Seit 07:00 Uhr Nachrichten
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 07:00 Uhr Nachrichten
 
 

Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 18.06.2014

Legalized itKifferparadies Colorado?

Erste Erfahrungen mit der Marihuana-Legalisierung in dem Bundesstaat

Von Marcus Pindur, Studio Washington

Der Laden Medicine Man ist in Colorado, wo Gras legal ist. (Deutschlandradio Kultur / Fredy Gareis)
Kundinnen im "Medicine Man" suchen ihre Lieblingsgrassorte aus. (Deutschlandradio Kultur / Fredy Gareis)

Eine große Mehrheit der Wähler in Colorado hatte sich für die Legalisierung von Cannabis entschieden. Inzwischen gibt es Hotels, in denen man kiffen darf und lizensierte Cannabis-Händler.

"Ich rauche Marihuana, weil es den Umgang mit Leuten interessanter und die Monotonie des Lebens erträglicher macht."

"Es lässt mich innerlich zur Ruhe kommen, sodass ich mich auf einen Gedanken konzentrieren kann. Es fokussiert meine Kreativität."

"Ein unglaubliches Gefühl von Freiheit und Spaß, fast übernatürlich."

Junge Leute in Colorado beschreiben ihre Erfahrungen mit Marihuana. Die Droge ist längst schon nicht mehr nur Teil einer Jugendkultur in den USA, sie ist schon seit Langem gesellschaftsfähig – und seit einem halben Jahr ist sie in Colorado auch legal. Stoner aus allen Teilen der USA kommen ins Marihuana-Mekka – high sein und keine Paranoia vor der Polizei schieben, dass ist eine ganz besondere Dröhnung.

Angela Bernhard hat den legalen Tetrahydrocannabinol-Konsum in ihr Geschäftsmodell integriert. Sie betreibt mit ihrem Freund ein Bed-and-Breakfast in der Nähe von Denver, in einem kleinen Ort namens Morrison. Auf ihrer Website werben die beiden damit, dass man bei ihnen im Whirlpool kiffen darf. Und die Kunden wüssten dies zu schätzen, meint Angela.

"Unsere Kunden kommen aus der oberen Mittelschicht, haben Geld, sind intelligent und gesellig. Und das hat es bisher für diese Klientel nicht gegeben, dass der Arzt, der Rechtsanwalt oder die Geschäftsfrau abends zusammensitzen können und einen Joint rauchen. Marihuana-Rauchen ist eine sehr gesellige Angelegenheit in Amerika."

Schwierige Rechtslage für Händler

Das Marihuana-Rauchen ist in den bürgerlichen Lebensstil integriert und gleichzeitig ein antibürgerlicher rebellischer Gestus, den man sich leisten kann. Für 10 Dollar ist eine Tüte zu haben, bei Northern Lights Cannabis, einer der 160 lizensierten Cannabis-Einzelhändler. Eva Woolhiser ist die Inhaberin.

"Das Schwierigste ist, dass wir keinerlei Geschäftsausgaben von der Steuer absetzen können. Und wir werden als Einzelpersonen versteuert und nicht als Unternehmen, dadurch ist unser Steuersatz sehr hoch."

Ein weiteres Problem: Eva kann ihr Geld nicht zu einer Bank bringen, dass würde den Tatbestand der Geldwäsche erfüllen, so sehen es jedenfalls die Bundesgesetze. Bundes- und Landesrecht beißen sich. Viele offene juristische Fragen.

Aufklärung durch Steuereinnahmen finanzieren

Es sei noch zu früh, um abzuschätzen, ob die Marihuana-Legalisierung ein Erfolg sei, meint Paul Lopez. Der Demokrat vertritt den ärmsten Bezirk von Denver im Rathaus. Paul Lopez hat durchgesetzt, dass keine Marihuana-Geschäfte in der Nähe von Schulen aufmachen dürfen. Doch die wichtigste Aufgabe sei es, im Rahmen der Legalisierung die Jugendlichen über Marihuana aufzuklären, dafür werde ein Teil der Steuermehreinnahmen verwandt.

"Marihuana ist und bleibt eine Droge. Man sollte sie nicht andauernd zu sich nehmen, nur weil sie legal ist. Alkohol ist auch legal, aber deshalb sollte man nicht den ganzen Tag über Bier trinken."

Mehr zum Thema:

Rocky Mountain High - Colorado und das blühende Geschäft mit Cannabis (Deutschlandradio Kultur, Die Reportage, 01.05.2014)

US-Staat Colorado erlaubt Marihuana-Verkauf (Deutschlandradio Kultur, Ortszeit, 02.01.2014)

Interview

Anschlag in London Gewöhnen wir uns langsam an Anschläge?
Ein Polizist steht in London vor einer abgesperrten Straße. (AFP / Joel Ford)

Bei dem Anschlag in London starben vier Menschen. Dennoch gab es beim Länderspiel Deutschland-England keine Schweigeminute. "Man kann sagen, dass eine Wiederholung von Anschlägen, die nach einem ähnlichen Muster ablaufen, zu einer Gewöhnung führen kann", so Psychologe Immo Fritsche.Mehr

weitere Beiträge

Reportage

Jobben im RuhestandArme Rentner, reiches Land
Nahaufnahme der Hand einer alten Frau, die ein paar Münzen zählt.  (imago stock&people)

Bis zu eine Million Ruheständler arbeiten in Mini- oder Teilzeitjobs, so die Schätzunge der Bundesagentur für Arbeit. Renate Paulat, 81, ist eine davon. Sie betreut Demenzkranke, die genauso alt sind wie sie. Wir haben sie und andere Menschen besucht, die im Ruhestand jobben.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur