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Vollbild | Beitrag vom 08.11.2014

Liam Neeson"Ich hoffe, dass ich nie geprotzt habe"

Der Schauspieler Liam Neeson über Antihelden, Action und seinen Film "Ruhet in Frieden"

Moderation: Susanne Burg

(AFP)
Der irische Schauspieler Liam Neeson hat keine Angst, von Hollywood auf eine Rolle festgelegt zu werden (AFP)

In seinem neuen Film "Ruhet in Frieden" darf Liam Neeson als Ermittler wieder viel Action zeigen. Doch das ist es nicht allein, was ihm gefällt: Er möge Figuren mit Fehlern - und einem starken moralischen Kompass, verrät er.

Susanne Burg: Die Filmgeschichte ist voll von Privatdetektiven. Auch im Film werden welche zitiert, und zwar Philipp Marlowe und Sam Spade, sehr klassische Privatdetektive, Philppe Marlow war philosophisch unterwegs und hat auch gerne Schach gespielt. In welche Tradition passt für Sie Matthew Scudder?

Liam Neeson: Ich glaube, er passt in die Tradition des klassischen amerikanischen Antihelden, der eine gewisse dunkle Vergangenheit hat und der einen sehr zwiespältigen moralischen Weg nimmt. Er ist nicht nur gut und auch nicht nur böse. Er befindet sich irgendwo dazwischen. Und das scheint ein typischer amerikanischer Kinoheld seit den dreißiger und vierziger Jahren zu sein. Ich denke da an Robert Mitchum, und dann in den Sechzigern natürlich an Steve McQueen und Clint Eastwood in den Dirty-Harry-Filmen. Das waren ähnliche Figuren, die das System unterwandert haben.

Susanne Burg: Das heißt die Tradition, dass sie auch gebrochene Charaktere sind, geht für Sie schon weiter zurück oder ist das eine Entwicklung, die in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat?

Liam Neeson: Vielleicht hat sie zugenommen. In den Vierzigern und Fünfzigern sind die persönlichen Seiten des Privatdetektivs häufig nur angedeutet ,sie sind nie ausgeführt worden. Und es gab meistens eine Femme Fatale. Ich schätze mal, sie haben sich weiterentwickelt, aber grundsätzlich ähneln sie sich: Die Figuren sind besessen davon, einen Fall zu lösen. Bei Scudder ist das auf jeden Fall so. Er ist Alkoholiker mit vielen Problemen. Aber von den vielen Jahren bei der Polizei ist es in seine DNA übergegangen, brutale Verbrechen zu lösen.

Eine Szene muss sich wahr und wahrhaftig anfühlen

Susanne Burg: Ihre Figur wird einmal gefragt: Haben Sie denn jegliche Angst verloren? Wie ist das für Sie als Schauspieler, das Gefühl der Angst? Gibt es das immer noch?

Liam Neeson: Vielleicht ist Angst ein zu starkes Wort, aber du kommst nie an den Punkt, wo du nicht mehr nervös bist. Und es ist manchmal wie beim Fliegenfischen. Du gehst raus und alles klappt wunderbar und du denkst: Ich bin so gut - und beim nächsten Mal verhedderst du dich in Blättern und Bäumen.

Manchmal fühlt es sich an, als müsse man von vorne anfangen. Die Schauspielerei ist schwer zu greifen. Und damit meine ich: Es ist schwer, eine Szene so zu erfassen, dass sie sich wahr und wahrhaftig anfühlt. Und dann muss es ja auch noch entsprechend mit deinen Kollegen klappen. Manchmal funktioniert es gut und manchmal ist es sehr schwer.

Susanne Burg: Ein deutscher Kritiker hat über Sie geschrieben: Liam Neeson ist wie Wein: Er wird besser, je älter er wird. Nach dem was Sie eben sagten, würden Sie da zustimmen?

Liam Neeson: Ich hoffe, dass ich besser werde. Ich hoffe, dass mit dem Alter auch die Weisheit kommt. Was mich angeht, habe ich versucht, meine Schauspielerei mit dem Alter zu vereinfachen und nicht zu protzen. Ich hoffe sowieso, dass ich nie geprotzt habe. Aber ich will schlicht und wahr und hoffentlich auch mühelos rüberkommen.

Susanne Burg: Sie haben in der letzten Zeit häufig Rollen gespielt, wo Sie so eine Art einsamer Wolf waren, gebrochene Personen ein bisschen. Was reizt Sie daran, diese einsamen Charaktere zu spielen?

Liam Neeson: Ich mag daran genau das, was Sie gerade beschrieben haben. Die Figuren haben Fehler. Etwas in ihnen ist zerstört, aber sie haben häufig einen starken moralischen Kompass, der sie am Laufen hält. Es sind keine Superhelden. Als Schauspieler hat man da etwas, in das man sich besser vertiefen, mit dem man arbeiten kann.

"Ich bin gerne von den Stuntmen umgeben"

Susanne Burg: Inwieweit spüren Sie dabei aber auch vielleicht auch die Gefahr, damit nur auf eine Rolle festgelegt zu werden?

