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Feiertag / Archiv | Beitrag vom 01.07.2012

"Lehre mich deine Ordnungen"

Vom Suchen und Finden und vom Ordnung halten

Von Herma Brandenburger, Eberholzen

Ordnung schaffen bedeutet, einen neuen Anfang zu machen.
Ordnung schaffen bedeutet, einen neuen Anfang zu machen. (AP)

"Lehre mich deine Ordnungen" betet der Psalmist, auch wenn der Volksmund meint: "Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen." Wer auf Harmonie und Ausgleich bedacht ist, der kommt ums Aufräumen nicht herum. Unordnung bringt jegliches Gleichgewicht aus dem Takt. Ordnung schaffen bedeutet, einen neuen Anfang zu machen. Selbst Gott musste erst einmal für Ordnung im Weltchaos sorgen, damit Leben entsprechend seiner Schöpfungsordnung gelingen kann.

"Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen" lautete einst das Credo meiner pubertären Jahre. Und wenn jemand damals von einem "ordentlichen Menschen" sprach, war er in meinen Augen bestenfalls ein langweiliger Spießer, der sicher bei nichts so große Lust empfinden mochte, wie beim Aufräumen. Von Anfang an war ich deshalb eine leidenschaftlich Suchende, weil meine Sachen die unangenehme Eigenschaft hatten, sich klammheimlich zu verflüchtigen.

Verschwundenen Sachen nachzuforschen kostete mich deshalb nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch Geld, und es dauerte lange, bis ich den häufig gehörten Satz meines überaus ordnungsliebenden Vaters nicht mehr in den Wind schlug als kleinbürgerlichen Wesenszug meines Erziehungsberechtigten: "Halte Ordnung, liebe sie, sie erspart dir Zeit und Müh!" Ich erinnere noch mehr solcher Merksätze, die mir mit vermeintlicher Liebenswürdigkeit in Reimform serviert wurden. Doch weniges nur hörte sich für mich so ätzend an, wie wenn meine Mutter auf meine Frage, wo nur wieder mein Kamm sei, gewohnt ironisch antwortete: "Guck halt mal bei der Butter!..." Die Bekanntschaft mit der "heiligen Ordnung" der "segensreichen Himmelstochter" (Fr.Schiller in: Die Glocke) hatte ich bis dahin erfolgreich verweigert. Wenn Ordnung das halbe Leben sein sollte – wie ein Sprichwort behauptet – entschied ich mich eben für die andere Hälfte. Als Rechtfertigung dafür diente mir Paul Claudels Gedanke: "Die Ordnung ist die Lust der Vernunft, aber die Unordnung ist die Wonne der Phantasie." (entnommen der Zitate-Datenbank aus dem Internet)

Als junge Mutter mit Haushalt und Baby ziemlich gestresst, kam mir einmal auf unerklärliche Weise die Rechnung der örtlichen Stromgesellschaft abhanden. Aus den Augen, aus dem Sinn, auch die darauf folgende Zahlungserinnerung und wohl eine weitere Mahnung. Einige Wochen mit Kind und Kegel weit weg bei den Großeltern verbracht und eines späten Abends nach Hause zurückgekehrt, schockte uns die Tatsache, dass das Elektrizitätswerk uns kurzerhand den Strom gesperrt hatte.

Rechnungen erfuhren in meiner jungen Familie meist eine stiefmütterliche Behandlung; irgendwie schafften sie es immer wieder zu verschwinden, und gerieten bei uns in Vergessenheit, bevor sie bezahlt worden waren. Nicht so bei ihren Absendern. Dann begann ein hektisches Suchen, wobei sich in unserem Durcheinander häufig Dinge wiederfanden, von denen wir gar nicht mehr wussten, dass wir sie besessen hatten. Folgte daraufhin eine grundlegende Aufräumaktion, hatten wir hinterher prompt Not, etwas wiederzufinden. So kehrten wir in Kürze zu dem gewohnten Tohuwabohu zurück.

Einmal fiel mir zufällig die Mahnung einer Rechnung in die Hände, und ich eilte, nichts Gutes ahnend, mit inzwischen zwei Kleinkindern am Wickel zur Bank, um die ausstehende Summe zu überweisen. Einige Wochen später klingelte ein fremder Mann an unserer Tür, der sich als Gerichtsvollzieher auswies. Ich sagte, meiner Sache ganz sicher, dass es sich wohl um einen Irrtum handeln müsse, denn die genannte Rechnung sei doch längst beglichen. Und als er höflich darum bat, die Überweisungsbestätigung von der Bank sehen zu dürfen, begann die übliche Sucherei – vergebens. Der kleine Bankbeleg war nicht etwa ordnungsgemäß abgeheftet, sondern wieder irgendwo dazwischengeraten. "Dann muss ich Ihnen leider einen Kuckuck auf eins ihrer Möbel kleben", sagte der Mann, und ich verwünschte lautstark unsere Unordnung. Trotz allem muss ich überzeugend genug versichert haben, dass die Rechnung wirklich und wahrhaftig bezahlt war, so dass uns – bis auf eine spürbare Gebühr – der "Kuckuck" erspart blieb. Einige Zeit später tauchte der Zahlungsbeleg auf, an einer Stelle, wo er freilich überhaupt nichts zu suchen hatte.

Gelegentlich einmal gründlich aufzuräumen, mag ja noch angehen; dauerhaft Ordnung zu halten ist bedeutend schwieriger. Das erfordert eine gehörige Portion Disziplin. Aus gehabtem Schaden lange nicht genug gelernt, merkte ich erst sehr spät, dass es für "Alles und Jedes" Behältnisse gibt zum sortieren, aufbewahren und einordnen; und dass alles seinen Ort, seinen Platz und seinen Zeitpunkt braucht und ernstgenommen werden will. Heute liegt bei mir, für die Zeit, wenn ich einmal nicht mehr bin, alles Wichtige auf einen Blick ordentlich bereit, damit sich die Verzweiflung der Hinterbliebenen in Grenzen halten kann. Eingedenk der erwachsenen Kinder einer Freundin, die ihr unverblümt nahegelegt haben, schon mal mit dem Aussortieren und Entrümpeln anzufangen, auf dass für sie dereinst die Arbeit mit Mutters Nachlass nicht ausufert....

Ohne sinnvolle Ordnung funktioniert kein System und ohne eine erkennbare Struktur wird jeder Versuch, einen Durchblick zu gewinnen, zur vergeblichen Mühe. Wenn das Viele keine Form und keine Regeln kennt, leidet unterm Chaos auch das menschliche Miteinander. Stabile Verhältnisse bedingen einen wohldurchdachten Plan und die Einhaltung von Gesetzen. "Halte die Ordnung, und die Ordnung hält dich", lautet eine mönchische Lebensweisheit. Davon kündet nach christlich/jüdischem Verständnis die ganze Schöpfung, angesichts deren bewundernswertem Aufbau selbst moderne Naturwissenschaftler nicht leugnen mögen, dass hier eine geniale Geisteskraft am Werk gewesen sein muss.

Natürlich sollte niemand davon ausgehen, dass es sich bei der bibelmythologischen Schilderung der Erschaffung der Welt um einen historischen Bericht handelt; sie ist eher als Verständnishilfe zu sehen dafür, worin Welt und Mensch gründen. Gott bleibt dabei das große Geheimnis, das niemand je entschlüsseln wird. Jedem steht es allerdings frei, diesem Gott Glauben zu schenken; keiner wird qua Gesetz dazu gezwungen. Aber wer sich aus freien Stücken zu glauben entscheidet, für den ist die Welt weniger unheimlich, er weiß um die Sinnhaftigkeit seiner Existenz, und wo er sich im Letzten aufgehoben weiß.

Am Anfang – heißt es im ersten Buch der Bibel – war die Welt wüst und wirr. "Finsternis lag über der Urflut, aber Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott schied das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht." Ordnung in ein System zu bringen bedeutet, zu entscheiden und zu trennen, und dabei jedem seinen ihm gemäßen Platz zuzuweisen.

Am zweiten Tag schuf Gott das Himmelsgewölbe und das feste Land; das angesammelte Wasser nannte er Meer. Und wieder befand Er Sein Werk für gut.

Dann ließ Gott junges Grün wachsen, alle Arten von Pflanzen und von Bäumen, die Früchte hervorbrachten. Und wieder ließ er es Abend und Morgen werden, am dritten Tag, und überzeugte sich davon, dass alles gut war.

Am nächsten Tag sollten Lichter am Himmelsgewölbe sein, als Zeichen zur Bestimmung von Festzeiten und von Tagen und Jahren dienen. "So geschah es. Gott machte die beiden großen Lichter, das größere, das über den Tag herrscht, das kleinere, das über die Nacht herrscht, auch die Sterne....damit sie über die Erde hin leuchten, über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden." Das war Sein Werk am vierten Tag.

