Seit 23:05 Uhr Fazit
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 23:05 Uhr Fazit
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 14.01.2016

LiberiaRückkehr von Ebola ist nicht auszuschließen

Matthias Borchert im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting

Das Rote Kreuz in Liberia in einer Nachbarschaft in Banjor, in der Ebola-Fälle aufgetreten sind. (AFP / Dominique Faget)
Mit fast 5000 Toten hat die Ebola-Epidemie Liberia besonders hart getroffen. (AFP / Dominique Faget)

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Liberia für Ebola-frei erklärt. Nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal soll es endgültig sein. Noch bestehe allerdings die Möglichkeit von Spätansteckungen durch Überlebende, warnt der Tropenmediziner Matthias Borchert.

Westafrika ist Ebola-frei, verkündete die Weltgesundheitsorganisation WHO am Donnerstag, nachdem sie auch für Liberia, das letzte von der Epidemie betroffene Land, Entwarnung gab.

Völlige Sicherheit über ein Ende der Epidemie gebe es jedoch nicht, meint Matthias Borchert, Leiter des Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit an der Berliner Charité. So könne Ebola zurückkommen, auch seien Spätansteckungen durch Überlebende der Epidemie möglich. "ich sage nicht, dass das wahrscheinlich ist, aber völlig ausschließen kann man das nicht."

"Das Ausmaß der Epidemie ist monatelang unterschätzt worden"

Bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie sind Borchert zufolge schwere Fehler gemacht worden. So habe die internationale Gemeinschaft erst mit Verzögerung eingegriffen, nachdem im Dezember 2013 der erste Fall in Guinea aufgetreten war.

"Der gravierendste Fehler war, dass man sich nicht vorstellen konnte, was aus einem Ebola-Ausbruch werden kann, wenn man ihn nicht konsequent bekämpft. Es war ja schon so ungefähr der 25. Ausbruch, alle anderen sind klein geblieben, meistens um die 100 Fälle, mal 400, 200. Aber niemand konnte sich vorstellen, dass es zu einem Ausbruch mit knapp 20.000 Fällen werden kann. Das Problem ist monatelang unterschätzt worden."

Zu wenig Hilfe aus Deutschland

Auch die deutsche Hilfe sei zu spät angelaufen und überdies zu gering ausgefallen. Man müsse sich überlegen, wie mit öffentliche Mitteln  eine schlagkräftige Truppe von Experten und Helfern aufstellen könne, so Borchert. "Da scheint mir Deutschland jetzt nicht besonders gut organisiert zu sein im Vergleich zu anderen Ländern."

Insgesamt fielen der Ebola-Epidemie zwischen Dezember 2013 und Oktober 2015 in den drei am meisten betroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 11.000 Menschen zum Opfer. Sierra Leone wurde im November 2015 für Ebola-frei erklärt, Guinea Ende Dezember.

 

Mehr zum Thema:

Frühwarnsystem gegen Ebola - Wächter der Weltgesundheit
(Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 20.12.2015)

Zwei Jahre Ebola-Epidemie - Ende in Sicht?
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 18.12.2015)

Ebola - Wie Ärzte in Westafrika den Ernstfall trainieren
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 03.12.2015)

Interview

Mensch und NaturIst Artensterben wirklich schlecht?
Giraffenweibchen Gaia im Giraffenhaus im Zoo in Dresden (Sachsen) (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Dass einzelne Tierarten aussterben, habe es immer gegeben und sei nicht gravierend, meint der Biologe Josef Settele. Derzeit finde allerdings ein vom Menschen verschuldetes Massenartensterben statt, das dem Menschen auch selbst schade.Mehr

Mariä EmpfängnisVom Mythos Jungfrau im 21. Jahrhundert
Bildnis von Maria, die Jesus die Brust gibt. (Imago / robertharding)

Geht der Jungfräulichkeitsmythos auf einen Übersetzungsfehler zurück? Am 8. Dezember feiern Katholiken Mariä Empfängnis. Kulturwissenschaftlerin Anke Bernau erklärt die Hintergründe und warum Jungfräulichkeit vor allem in patriarchalischen Kulturen wichtig ist.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur