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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 08.02.2016

Leonie OssowskiWer beging den Mord in der Keksdose?

Moderation: Klaus Pokatzky

Die Schriftstellerin Leonie Ossowski steht am 30.07.2015 in Berlin in ihrer Wohnung. Foto: Britta Pedersen/dpa (picture-alliance / dpa / Britta Pedersen)
Die Schriftstellerin Leonie Ossowski (picture-alliance / dpa / Britta Pedersen)

"Weichselkirschen", "Wolfsbeeren" und "Holunderzeit": Ihre Bücher wurden von den Lesern begeistert aufgenommen. Als Schriftstellerin hat sie Erfahrungen in der Sozialarbeit verarbeitet und ihre Herkunft aus dem heutigen Polen. Leonie Ossowski ist zu Gast "Im Gespräch".

"Leonie´s Killerbande" wurde die Gruppe junger Schwerstverbrecher in einer Berliner Jugendvollzugsanstalt genannt, die Leonie Ossowski jahrelang betreute. Schon als Kind war sie "Chefin" einer Jungsbande, mit der sie sich prügelte und über die Ländereien eines niederschlesischen Gutes streifte. Dort lebte die als Jolanthe von Brandenstein geborene bis zur ihrer Flucht 1945.

Drehbücher standen am Anfang ihrer Karriere

Die Erfahrungen in der Sozialarbeit hat sie als Autorin ebenso verarbeitet wie ihre Herkunft aus dem heutigen Polen. Die Familiensaga "Weichselkirschen", "Wolfsbeeren" und "Holunderzeit" wurde von den Lesern begeistert aufgenommen. Begonnen hat die Schriftstellerkarriere der siebenfachen Mutter mit dem Schreiben von Drehbüchern. "Zwei Mütter" hieß ihr erster Film, zugleich das Debüt des DEFA-Regisseurs Frank Beyer. Ihre allererste Kurzgeschichte schrieb sie schon als Kind. Die trug den Titel: "Der Mord in der Keksdose".

Im Gespräch erinnerte sich Leonie Ossowski auch sehr lebhaft an ihre Flucht aus Schllesien und ihre Ankunft in Oberschwaben: 

"Ich war eben eine Flüchtlingsfrau. Und da habe ich gemerkt über Jahre, dass einem der Begriff Flüchtling wie ein Makel angehangen hat. Wo auch immer man hin kam, man war der Flüchtling: Man musste immer freundlich, man musste immer dankbar sein, man musste sich immer anpassen. (...) Man hat immer gestört, man hat Geld gekostet. Die Leute haben Angst gehabt, dass man ihnen die Wohnung, die Arbeit wegnimmt. (...) Es ist immer dasselbe und es wird immer dasselbe bleiben."

Heute bekomme sie wieder "so eine wahnsinnige Wut", wenn sie mitbekomme, wie etwa ihr "geliebtes Polen" auf Flüchtlinge reagiere.

Auch den Vorwurf, dass Flüchtlinge kriminell seien, kenne sie nur zu gut. Ossowski gestand: 

"Ich habe auch geklaut als Flüchtling, Holz habe ich geklaut. Wenn man arm ist, klaut man eben."

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