Liam Neeson: Ich glaube, die Gefahr besteht nicht. Nicht in meinem Alter. Hollywood hat mir in der letzten Zeit viele Drehbücher mit Actionhelden angeboten, aber ich habe dabei keine Angst, dass ich auf eine Rolle festgelegt werde. Und wenn es so ist, dann begrüße ich es mit offenen Armen, denn es macht mir Spaß. Ich liebe die Choreographie von Kampfszenen. Ich bin gerne von den Stuntmen umgeben. Und es ist schön, mit ganzem Körpereinsatz arbeiten zu können in diesen Rollen.

Susanne Burg: Sie haben in den neunziger Jahren ja auch dann James Bond nicht gespielt. Holen Sie das jetzt vielleicht nach? Denn Sie haben relativ spät angefangen, Actionfilme zu drehen.

Liam Neeson: Ich bin für James Bond – sagen wir: "umworben" worden, nachdem "Schindlers Liste" herauskam. Ich habe sehr lange überlegt, ob ich die Rolle übernehmen will. Ich fühlte mich geehrt. Aber es gab noch andere, die auch umworben wurden. Und ich glaube, sie haben schließlich den Richtigen genommen: Pierce Brosnan. Er ist ein Freund von mir. Und jetzt ist es Daniel Craig und Daniel ist auch phantastisch. Es gibt gar keinen Neid. Ganz und gar nicht.

"Ich möchte, dass das Publikum glaubt, was es da sieht"

Susanne Burg: Wie hat sich Ihrer Meinung nach das Bild des Actionhelden während Ihrer Karriere verändert?

Liam Neeson: Man hatte die Hardcoreactionfilme – "Rambo". Ich mag sie sehr. Meine Filme sind dagegen schwer einzuordnen. Die "Taken"-Reihe hat mich wahrscheinlich zum Actionfilm gebracht. Aber ich hoffe, die Filme sind gut. Bryan Mills ist kein Superheld. Er ist ein Typ mit einer Ausbildung als CIA-Agent, der diese Ausbildung gelegentlich einsetzt. Und das hoffentlich so, dass das Publikum es ihm abnimmt. Es sollte eine glaubwürdige, nachvollziehbare Figur sein. Er will nicht angeben. Er setzt die Kräfte für ganz bestimmte Zwecke ein.

Susanne Burg: Ist es so, dass Sie nur solche Rollen annehmen oder ist es für Sie auch wichtig, dann diesen Aspekt - also dass es wirklich Persönlichkeiten sind - das in einen Film mit hineinzubringen?

Liam Neeson: Ich versuche, die Figuren möglichst nachvollziehbar und komplex zu gestalten. Ich möchte, dass das Publikum glaubt, was es da sieht. Das ist für mich die ultimative Auszeichnung, wenn die Zuschauer sagen: Ja, ich glaube, dass er diese körperlichen Kräfte besitzt und dass er trotzdem ein Vater ist, ein Mitglied der Gesellschaft, ein normaler Bürger.

Susanne Burg: Sie haben diesen Film im Winter in New York gedreht. Es war teilweise extrem kalt. Und das Gleiche gilt auch für andere Filme, die Sie in der letzten Zeit gedreht haben. Zum Beispiel „The Grey – Unter Wölfen“. Gibt es Momente, in denen Sie sich sagen: Mein Gott, ich bin über 50. Warum tue ich mir das eigentlich an?

Liam Neeson: Manchmal denke ich das, aber in der Regel hält das nicht lange an. Die Filme, die ich drehe, sind meistens von der Produktionsseite her sehr gut organisiert. Wenn ich mich unwohl fühle, dann ist es ein sehr kleines Unwohlsein. Ich werde gut umsorgt. Ich habe einen guten Assistenten, einen guten Kampfchoreographen, mit dem ich jetzt schon 16 Filme gemacht habe. Manchmal ist einem vielleicht ein bisschen zu kalt oder zu heiß, aber das ist minimal.

Susanne Burg: Sie haben in diesem Jahr in "A Million Ways to Die in the West" gespielt. Sie drehen gerade "Ted 2". Ist es für Sie wichtig, auch mal andere Muskeln beim Schauspielen zu aktivieren, die komödiantischen?

Liam Neeson: Es ist bei mir nur dann komisch, wenn ich absolut ernst spiele. Wenn ich versuche, lustig zu sein, funktioniert es überhaupt nicht. Bei den beiden Filmen, die Sie erwähnt haben, ist das so.

Susanne Burg: Würden Sie auch gerne auf die Bühne zurückkehren?

Liam Neeson: Ich würde sehr gerne. Ich habe schon seit sechs Jahren kein Theater mehr gespielt. Ich suche nach einer neuen Stimme, einem neuen Autor. Ich bin schon häufig gefragt worden, ob ich bei klassischen Stücken mitspiele. "Sleuth" war eines. Und "Der Exorzist" soll an den Broadway. Ich denke auch über „Eines Langen Tages Reise in die Nacht“ von Eugene O’Neill nach – vielleicht zusammen mit Jessica Lange. Aber ein neuer Autor wäre auch gut.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

"Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones" kommt am 13. November in die deutschen Kinos.

 

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