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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 08.12.2008

Liebeserklärung an den Comic

Art Spiegelman: "Breakdowns. Portrait des Künstlers als %@*!", S. Fischer Verlag 2008, 84 Seien

Der US-amerikanische Comiczeichner Art Spiegelman.
Der US-amerikanische Comiczeichner Art Spiegelman. (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Art Spiegelman ist berühmt geworden für seinen Holocaust-Comic, in dem er Juden als Mäuse zeichnet und die Geschichte seiner Verwandten verarbeitet. Was zunächst für Empörung sorgte, gilt inzwischen als neues Genre: der seriöse Comic. Mit "Breakdowns" hat Spiegelman jetzt seine Autobiografie herausgebracht.

"Für mich ist es ein Manifest, ein Tagebuch, ein zerknitterter Abschiedsbrief und eine immer noch glühende Liebeserklärung an ein Medium, das ich verehre."

Der Comic-Künstler Art Spiegelman schreibt das in seinem Buch "Breakdowns. Porträt des Künstlers als %@*!". Mit diesem großformatigen Prachtband hat Spiegelman eine Art Autobiografie gezeichnet und geschrieben, eine Auseinandersetzung mit seiner Herkunft und seinem Durchbruch als Comic-Künstler. Außerdem zeigt dieser Band das Frühwerk von Art Spiegelman, das Reprint seines Albums "Breakdowns".

1978 hatte Art Spiegelman dieses Album zuerst veröffentlicht, als Sammlung der ersten Arbeiten, die er selbst gelten lassen wollte. Am Anfang dieser Sammlung steht eine dreiseitige Skizze, der erste Entwurf für das Werk, das Spiegelman später in der ganzen Welt berühmt gemacht hat: die ersten Seiten seines "Maus"-Comics.

13 Jahre lang hat er danach an seinen Hauptwerk gearbeitet, 1986 und 1991 sind die beiden "Maus"-Bände erschienen. Diese Comic-Bücher behandeln Art Spiegelmanns Lebensthema, das Martyrium seiner jüdischen Familie in den deutschen Konzentrationslagern, die Emigration in die USA und das Weiterleben mit einer erdrückenden Erinnerung an Tod und Gewalt.

Art Spiegelmanns Holocaust-Comic hat die Wahrnehmung dieser Kunstform grundlegend verändert. Seine Darstellung von Juden als Mäusen, von Deutschen als Katzen und Polen als Schweinen hat zuerst für Ablehnung, wenn nicht für blankes Entsetzen gesorgt. 1992 bekam er dann - als bislang einziger Comic-Künstler - den Pulitzer-Preis. Art

Spiegelman wurde berühmt als der Mann, der "Maus" gezeichnet hatte. Wenn heute in Comics ernsthaft Geschichte verhandelt wird und Romane erzählt werden können, dann ist das ganz wesentlich Art Spiegelman zu verdanken.

Wie der 1948 in Schweden geborene Spiegelman zum Comic-Künstler und zum Maus-Zeichner geworden ist, davon erzählt der neue Breakdown-Band in drei Varianten. Am Anfang des Buches steht eine Autobiografie in Comic-Form. Sie konzentriert das Leben von Art Spiegelmann auf entscheidende Momente.

1955: der kleine Art entdeckt das Comicmagazin "MAD" und mit ihm den Underground-Comic. 1968: Die Mutter von Art Spiegelman bringt sich um, ohne ihrer Familie nur ein Wort zu hinterlassen. 2004: Art Spiegelman kriecht im Schatten eines gigantischen "Maus"-Denkmals, seine eigene Schöpfung lässt ihn nicht mehr los.

Der Reprint-Teil des Buches zeigt Comic-Strips von Art Spiegelman aus den Jahren 1972 bis 77. "Gefangener auf dem Höllenplaneten" gehört dazu, eine Arbeit, die sich mit dem Tod der Mutter auseinandersetzt. Traum-Comics finden sich immer wieder, eine gezeichnete Untersuchung über das Wesen des Humors, grafische Experimente, parodistische Reflexe auf Spiegelmans Broterwerb als Erotik-Zeichner.

Die 13 Strips zeigen die verschiedenen formalen Richtungen, die Art Spiegelman ausprobiert hat, um zu einer eigenen Form des Erzählens im Comic zu finden. Er experimentiert mit expressionistischen Holzschnitten, mit Surrealismus und Kubismus, mit Nonsens und Trash. Düster, wenn nicht deprimierend sind diese Arbeiten alle, handwerklich allerdings hochinteressant. 1980 hat ein mutiger Verlag es gewagt, dieses avantgardistische Comic-Album auch in Deutschland herauszubringen, der Verlag Roter Stern, Klaus Theweleit war der Herausgeber.

"Oh, wie beneide ich diesen jungen, feurigen, tintesaufenden Künstler, den Schöpfer dieser Strips, die vor 30 Jahren in 'Breakdowns' gesammelt wurden."

In seinem ausführlichen Nachwort, dem dritten Teil des Buches, schaut Art Spiegelman noch einmal reflektierend zurück auf seine bisherige Karriere. Mit einigem Stolz schreibt er dem jungen Art Spiegelman ein entscheidendes Verdienst zu:

"Er brach jenes eine Tabu, an das sich noch keiner gewagt hatte: er wagte es, sich einen Künstler zu nennen und sein Medium eine Kunstform."

Mit dem Band "Breakdowns. Portrait des Künstlers als %@*!" kann man jetzt zurückschauen auf diesen Moment in der Comic-Geschichte.

Rezensiert von Frank Meyer

Art Spiegelman: "Breakdowns. Portrait des Künstlers als %@*!"
Übersetzt von Jens Balzer
S. Fischer Verlag 2008
84 Seiten, 29,90 Euro

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"Höflichkeit ist nicht Aufgabe des Karikaturisten“