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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.06.2011

Leistungsschau der Hauptstadtkunst

Die Ausstellung "Based in Berlin"

Von Barbara Wiegand

Der Hamburger Bahnhof in Berlin (Staatliche Museen zu Berlin - Maximilian Meisse)
Der Hamburger Bahnhof in Berlin (Staatliche Museen zu Berlin - Maximilian Meisse)

An insgesamt fünf Stationen soll die Ausstellung "Based in Berlin" einen Überblick über die Kunstszene der Hauptstadt liefern. Und obendrein als Testballon für eine permanente Kunsthalle dienen, mit der Klaus Wowereit sich rechtzeitig zu den Wahlen im Herbst noch so gern geschmückt hätte.

Kann das überhaupt noch gut gehen, nach all dem Trubel im Vorfeld? Diese Frage drängte sich zu Beginn des Ausstellungsrundgangs auf. Die Antwort am Ende lautet: Ja es kann! Jedenfalls was den Anspruch betrifft, einen Überblick über die viel gerühmte junge Kunstszene der deutschen Hauptstadt zu liefern. Denn den bekommt man – und zwar immer wieder sehenswert.

Um gut Gedachtes und auch Gemachtes zu entdecken, heißt es allerdings genau hinsehen. Denn die große Vielfalt der keinem Thema untergeordneten Schau ist bisweilen auch ihre Crux. Manchmal hat das, was gezeigt wird, etwas von einem Sammelsurium. Aus 1200 Bewerbungen und bei hunderten Atelierbesuchen mussten die fünf Kuratoren 80 Künstler auswählen. Fredi Fischli, einer der Kuratoren:

"Die Ausstellung hat zwei Spielregeln. Der erste ist der Titel. Die Künstler müssen in Berlin arbeiten und die zweite Spielregel ist, dass sie noch keine größere institutionelle Ausstellung hatten, die länger als fünf Jahre zurückliegt. Und das lässt dann aber noch viel offenen Spielraum. Und dort kommt dann die schöne Arbeit des Kuratierens, dass man sich die Stadt anschauen kann und schauen, wo sind mögliche Tendenzen, was mögliche Diskurse, wo kommen die Energien der Stadt her."

Diese Energie spürt man vielerorts. Zwar ist nicht jeder Einfall von künstlerischem Tiefgang geprägt. Aber es gibt immer wieder starke Ideen. Manche davon durchaus mit Sprengkraft. Etwa der Minicooper, den Ariel Schlesinger gleich hinterm Eingang des Atelierhauses geparkt hat.

"Wenn man sich dem Wagen nähert, wundert man sich wohl als erstes über die Gasflaschen auf dem Rücksitz. Dann entdeckt man das kleine Loch in der Scheibe, aus dem Gas ausströmt und man sieht die kleine Flamme. Also die Sache ist brandgefährlich – das kann alles hochgehen, obwohl es auf den ersten Blick so friedlich aussieht. Damit beziehe ich mich natürlich auch auf meine Biografie, als Israeli bin ich in einem Land aufgewachsen, in dem fast täglich solche Autobomben explodieren und meine Familie litt unter dem Holocaust. Aber darüber hinaus will ich den Fokus auf Situationen richten, die auf den ersten Blick ganz normal wirken, in Wahrheit aber sehr fragil sind."

So wie der junge Israeli bauen einige "ihre Geschichte" in die Kunst mit ein. Andere beziehen sich auf den Ort und nehmen einzelne Wände des einstigen Atelierhauses einfach raus, statt Bilder dran zu hängen. Wohl als symbolische Vorwegnahme der Abrissbirne, die im September dem Haus im Monbijoupark zu Leibe rücken wird. Und als einfache wie einladende Geste der Kunst an die Welt da draußen. Wieder anderes steckt voller witziger Poesie. Zum Beispiel die von Rocco Berger konstruierte Altölmalmaschine, bei der die "Farbe" aus einem Kanister auf die Leinwand tropft – verteilt von einem Ventilator. Oder die Bücher, die der Däne Simon Dybbroe Moller von Klavierspielern live vertonen lässt, Buchstabe für Buchstabe, als mal anderes Hörbuch.

"Es ist wie eine Audioprojektion im Raum vom Erlebnis Lesen, aber es geht auch darum, was für eine Melancholie und Stimmung die Arbeit hervorrufen kann. Die einzelnen Töne in einem musealen Raum, das kriegt eine gewisse Schwere und Pathos."

Im musealen Kontext des Hamburger Bahnhofs installiert, wirkt diese Arbeit besonders gut.

Genauso passt Jeremy Shaws bizarres Video-Ballett in Slowmotion tanzender Punks bestens in die große Halle der Kunstwerke.

Generell ist die Aufteilung auf fünf Standorte ein großes Plus. Dadurch zeigt sich, was man erreichen könnte, wenn man öfter zusammenarbeiten würde. Und überhaupt stellt sich abschließend die Frage, was bleibt von "Based in Berlin", wenn die Ausstellung nach sechs Wochen zu Ende geht. Hans Ulrich Obrist, kuratorischer Berater:

"Es ist auf jeden Fall etwas, was Berlin braucht. Wenn man sieht, dass hier mehr Künstler arbeiten als irgendwo auf der Welt. Cedric Price, der englische Urbanist, sagte immer: Wir brauchen urbane Magneten. Und was er damit meinte, dass es nicht nur darum geht, dass man neue Gebäude hinzufügt, sondern man kann nachdenken, was solche Magneten sind, die bestehende Gebäude aktivieren, leerstehende umfunktionieren. Ich meine die ganze Diskussion um eine Kunsthalle. Es ist ja auch interessant, dass es nicht unbedingt um einen Ort geht, der architektonisch fest bestehen muss, sondern man könnte darüber nachdenken, dass die Kunsthalle der Zukunft solche Magneten sind. Magneten für Berlin."

Insgesamt also lautet das Fazit, dass "Based in Berlin" dem Besucher einen ziemlich guten Überblick bietet über die Kunst in der Stadt. Wobei einiges durchaus einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Fraglich ist aber, ob man den gleichen Effekt vielleicht sogar nachhaltiger erreicht hätte, wenn man die 1,6 Millionen Euro Ausstellungsetat direkt den Institutionen zur Verfügung gestellt hätte oder wenn das Geld in Atelierprogramme geflossen wäre.

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