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Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.03.2016

Letzte Druckausgabe für Magazin"Independent" nun nur noch digital

von Friedbert Meurer

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Der "Independant" und die "Independent-i-print-Ausgabe an einem Verkaufsstand in London (Großbritannien) am 11.02.2016. Medienberichten zufolge stellt der russische Eigner Lebedew die Zeitung ein. (picture alliance / dpa / EPA/ANDY RAIN)
Ausgaben der britischen Zeitung "Independence" an einem Zeitungskiosk in London am 11.02.2016. (picture alliance / dpa / EPA/ANDY RAIN)

"Indie" - das ist die liebevolle Kurzbezeichnung für das Politik-Magazin "Independent". Vor 30 Jahren gegründet, stieg der Independent rasch auf in der britischen Medienlandschaft. Doch damit ist es lange vorbei. Von nun an gibt es den "Indie" nur noch digital.

Der Starmoderator der BBC, Andrew Marr, will in seiner Politikshow noch ein paar abschließende Gedanken verlieren zur letzten Ausgabe des "Indie" on Sunday, der Sonntagsausgabe des Independent. "Indie" - das ist die gängige liebevolle Abkürzung des Blatts. Vor dem Moderator, der in den 90er Jahren selbst Chefredakteur des Independent war, liegt die letzte druckfrische Papierausgabe. "Ich liebe den Independent, ich liebe viele seiner Autoren, die jetzt nur noch online schreiben. Das ist dann nicht dasselbe wie vorher", trauert Marr einer Epoche hinterher.

Es ist immer traurig, wenn eine Zeitung nicht mehr erscheint, bedauert einer von Marrs Studiogästen ebenfalls und deutet auf den Titel der letzten Ausgabe: "Lights out!" - "Lichter aus!" unterlegt mit dem Bild einer Metropole bei Nacht.

In den ersten vier Jahren an der Times vorbei

1986 waren die Lichter beim Independent erstmals eingeschaltet worden. Rupert Murdoch hatte in einem monatelangen Krieg mit den Unions die Druckergewerkschaft besiegt. Unter Protest verließen mehrere Zeitungsredakteure ihre Blätter, um den Independent zu gründen. Die Auflage stieg schon bis 1990 rasant auf über 400 000 an, mehr als die Times.

"Das war einfach cool, da zu arbeiten", erinnert sich Helen Fielding, die ihre berühmten Bridget-Jones-Kolumnen im Blatt schrieb.

"Das war eine spannende Zeit. Die anderen Zeitungen gehörten mächtigen Eigentümern, das war beim Independent anders."

"Es ist ein schwerer und schmerzhafter Tag für uns", sagt der heutige Chefredakteur der Zeitung, Amol Rajan. "Jetzt nur noch online zu gehen, ist für den Independent aber richtig. Vor uns liegt eine spannende digitale Zukunft. Wir haben uns externen Rat geholt. Dieser Übergang zu Online ist notwendig."

Der Independent ist nach den Worten des Chefredakteurs wieder ein Trendsetter, wie 1986. In der Branche heißt es dagegen: der Wandel ist aus purer Not geboren. Die Auflage ist dramatisch auf nur noch 40.000 geschrumpft, ein Zehntel von früher.

Nur noch ein Torso von "The I" 

Der russische Eigentümer Evgeny Lebedev, ein Putin-Gegner, hat viel Geld in die Zeitung gepumpt, umgerechnet über 80 Millionen Euro. Jetzt wird die erfolgreiche kompakte Schwesterzeitung "The I" mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren für 25 Millionen Pfund verkauft, 100 Redakteure erhalten die Kündigung. Ganze 25 Journalisten bleiben nur in der Online-Redaktion – und das angeblich auch noch für das halbe Gehalt.

Alle Zeitungen weltweit verlieren erst Auflage und jetzt auch noch Anzeigen. Das ist sehr ernst, verteidigt einer der Gründer des Independent das Aus, Andrew Whittan Smith. "Die einzige Frage ist, wann man sich damit abfindet."

In der Tat: die Auflagen sinken auch auf der Insel dramatisch. Der "Guardian", die einzige nun verbleibende linksliberale Zeitung, hat in den letzten sechs Jahren die Auflage halbiert auf 160.000. Die Sun verkauft nur noch 1,6 Millionen Exemplare statt wie früher drei Millionen.

Nur noch "Sound-Bites" und keine Qualität?

Wie überall wandern auch in Großbritannien die jungen Leser ins Internet ab. Aus dem Rahmen fällt die Zeitungs-Neugründung "The New Day" der Mirror-Gruppe, die aber vom Anspruch her keine Qualitätszeitung ist. Geld mit Online-Journalismus verdienen nur wenige – u.a. aber der "Independent".

"Für den Independent haben früher erfahrene und kluge Köpfe geschrieben", schwärmt Helen Fielding wehmütig. "Ich sehe die Kollegen mit der Kippe im Mund vor mir, die 30 Jahre aus Nahost oder 40 Jahre über britische Politik geschrieben haben. Der Online-Auftritt ist doch kein Ersatz, das ist kein tiefgründiger Journalismus mehr. Jetzt zählt nur noch die atemlose Story und das schnelle Zitat. Das ist die Gefahr einer Zeitungskultur, die nur noch auf Sound Bites setzt."

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