Am fünften Tag belebte Gott das Wasser mit lebendigen Wesen, und Vögel sollten über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen. Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch und bevölkert das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren. Alles war gut, als es Abend wurde und Morgen.
Danach wollte Gott, dass das Land alle Arten von lebendigen Wesen hervorbringt, von Vieh, von Kriechtieren und von Tieren des Feldes. So geschah es, und es war gut so.


Alles bekam seinen ordnungsgemäßen und passgenauen Bereich. "Wenn Fisch und Vogel sich ineinander verlieben – wo sollten sie ihr Nest bauen?" fragt ein weises Wort. Es passt eben nur das zusammen, was zusammengehört.

"Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich Gott schuf also den Menschen als sein Abbild. Als Mann und Frau schuf er sie." Er segnete sie und wollte, dass sie die Erde bevölkerten. "Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: der sechste Tag.

So wurden Himmel und Erde vollendet und ihr ganzes Gefüge. Die Schöpfung steckt voller Kraft; sie wurde uns überantwortet, und wir sind verantwortlich für sie.

Am siebten Tag ruhte Gott, nachdem Er sein ganzes Werk vollbracht hatte. ER segnete den siebten Tag und erklärte ihn für heilig" (nach Gen 1-2-4a)


Fast rührend menschlich mutet die Erwähnung an, dass Gott am siebten Tag "ruhte". Das Ausruhen nach vollendeter Tat ist für den biblischen Autor erwähnenswert, und der Zeitpunkt wird von Gott sogar für heilig erklärt. Ruhezeit ist heilige Zeit!

Sonn- und Feiertagsruhe sind hierzulande zwar gesetzlich verbürgt, müssen jedoch immer wieder gegen destruktive Mächte verteidigt werden. Auch der weise Prediger im Alten Testament wusste, das "ein jegliches seine Zeit hat" (Pr 3,1), und dass bei dem, was zur falschen Zeit erzwungen wird, auf Dauer das Gelingen infrage steht.

Auch die Zeit, unsere Lebenszeit, bedarf kluger Einteilung. Dabei sind Uhren und Kalender hilfreiche Stützen. Ohne richtige Zeitplanung geraten Vorhaben schnell durcheinander. Verzetteln tun sich meist immer dieselben und wundern sich, wo ihre Zeit geblieben ist, und sie immer zu spät kommen. Oder sie rasen durch ihre Zeit und sind immer früher "fertig", nicht im Sinne von vollendet, sondern eher vorzeitig am Ende. Dabei zählt auch, mit der Vergangenheit aufzuräumen, und ihr nicht unnötig lang verhaftet zu bleiben. Doch Vorsicht beim Ordnen von Altlasten! Schmerzliche Erinnerungen lassen sich durch Wegwerfen von Gegenständen allein nicht auslöschen. Sie müssen ganz vorsichtig "entsorgt" werden.

Aufräumen ist Seelenarbeit. Welche Prioritäten verordne ich mir, damit mein Leben nicht aus dem Takt gerät? Welchen Wert messe ich Harmonie und Gleichgewicht zu? Wichtig ist nicht allein, wo gehört etwas hin, sondern auch: Wo gehöre ich hin, wo ordne ich mich ein? Und wie verhindere ich, dass ich nicht auch seelisch vermülle?

Die Vorgehensweise eines genialen Schöpfergottes ist selbst für heutige Menschen, für die bereits ungeheuer viel machbar ist, ein bewundernswertes Beispiel. Auch, weil hier nicht einer zeigt, wie mit starker Hand und einem ebensolchen Willen mal eben in Nullkommanix ein kompliziertes Universum hinzustellen geht. Die heilige Schrift spricht sehr poetisch und liebevoll davon, wie der Schöpfer sich Zeit lässt; wie er immer wieder das bisher Getane überprüft und sich davon überzeugt, dass es auch wirklich gut ist, bevor er weiter verfährt. Man könnte meinen, Gott habe dabei die Entdeckung der Langsamkeit gemacht. Alles geht seinen ruhigen Gang, und Gott hat sein Wohlgefallen am ordnungsgemäßen Ablauf.
Mit den Menschen hat er aber offensichtlich einen Unsicherheitsfaktor in seine Schöpfung eingebracht. Von Anfang an bringen sie Unordnung und Unruhe ins ansonsten gut funktionierende System. Manchmal überkommt einen der Verdacht, als habe Gott mit der Erschaffung des Menschen ein Eigentor geschossen, wenn man sieht, wie respektlos sie mit dem umgehen, um das Er so viel Sorgfalt walten ließ. Als der Mensch schließlich auch noch sein eigener Gott sein wollte, verlor er seine paradiesische Unbescholtenheit. So ist bereits am Anfang der Bibel schon von Mord und Totschlag, von Neid, Betrug und arglistiger Täuschung unter den Menschen die Rede.

Als Gott sah, dass "die Schlechtigkeit der Menschen zunahm, reute es Ihn, Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh" heißt es (Gen 6,5ff); Er war nah dran, den Menschen wieder von der Erde zu vertilgen, wozu es ja auch beinahe gekommen wäre, hätte ihn nicht ein einziger Mensch erbarmt, weil der ein "gerechter und untadeliger Mann unter seinen Zeitgenossen" war. Mit dem Mann Noah und seinem ganzen Haus wagte Gott schließlich einen Neuanfang, nachdem Er durch eine große Sintflut eine umfassende Aufräumaktion gestartet hat, durch die aller Unrat erst einmal wieder von der Erde verschwand. Gott scheute demnach nicht vor Korrekturen an seinem Werk zurück.

Erstaunlich spät erst sieht Gott ein, dass Er um die Einführung verbindlicher Maßgaben nicht herumkommt, und schafft mit Zehn Geboten so etwas wie eine "Hausordnung" für Seine Schöpfung.

Nach dem Buch Exodus überreichte Gott Mose zwei steinerne Tafeln, auf denen von Seiner Hand geschrieben stand:
Ich bin der Herr, dein Gott...Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
Du sollst den Feiertag heiligen.
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
Du sollst nicht töten.
Du sollst nicht ehebrechen
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht deines Nächsten Frau begehren
Du sollst nicht das Eigentum deines Nächsten begehren.


Ähnlich, wie mit Hausordnungen im allgemeinen verfahren wird, drückt sich der Mensch auch mit der Hausordnung Gottes – den zehn Geboten - gern drum herum, sie ordentlich einzuhalten.

Manch einem fällt es nicht schwer, sich auf seine Religion etwas zugute zu halten, und merkt in Wirklichkeit nicht, dass er statt Gott allein, vor allem Geld und Gut anbetet.

Bei jeder Gelegenheit führt er den Namen Gottes im Mund, obwohl der den leichtfertigen Gebrauch im 2. Gebot unter Strafe gestellt hat.

Wem sind heute noch die Sonn- und Feiertage heilig? Statt zu ruhen und zu sich selbst zu kommen, sehen nicht wenige Menschen in ihnen willkommene Gelegenheiten zur Gewinnmaximierung oder zum ausgiebigen Konsum.

Das Erwerbsleben ermöglicht es erwachsenen Kindern nicht – wie es das vierte Gebot verlangt – sich um ihre alten Eltern zu kümmern; dafür haben die wenigsten heute Zeit und noch weniger Platz.

Anmaßendes Selbstverständnis suggeriert vielen Menschen, Herr über Leben und Tod zu sein. Dagegen mahnt das 5. Gebot "Du sollst nicht töten!"

Kaum, das sie ihren eigenen Ort gefunden haben, tummeln manche sich bedenkenlos da, wo sie nichts zu suchen haben, wiewohl sich moralische Ordnung nicht ausschließlich auf das sechste Gebot bezieht.

Fremdes Eigentum ist vor diebischem Zugriff nie ganz sicher. Wer wird gleich von "stehlen" reden, wenn man "wegfinden" dazu sagt.

Manche lügen gar das Blaue vom Himmel herunter, wenn es darum geht, einem unliebsamen Mitmenschen etwas Übles nachzusagen, oder ein Auge auf dessen Hab und Gut zu werfen. Dann heiligt auf einmal der Zweck jedes Mittel. Die Bibel verwirft eine solche Haltung im 8. bzw. 10. Gebot. Dabei beabsichtigen die göttlichen Weisungen nichts anderes, als Wegmarkierungen zu sein, die helfen, dass das Leben der Menschen auf dieser Erde gelingt. Blindes Befolgen von Verordnungen, deren Sinnhaftigkeit niemandem einleuchtet, ist damit nicht gemeint. Auch wenn Anspruch und Wirklichkeit immer wieder auseinander triften, braucht man nicht entmutigt aufzugeben.

Mittlerweile selbst zu einem ordentlichen Menschen herangealtert, muss ich dennoch – wie der biblische Beter im 119. Psalm – Gott von Zeit zu Zeit daran erinnern: "Lehre mich Deine Ordnungen."


Musik dieser Sendung
• CD: Erik Satie, Piano Works, mit Klara Körmendi, Klavier, Naxos
• CD: Gustav Holst, The Planets, Symphonieorchester Berlin, EMI


Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag hat der katholische Senderbeauftragte für Deutschlandradio Kultur, Pfarrer Lutz Nehk.