu sein, die Fotos, die sehr klein sind, Briefmarkengröße, garantiert Scammer dahinter, sehr schwülstige, pathetische Mails, das sind so Kennzeichen."

Und wenn der Verehrer dann auch noch um Geld bittet, sollten alle Alarmglocken angehen - egal, wie plausibel seine Notlage auch klingen mag.

Elektronische Welten

MedizinKrank gespielt
Eine Geige, eine Flöte, eine Mundharmonika und ein Banjo liegen auf einem Notenblatt.   (picture-alliance / dpa / Wolfgang Thieme)

Einige leiden unter Kreuzschmerzen, andere bekommen verkrümmte Finger: Viele Musiker leiden unter Berufskrankheiten. Wissenschaftler der ETH Zürich wollen den Ursachen häufiger Beschwerden auf den Grund gehen.Mehr

EmpfehlungenAbenteuer, Strategie, Denkspiel
Das Exemplar einer durchsichtigen Sonderedition des ersten Gameboys ist am 14.04.2014 im Computerspielmuseum in Berlin in einer Vitrine zu sehen. (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Im Sommer gibt es wenig Neues auf dem Spielemarkt, wir haben dennoch drei Spiele gefunden. Man kann sich als strategisch denkender Ermittler austoben, sich auf eine gefährliche Insel begeben oder ein Männchen durch ein Level zum Ausgang führen. Mehr

GefahrgutEin Roboter für den Treibstofftransport
Mitarbeiter in der PCK Raffinerie GmbH im brandenburgischen Schwedt  (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

Roboter gibt es heute in vielen Bereichen. Auch die Raffinerie im brandenburgischen Schwedt will künftig eine mobile Maschine einsetzen. Dort soll sich ein Roboter sogar in komplexen Situationen von selbst zurechtfinden.Mehr

weitere Beiträge

Wissenschaft und Technik

Drogen"Kommt ein guter Rauch"
Vier E-Shishas (dpa / picture alliance / Daniel Reinhardt)

Eine E-Shisha ist wesentlich kleiner als die orientalische Wasserpfeife und ähnelt in der Funktion einer elektronischen Zigarette. Die meist sehr bunten elektronischen Shishas machen Jugendliche glücklich − Eltern und Suchtexperten sind hingegen besorgt.Mehr

weitere Beiträge

Breitband

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur